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Einlass nur für Rechte

Ein Neonazi-Treffpunkt mitten in Leipzig: Die Eröffnung des Tonsberg-Ladens am Brühl erhitzt die Gemüter

Nach Berlin und Dresden hat auch in der Leipziger Innenstadt ein Tonsberg-Laden eröffnet. Die Filiale nahe dem Marriott-Hotel bietet Kleidung der Marke Thor Steinar an, die mit Motiven und Begriffen auf den Nationalsozialismus verweist. »Der Leipziger Naziszene wird dadurch mitten in der City ein fester und legaler Anlaufpunkt geschaffen«, kritisiert Klara Naumann von der Leipziger Antifagruppe (LEA).

Nach Berlin und Dresden wurde am vergangenen Sonnabend auch in der Leipziger Innenstadt ein Tonsberg-Laden eröffnet. Die Filiale bietet Kleidung der Marke Thor Steinar an, die mit Motiven und Begriffen auf den Nationalsozialismus verweist. »Der Leipziger Naziszene wird dadurch mitten in der City ein fester und legaler Anlaufpunkt geschaffen«, kritisiert Klara Naumann von der Leipziger Antifagruppe (LEA).

Nur wenige Geh-Minuten vom Hauptbahnhof liegt das Geschäft in der Richard-Wagner-Straße zwischen Brühl-Arkaden und dem Hotel Marriott inmitten einer Baustelle, ein Tonsberg-Banner prangt über der Tür. Verbarrikadierte Schaufenster verhindern jedoch den Blick ins Innere – heftige Antifa-Proteste vom Wochenende haben Spuren hinterlassen. Auch das Friseurgeschäft nebenan wurde dabei demoliert – die herumliegenden Steine trafen die falschen Scheiben.

Ein Selbstversuch bestätigt, was viele längst ahnen: »Normale« Kundschaft erhält keinen Zutritt zu den Verkaufsräumen. Obwohl ein A4-Zettel an der Sperrholztür (»OPEN«) das Gegenteil signalisiert, werden wir nicht hereingelassen. Ein großer, bulliger Typ drückt uns die Tür vor der Nase zu und befördert uns nach draußen. Auch der Versuch, mit dem Menschen ins Gespräch zu kommen, scheitert: abwehrendes Kopfschütteln und Tür zu.

»Das ist doch peinlich, dass unsere Stadt so einen Laden hat«, beschwert sich Ilona Lucke vom Blumenhaus Lägel in den Brühl-Arkaden. Der eigens vor dem Tonsberg-Laden abgestellte Security-Mann versteht die Aufregung nicht. Die Marke Thor Steinar ist ihm bekannt: »Das ist doch albern, wegen ein paar Klamotten hier solch einen Wind zu machen.« Auf Anfrage räumt er ein, früher der rechten Szene angehört zu haben, jetzt aber nicht mehr: »Die Hosen von Thor Steinar sind einfach praktisch. Deswegen ist man doch kein Nazi!« Seinen Namen will er lieber nicht nennen.

Dem Vermieter, der Immobilienfirma Immovaria, war angeblich nicht klar, an wen die Geschäftsräume vermietet wurden. Juliane Nagel vom Landesvorstand der Linken ruft alle Leipziger auf, »die Existenz eines Thor Steinar Ladens in Leipzig nicht ruhig zu dulden«. Für die Antifa hat deren Sprecherin Klara Naumann bereits angekündigt: »Wir werden gegen den Laden vorgehen, bis er wieder dicht macht.« Die nächste Demonstration ist für den 3. Oktober angesetzt.

Mehr zum Thema im November-KREUZER!
Interview mit Burkhard Jung: »Ein solcher Laden gehört nicht in die Stadt«: http://www.kreuzer-leipzig.de/politik/244
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