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»Besser als jeder Lehrfilm«

Der Leipziger Medienpädagoge Hartmut Warkus über angebliche »Killerspiele« und Computerspiele im Unterricht

„Wenn man über Killerspiele redet, dann müsste man auch die Mario-Brothers dazu zählen. Da wird auch getötet“, sagt Hartmut Warkus. Er ist Professor für Medienpädagogik an der Uni Leipzig. Warkus sprach vor dem Bundestag als Experte zum Thema „Killerspiele“. Seine Mission scheint fast unmöglich: Er will Lehrern Computerspiele, sogar Ego-Shooter, näherbringen. Dazu rief er in Leipzig die „Computerspiel-Nächte“ ins Leben. Dort konnten die Pädagogen ballern bis zum Morgengrauen.

„Wenn man über Killerspiele redet, dann müsste man auch die Mario-Brothers dazu zählen. Da wird auch getötet“, sagt Hartmut Warkus. Er ist Professor für Medienpädagogik an der Uni Leipzig. Warkus sprach vor dem Bundestag als Experte zum Thema „Killerspiele“. Seine Mission scheint fast unmöglich: Er will Lehrern Computerspiele, sogar Ego-Shooter, näherbringen. Dazu rief er in Leipzig die „Computerspiel-Nächte“ ins Leben. Dort konnten die Pädagogen ballern bis zum Morgengrauen.

KREUZER: Herr Warkus, warum spielen Sie mit Lehrern »Counterstrike«?
HARTMUT WARKUS: Weil ich möchte, dass die Lehrer wissen, was die Kinder spielen und worüber sie sich in den Schulhofecken unterhalten. Die Lehrer- und Elterngeneration hat da den sozialen Anschluss verloren.
KREUZER: Hatten die Lehrer Angst vor dem Spiel?
WARKUS: Berührungsangst und Skepsis, würde ich sagen. Einige wollten nicht mitspielen. Die haben sich das aber wenigstens angeschaut. Uns war wichtig, dass die Lehrer es sehen und nicht nur darüber in der Zeitung lesen.
KREUZER: Woher kommt der Begriff »Killerspiel«?
WARKUS: Das frage ich mich auch. Ich habe das nie verstanden. Selbst Leute, die ständig davon reden, wie der Kriminologe Christian Pfeiffer, haben nie eine Antwort auf die Frage gegeben: Was genau ist ein Killerspiel? Den Begriff hat irgendeiner erfunden, der keine Ahnung von Computerspielen hat. Außerdem hat diese Person wohl nicht daran gedacht, dass damit eine ganze Generation von jungen Leuten in eine Ecke gestellt wird: Das sind die Killer. Mit diesem Begriff werden Menschen diskreditiert.
KREUZER: Ist »Counterstrike« nun ein gefährliches Spiel oder nicht?
WARKUS: Na ja – es könnte sein, dass jemand, der sich pausenlos damit beschäftigt, Schaden nimmt. Genauso wie exzessives Fernsehen auch nicht förderlich ist, oder pausenloses Wandern. Wenn man das Maß verliert, kann spielen gefährlich sein. Nur – diese Fälle in den Vordergrund zu rücken, halte ich für verwerflich.
KREUZER: Wie kann man verhindern, dass es zu dieser Maßlosigkeit kommt?
WARKUS: Nur durch ein funktionierendes Umfeld. Wenn ein Kind Unmengen an Zeit mit einem Spiel verbringt, dann können nur Eltern und Lehrer es da rausholen. Die müssen aber informiert sein, womit sie es wirklich zu tun haben. Und was daran so faszinierend ist.
KREUZER: Sie fordern, Computerspiele in den Unterricht zu integrieren. Wie soll das gehen?
WARKUS: Zum Beispiel im Physikunterricht: Kraft ist Masse mal Beschleunigung – das kann der Lehrer an die Tafel malen. Aber er kann es den Schülern auch anhand eines Rennspiels demonstrieren und sie können es ausprobieren. Das ist besser als jeder Lehrfilm, und die Schüler werden begeistert sein.


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