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Aus der Trashkiste der Filmgeschichte

Quentin Tarantino und Robert Rodriguez huldigen mit »Death Proof« und »Planet Terror« den Grindhouse-Schmuddelkinos

Grindhouse, so hießen in den USA die Schmuddelkinos der 60er, 70er, 80er Jahre, die in Doppelvorstellungen billige B- und C-Movies runterspielten, bis die Filmkopien bis zur Unkenntlichkeit verschlissen waren. Jede Menge Action, Gewalt und Sex sowie ein nebensächlicher Plot waren die Zutaten dieser Exploitationfilme, die die jungen Jahre des Filmjunkies Quentin Tarantino prägten. Mit seinem Freund Robert Rodriguez hat er als Hommage an dieses obszöne Kapitel der Filmgeschichte das »Grindhouse«-Projekt verwirklicht, für das Rodriguez mit »Planet Terror« den ersten Film drehte, Tarantino mit »Death Proof« den zweiten, und Freunde wie Eli Roth (»Hostel«) und Edgar Wright (»Hot Fuzz«) trashige Fake-Trailer und -Werbespots beisteuerten.

Grindhouse, so hießen in den USA die Schmuddelkinos der 60er, 70er, 80er Jahre, die in Doppelvorstellungen billige B- und C-Movies runterspielten, bis die Filmkopien bis zur Unkenntlichkeit verschlissen waren. Jede Menge Action, Gewalt und Sex sowie ein nebensächlicher Plot waren die Zutaten dieser Exploitationfilme, die die jungen Jahre des Filmjunkies Quentin Tarantino prägten. Mit seinem Freund Robert Rodriguez hat er als Hommage an dieses obszöne Kapitel der Filmgeschichte das »Grindhouse«-Projekt verwirklicht, für das Rodriguez mit »Planet Terror« den ersten Film drehte, Tarantino mit »Death Proof« den zweiten, und Freunde wie Eli Roth (»Hostel«) und Edgar Wright (»Hot Fuzz«) trashige Fake-Trailer und -Werbespots beisteuerten.

Doch der 53 Millionen Dollar teure »Grindhouse«-Doppelfilm blieb in den USA unverstanden und geriet zum Riesenflop. So kommen die zwei Einzelteile nun in längeren Fassungen getrennt und so gut wie ohne Extras in unsere Kinos »Death Proof« Ende Juli und »Planet Terror« erst Anfang Oktober. Das enttäuscht zwar angesichts des pekuniären Umgangs mit dem »Grindhouse«-Kunstwerk, schadet beiden Filmen aber an sich in keinster Weise.

Die Storys sind exploitationtypisch schnell erzählt: In Rodriguez‘ »Planet Terror« droht ein Supervirus die Menschheit in Zombies zu verwandeln, wogegen sich eine kleine Gruppe verwegener Freiheitskämpfer zur Wehr setzt – mit einer Maschinenpistole als sexy Beinprothese, Blutfontänen, abgeschnittenen Hoden und Gedärmen bis zum Abwinken. Ekelhafter Splatter, der weniger gruselig als grotesk daherkommt und an Rodriguez‘ Kultwerk »From Dusk till Dawn« erinnert.

In Tarantinos »Death Proof« frönt ein wild gewordener abgehalfterter Stuntman seinem Sadismus, indem er heiße Girls in Hotpants mit einem schwarzen Killerauto plattwalzt. Doch bereits beim zweiten Anlauf scheitert er an Tarantinos Superfrauen, die sich selbst als Stuntfrauen entpuppen und zum Rachefeldzug ansetzen (hinreißend: Uma Thurmans leibhaftiges »Kill Bill«-Stuntdouble Zoë Bell).

Beide Filme ahmen die abgewetzten Filmkopien der Grindhouses nach: mit Streifen im Bild, ausgeblichenen Farben und übertriebenem Technicolor, fehlenden Anschlüssen und nicht zuletzt einer gänzlich fehlenden Filmrolle. Doch während sich Rodriguez damit begnügt, überwiegend auf seine eigenen Filme anzuspielen, bietet Tarantino ein weiteres Mal wiederbelebte Filmgeschichte voll Zitat und Metaebene.

Allein den gebrochenen Antihelden Stuntman Mike mit Ex-»Klapperschlange« Kurt Russell zu besetzen, zeugt von unverschämter Genialität. Erinnerungen an Russ-Meyer-Filme und Slasher-Movies, in denen psychopathische Mörder am Fließband heiße Tussis abschlachten, werden wach. Schließlich treibt ausgerechnet ein weißer Dodge Challenger Baujahr 1970 (»Vanishing Point«) die mörderische Autoverfolgungsjagd zum Exzess.

All das rettet Tarantino samt Retro-Look und -Musik mit ungeheurer Lässigkeit in die Gegenwart. Kurzum: Rodriguez ist wieder megaschriller Trash gelungen, Tarantino aber erneut ein meisterlicher Coup.

»Death Proof«: seit 19.7., CineStar, Passage Kinos, ab 30.8., Schaubühne Lindenfels, 17.-29.8. im vorzuziehenden OmU in der Kinobar Prager Frühling; »Planet Terror«: ab 4.10.
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