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Exotische Affäre

Biologe beobachtet Multikulti-Paarung bei Krähen

Hier läuft alles ganz ungezwungen und ohne Trennungsschmerz: Jedes Jahr gehen sie auf Partnersuche. Der eine kommt aus dem Westen, der andere aus dem Osten. Ein halbes Jahr wird Bett und Essen geteilt, um sich dann wieder zu trennen. Wenn die Beziehung gut lief, treffen sie sich im Frühjahr wieder.

Hier läuft alles ganz ungezwungen und ohne Trennungsschmerz: Jedes Jahr gehen sie auf Partnersuche. Der eine kommt aus dem Westen, der andere aus dem Osten. Ein halbes Jahr wird Bett und Essen geteilt, um sich dann wieder zu trennen. Wenn die Beziehung gut lief, treffen sie sich im Frühjahr wieder.

Was klingt wie das neueste Angebot einer Dating-Agentur, gibt es wirklich – unter den Krähen im Clara-Zetkin-Park. Die Nebelkrähe aus dem Osten Europas und die Rabenkrähe aus dem Westen zeugen Multikulti-Babys. Die Tiere, die sich normalerweise höchst selten mit anderen Arten paaren und wenn, dann unfruchtbaren Nachwuchs zeugen, setzen hier alle Naturgesetze außer Kraft. Prof. Christoph Randler vom Institut für Biologie der Uni Leipzig hat das Phänomen untersucht. Während der Eiszeit waren die zwei Arten entstanden und hatten seitdem in Ost- und Westeuropa gelebt. „In der Grenzzone jedoch paaren sie sich auch untereinander.“

Die Krähe aus dem Westen ist rabenschwarz, die aus dem Osten wesentlich heller. Die Mischlingskrähen sind deshalb äußerlich gut zu erkennen – sie sind schwarz mit einem grauen Band um den Hals. „Etwa 30 Prozent der Paare in der Region sind Mischlingspaare“, sagt Randler. „Die Nachkommen leben dabei aber vollkommen toleriert innerhalb eines Vogelschwarmes. Krähen sind sehr sozial und klug.“ Das scheinbar so moderne, weltoffene Modell der Krähen hat aber doch noch einen Haken. „Die Krähen entschließen sich nur aus Partnermangel für diese Paarung. Wenn sie die Wahl haben, entscheiden sie sich immer noch für ihresgleichen.“


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