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Finanztipp Nr. 38

Wie das Wettfieber mit einem durchgeht

Eines schönen Samstags ist sie da, die zündende Idee. Sarah, Felix und ich wissen plötzlich, wie wir dem Joch studentischer Armut entkommen können. „Wir gehen zum Pferderennen und wetten uns reich“, schlage ich vor, „dann können wir für immer studieren.“ Felix freut sich über die Gelegenheit, ungeniert Jackett und Hut tragen zu können: „Ich leihe mir ein bisschen Geld und dann gehts los.“

Eines schönen Samstags ist sie da, die zündende Idee. Sarah, Felix und ich wissen plötzlich, wie wir dem Joch studentischer Armut entkommen können. „Wir gehen zum Pferderennen und wetten uns reich“, schlage ich vor, „dann können wir für immer studieren.“ Felix freut sich über die Gelegenheit, ungeniert Jackett und Hut tragen zu können: „Ich leihe mir ein bisschen Geld und dann gehts los.“ Wir stürzen uns in die bürgerlichen Freuden, fahren zur Rennbahn Scheibenholz im Clara-Zetkin-Park. Dort wetten sich risikofreudige Menschen seit 140 Jahren um Kopf und Kragen.

Doch der erste Eindruck ist ernüchternd. Nur wenige Menschen im Sonntagsstaat mischen sich geschickt unter Familien und Studenten, wetten kann man schon ab 50 Cent. Wo bleibt das große Geld? Zum Glück treffen wir Servicemitarbeiterin Maria Dombeck: „Es gibt auch richtige Zocker. Einmal kam einer und hat mich gefragt, auf welches Pferd ich setzen würde. Er hat 200 Euro gesetzt und 400 gewonnen.“ Das inspiriert. Wir fangen an, in unseren Taschen nach Kleingeld zu kramen. Erstes Rennen, die Spannung ist zum Bersten. Ich setze auf die Favoritin, doch La Sauvage schmeißt schon vor dem Start ihren Jockey ab und rennt ein paar Runden um die Bahn. Enttäuscht bin ich, aber auch ein bisschen stolz auf mein wildes Anarcho-Pferd. Wie es sich aufbäumt! Felix: „Das riecht nach Sabotage. Du musst noch mal wetten!“

Also los. Wir gehen auf die Tribüne – wegen der besseren Sicht auf unsere Pferde. Um uns herum ein bunter Haufen Menschen. „Was die alle hier machen?“, fragen wir uns und erfahren, dass die meisten aus purem Vergnügen hier sind. So zum Beispiel Carola Friedrichs, die Dame, die mit Ehemann und einem Becher Bier neben uns sitzt und erzählt, dass sie seit 20 Jahren zum Pferderennen geht: „Wegen der Atmosphäre und der ganzen Leute hier.“ Die Stimmung ist locker, kein Zeichen von Anspannung verrät die Familienausflügler. Nur unser Pokerface sitzt noch nicht. Denn es steht einiges auf dem Spiel – unser Studium.

Wir entwickeln Systeme. Sarah setzt auf Außenseiterpferde – ohne sich auch nur im Geringsten davon beirren zu lassen, dass sie jede Runde verliert: „Es geht auch um die moralische Unterstützung meines Pferdes!“ Ich habe Mitleid, lade sie mit meinem spärlichen Gewinn von drei Euro auf ein Eis ein. Felix ist nicht zu bremsen, seine Wetten werden komplizierter, schließlich setzt er, von allen guten Geistern verlassen, auf ein Pferd namens Berlusconi – und gewinnt. Letztes Rennen: „Mein Pferd sieht schon wieder so verschlafen aus“, sagt Sarah. Felix ist sich sicher: „Avesta will laufen, ey. Ich denke, das wird was.“


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