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Prinzip Hoffnung

Was wird aus dem Kunstsponsoring der Sachsen LB?

Die Dinge laufen gut für Julia Schmidt. Die Wahlleipzigerin erhielt 2006 den Kunstpreis der Sachsen LB, der im Turnus von zwei Jahren an junge Nachwuchskünstler vergeben wird. »Das war schon sehr toll für mich, ich denke viele Leute haben die Ausstellung gesehen.« Weitere renommierte Ausstellungen im In- und Ausland folgten.

Die Dinge laufen gut für Julia Schmidt. Die Wahlleipzigerin erhielt 2006 den Kunstpreis der Sachsen LB, der im Turnus von zwei Jahren an junge Nachwuchskünstler vergeben wird. »Das war schon sehr toll für mich, ich denke viele Leute haben die Ausstellung gesehen.« Weitere renommierte Ausstellungen im In- und Ausland folgten. Wie ihre prominenten Vorgänger Tilo Baumgärtel und Ricarda Roggan profitierte die Künstlerin davon, ihre Arbeiten fern von den kommerziellen Zwängen der Galerien im Museum der bildenden Künste präsentieren zu können. Möglich wurde dies durch das Engagement eines wichtigen Financiers der Leipziger Kunstszene, der Sachsen LB.

Bei der Landesbank hat allerdings seit dem 26. August eine neue Zeitrechnung begonnen. Die Sachsen LB ist nun Tochterunternehmen der baden-württembergischen Landesbank (LBBW). Mit dem neuen Management werden Reformen kommen, die auch das Kunstsponsoring der Bank betreffen dürften. Mit welcher Wirkung?

Konsequenzen könnte die neue Situation vor allem für die haben, die bisher dauerhaft mit der Landesbank zusammenarbeiten, wie die Leipziger Jahresausstellung (LIA). Die renommierte Schau eröffnet zeitgenössischen Künstlern die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Darüber hinaus wird ein Preisträger bestimmt, der sich neben finanziellen Unterstützungen auch auf eine eigene Ausstellung freuen darf. Bei der Jahresausstellung geht man davon aus, dass die Sachsen LB auch weiterhin den Preis stellen wird, aber »wenn die Bank abspringt und wir keinen anderen Sponsor finden, wird es keinen Preis geben«, sagt Sylvia Schade von der LIA.

Julia Schmidt, Untitled (Back Set), 2006

Auch mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) arbeitet die Landesbank regelmäßig zusammen. Gemeinsam werden Projektarbeiten ausgewählter Diplomanden der Hochschule für Grafik und Buchkunst finanziert. Im Mittelpunkt steht hier die Förderung moderner und experimenteller Kunst. Darüber hinaus werden aber auch Einzelausstellungen in der GfZK unterstützt. Auf die Frage, wie die weitere Zusammenarbeit mit der Sachsen LB aussehen wird, sagt GfZK-Direktorin Barbara Steiner: »Das einzige ist bisher: Wir haben keine Absage. Das gibt Anlass zur Hoffnung.«

Bei der Bank selbst gibt man sich zurückhaltend. Im Namen des Vorstandes ließ man verlauten, dass man auch weiterhin im Bereich des gesellschaftlichen Engagements »Flagge zeigen« wolle. Allerdings wird eingeschränkt, »dass über den Umfang derzeit noch keine Auskunft gegeben werden kann, dafür ist es noch zu früh«. Mehr als ein Lippenbekenntnis ist das nicht, denn schriftliche Verträge existieren nicht. Für die Jahresausstellung und die GfZK heißt das im Klartext: abwarten und Tee trinken.

Hoffnung könnte ein Blick gen Süden machen. Denn das neue Mutterunternehmen der Sachsen LB, die baden-württembergische Landesbank LBBW, ist auf dem Gebiet der Kunst- und Kulturförderung sehr aktiv. Kulturbürgermeister Georg Girardet verknüpft damit denn auch die Hoffnung, dass das Engagement der Sachsen LB in Zukunft noch ausgebaut werden könnte. Letztlich hängt dies aber vom neuen Management der Bank ab. Die Sachsen LB betreibt keine eigene Abteilung für das Kunstsponsoring, Entscheidungen sind darum letztlich immer auch von den persönlichen Präferenzen des Vorstandes abhängig.

Ob Julia Schmidt die letzte Preisträgerin des Kunstpreises der Sachsen LB sein wird, wird sich spätestens 2008 zeigen, wenn die nächste Verleihung ansteht – hoffentlich.

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