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»Matt sehe ich nur auf Firmenpartys«

Die deutsche »Simpsons«-Zeichnerin Jennifer Möller über den lang ersehnten Kinofilm der gelben Kultfamilie

»Die Simpsons« sind die langlebigste Comedy-Serie der USA. Auch hierzulande genießt die gelbe Chaosfamilie aus Springfield seit über 15 Jahren Kultstatus. Ende Juli kommt nun »Die Simpsons – Der Film« in die Kinos und könnte zum diesjährigen Sommerhit avancieren. Worum es darin geht, unterliegt jedoch strengster Geheimhaltung. Wie so häufig bei Blockbustern wird auch die Presse den Film erst wenige Tage vor dem Starttermin sichten können. Nur so viel ist bekannt: Homer muss die Welt vor einer Katastrophe retten, die er selbst verursacht hat. Einen Blick hinter die »Simpsons«-Kulissen eröffnet die 30-jährige Kölner Zeichnerin Jennifer Möller, die in Kalifornien seit 2003 an der Serie und zuletzt am Kinofilm mitgewirkt hat.

»Die Simpsons« sind die langlebigste Comedy-Serie der USA. Auch hierzulande genießt die gelbe Chaosfamilie aus Springfield seit über 15 Jahren Kultstatus. Ende Juli kommt nun »Die Simpsons – Der Film« in die Kinos und könnte zum diesjährigen Sommerhit avancieren. Worum es darin geht, unterliegt jedoch strengster Geheimhaltung. Wie so häufig bei Blockbustern wird auch die Presse den Film erst wenige Tage vor dem Starttermin sichten können. Nur so viel ist bekannt: Homer muss die Welt vor einer Katastrophe retten, die er selbst verursacht hat. Einen Blick hinter die »Simpsons«-Kulissen eröffnet die 30-jährige Kölner Zeichnerin Jennifer Möller, die in Kalifornien seit 2003 an der Serie und zuletzt am Kinofilm mitgewirkt hat.

KREUZER: Muss man eher Lisa oder Bart sein, um »Simpsons«-Zeichner zu werden?
JENNIFER MÖLLER: Ein bisschen beides: Barts spontane freche Art braucht man beim Zeichnen unbedingt, aber dazu auch Lisas Arbeitsdis-zi-plin.
KREUZER: Wie wird man überhaupt »Simpsons«-Zeichnerin?
MÖLLER: Zeichentrickfilm hat mich schon als Kind fasziniert. Ich habe mit Zoo- und Aktzeichnungen angefangen. Nach dem Abitur hatte ich die Chance, Animation am California Institute of the Arts zu studieren, wo ich 1999 meinen Abschluss machte und sofort einen Job bei der Serie »Futurama« bekam, die ebenfalls von Matt Groening stammt. Leider wurde die schon nach vier Staffeln beendet, aber von dort war der Übergang zu den »Simpsons« möglich.
KREUZER: Hatten Sie dann häufig mit der Tochter von Al Gore zu tun? Die hat ja für »Futurama« die Texte geschrieben.
MÖLLER: Die Autoren arbeiten in einem ganz anderen Stadtteil als die Zeichner, Kristin Gore habe ich also nie gesehen. Auch die Sprecher und Gastsprecher bekommen wir Zeichner nicht zu Gesicht.
KREUZER: Arbeitet der »Simpsons«-Schöpfer Matt Groening aktiv mit oder ist er mittlerweile selbst zum Homer mutiert?
MÖLLER: Keine Sorge, ein Homer ist er noch lange nicht. Groening arbeitet hauptsächlich mit den Autoren und Produzenten, mit denen er die Episoden vom Drehbuch bis zur Ausstrahlung überwacht.
KREUZER: Wie erleben Sie Groening?
MÖLLER: Ich kenne ihn nicht persönlich, sehe ihn nur ab und zu auf unseren Firmenpartys, wo er sehr sympathisch und zugänglich wirkt. Auf der letzten »Simpsons«-Party für die 400. Episode habe ich mir ein Autogramm von ihm geholt und gerahmt – ein schönes Souvenir.
KREUZER: Wie albern geht es bei der Arbeit zu?
MÖLLER: Man stellt sich den Arbeitsprozess wesentlich ulkiger vor, als er ist. Klar, das Material ist sehr lustig und unterhaltsam, aber die Umsetzung erfordert eine Menge Konzentration. Wir lachen zwar in den Pausen viel, aber wenn es ans Zeichnen geht, wird es ernst.
KREUZER: Wie lange brauchen Sie für einen Homer?
MÖLLER: Das habe ich noch nie gemessen. Beim Zeichentrickfilm konzentriert man sich auch nicht auf individuelle Posen, sondern darauf, dass die Bewegung der Figur in einer ganzen Reihe von Zeichnungen funktioniert.
KREUZER: Machen Sie nur Homers oder auch Moe und Mr. Burns?
MÖLLER: Ich zeichne alles, was in der jeweiligen Szene zu sehen ist. Im Kinofilm sieht man in mehreren Szenen alle Springfield-Bewohner auf einmal. Zwei Monate lang habe ich wirklich jeden Charakter gezeichnet. Ich kam mir vor, als würde ich nicht am »Simpsons-«, sondern am »Springfield-Movie« arbeiten.

KREUZER: Wie kreieren Sie eine Szene?
MÖLLER: Meine Arbeit geht von einem Storyboard aus, also von einem comicartigen Ablauf der einzelnen Szenen, in dem Kameraeinstellung und Bildausschnitt bereits festgelegt sind. Zudem liegen mir die relevanten Entwürfe vor: Wo spielt die Szene? Was trägt Homer gerade, welche Requisiten braucht er – Erdnuss-Schälchen oder Bierflasche? Der Dialog ist zu dem Zeitpunkt bereits aufgenommen, dementsprechend lege ich die Gesten der Figuren an.
KREUZER: Erkennen Sie Ihre Zeichnung in der fertigen Folge überhaupt noch?
MÖLLER: Die einzelnen Szenen gehen durch so viele Hände, dass sich der Stil vereinheitlicht. Die Figuren müssen ja auch immer nach sich selbst aussehen. Man erkennt mit der Zeit aber eigene Vorlieben beim Schauspielern mit dem Bleistift: bestimmte Gesten und Gesichtsausdrücke zum Beispiel.
KREUZER: Ist der Kinofilm ganz genauso gezeichnet wie die TV-Serie?
MÖLLER: Es war schon eine Herausforderung, den Stil der Serie leinwandgerecht neu zu interpretieren. Man sieht im Kino viel mehr Details. Gleichzeitig darf es nicht zu anders aussehen, sonst verliert es den Charme der Serie. Immerhin haben die Charaktere jetzt Schatten. Dadurch wirken sie erstens nicht wie übergroße gelbe Farbflächen und zweitens haben sie so den Anschein von dreidimensionalen Figuren.
KREUZER: Wieso haben die »Simpsons« eigentlich nur vier Finger?
MÖLLER: Das fragen Sie am besten Gott. Wann immer der bei den »Simpsons« auftaucht, hat er nämlich fünf Finger.

ab 26.7., CineStar, Passage Kinos

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