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Training statt Probe

Die TheaterTurbine feiert ihr fünfjähriges Bestehen und ist den Kinderschuhen längst entwachsen

Kein Bühnenbild, keine Kostüme, keine Requisiten – was nach einem Selbstmordkommando für ein Stadttheater klingt, ist seit fünf Jahren das Erfolgsrezept der TheaterTurbine. Nach dem Vorbild des Briten Keith Johnstone zeigen sie Improvisationstheater auf höchstem Niveau. Professionelle Schauspieler entwickeln Szenen nach den Vorgaben des Publikums, dabei gilt: Je abstruser, desto besser und Überlegen gilt nicht. Die Zuschauer zählen ein, dann muss was passieren – 3, 2, 1, los.

Kein Bühnenbild, keine Kostüme, keine Requisiten – was nach einem Selbstmordkommando für ein Stadttheater klingt, ist seit fünf Jahren das Erfolgsrezept der TheaterTurbine. Nach dem Vorbild des Briten Keith Johnstone zeigen sie Improvisationstheater auf höchstem Niveau. Professionelle Schauspieler entwickeln Szenen nach den Vorgaben des Publikums, dabei gilt: Je abstruser, desto besser und Überlegen gilt nicht. Die Zuschauer zählen ein, dann muss was passieren – 3, 2, 1, los.
»Wir hatten mal eine Szene, die an einem Sarg gespielt hat. Die Ansage war: Dieser Sarg ist zu. Dann erzählte aber plötzlich ein Spieler, er sehe die Hand eines Menschen darin. Also spielten wir weiter, der Sarg sei aus Glas. So ergab sich auf einmal eine ganz märchenhafte Szene«, erzählt Thorsten Giese, Mitbegründer der TheaterTurbine. Solche Momente, in denen es nicht nur darum geht, dem Affen Zucker zu geben, sondern auch Theaterhandwerk zu zeigen, waren vor fünf Jahren noch nicht selbstverständlich. »Wenn ich an unsere ersten Shows denke, sehe ich, wie wir uns verbessert haben«, sagt Thorsten Giese.
Improvisationstheater funktioniert wie Leis-tungssport, die Spieler müssen regelmäßig trainieren. »Zum Beispiel muss man üben, positiv zu denken, Situationen anzunehmen«, erklärt Karin Werner, zweites Gründungsmitglied. Dieser positive Grundgedanke kann auch für Nicht-Schauspieler wichtig sein. »Deshalb bieten wir auch Workshops an, in denen jeder durch die Impro-Spiele etwas für sein Leben mitnehmen kann.«
Außerdem spielt die TheaterTurbine bei Privatveranstaltungen, etwa in einer gemieteten Straßenbahn vor Mitarbeitern einer Keksfabrik oder in einem Edellokal vor Bankangestellten. »Wir kriegen tatsächlich Anrufe, bei denen es heißt: Seid mal lustig. Dabei können Impro-Szenen auch tragisch sein«, so Giese. Seine Kollegin Karin Werner ergänzt: »Für mich sind das die spannendsten Szenen, in denen es darum geht, dem Publikum etwas zuzumuten.«
Und die TheaterTurbine dreht sich unermüdlich: Nächstes Jahr spielen sie Sommertheater, geben einen Workshop in Playback-Improvisation und nehmen an Festivals teil. Ihr Spiel verfeinern wollen sie sowieso, eben wie beim Sport, so Thorsten Giese: »Man muss im Training bleiben. Nur so kann es passieren, dass ich mich beim Spielen manchmal über mich selbst wundere. Das sind die besten Momente, da merke ich: Das Ding ist noch lange nicht fertig.«

13.10., Schaubühne Lindenfels

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