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Lust an der Panik

Nr. 4 vom 19.08.07, 22.00

In der letzten Woche hat die Börse es wieder ganz an die Spitze der Nachrichten geschafft. Ein Zittern und Bangen wurde lustvoll erzeugt, Angst und Schrecken geradezu zelebriert. Was ist eigentlich passiert? 10% Verlust in vier Wochen. Na und? Wir bewegen uns seit vier Jahren aufwärts und bei der ersten halbwegs ernsten Grippe bricht gleich die Panik aus? Eine schleichende Verblödung der Medien …

In der letzten Woche hat die Börse es wieder ganz an die Spitze der Nachrichten geschafft. Ein Zittern und Bangen wurde lustvoll erzeugt, Angst und Schrecken geradezu zelebriert. Was ist eigentlich passiert? 10% Verlust in vier Wochen. Na und? Wir bewegen uns seit vier Jahren aufwärts und bei der ersten halbwegs ernsten Grippe bricht gleich die Panik aus? Eine schleichende Verblödung der Medien ist erste Ursache dafür. Da werden aus ein paar Tagen Abwärtsbewegung gleich Katastrophen. Der völlig überzogene Vergleich mit dem Platzen der Webblase 2000 wurde gezogen. Dabei war es nur logisch, dass es nicht ewig bergauf gehen kann. Eigentlich handelt es sich um eine Gesundung. Die selbstheilenden Kräfte des Kapitalismus regen sich. Risiken werden wieder als solche erkannt und bewertet. Die Fakten: Der DAX stand 2003 bei ca. 2200 Punkten, zum Börsenschluss am Freitag, dem 17.08. lagen wir bei 7392,72. Das sind selbst jetzt noch plus 10% aufs Jahr.

Und besonders positiv: Die schnellen Jungs von den Hedgefonds, Private Equity und wie sich sonst noch schön nennen, kommen nicht mehr so billig an Kredite. Das ist mit dem Wort Kreditklemme, von dem man zuletzt häufig las, gemeint. Da platzt auch gerade nur eine Blase, sozusagen der letzte Schrei in der kapitalistischen Entwicklung. Was machen die eigentlich? Diese Heuschrecken, wie sie Herr Müntefehring von der SPD einst taufte, und damit hat er ausnahmsweise mal richtig gut getroffen, jagen mit billigem Geld Firmen, auch hierzulande, leeren die Kassen, nehmen sogar noch Kredite auf, die sie sich gern selbst in die Tasche stecken und verticken den entblößten Laden zum Beispiel über die Börse, wo sich noch immer genügend blöde Aktionäre finden, die solche Papiere kaufen. Die Belegschaft dieser Firmen kann dann die nächsten zehn Jahre die Schulden abarbeiten, während die Herren Hedgefondsmanager im Jahr eine halbe Milliarde verdienen und nicht mehr so richtig wissen, wohin mit der ganzen Kohle. Derweil steigen die Preise für Kunst. Die ist wenigstens einmalig.

Was gibt es noch dazu zu sagen? Eigentlich nichts Neues, es gilt der Rat der letzten Woche: Bank- und Finanzwerte verkaufen. Den Markt beobachten und abwarten. Es ist nicht gesagt, dass die Krise mit der Senkeng des Diskontsatzes in den USA überstanden ist. Das wurde zwar so gefeiert, aber nüchtern betrachtet ging es zwei Stunden steil hoch und flaute dann artig wieder ab. Alle professionellen Geldmenschen versuchen zu beruhigen und wiegeln ab. Ob Finanzminister oder Notenbankpräsidenten, Bankvorstände oder Börsenmakler. So cool, wie sie tun, sind sie nicht, soviel steht fest. Es steht uns eine spannende Woche bevor.


Die Börsenkolumne

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