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Verschwörung in der Baugrube?

Die archäologischen Funde auf der Campus-Baustelle am Augustusplatz sorgen für Streit

Seit Februar wird auf dem Augustusplatz gebaggert, und zwar auf historisch
bedeutsamem Terrain. An dieser Stelle standen seit dem 13. Jahrhundert ein Dominikanerkloster und die spätere Universitätskirche St. Pauli. Tatsächlich haben die Archäologen Mauerreste gefunden, die sie dem Kloster oder den Grabkapellen der Kirche zuordnen.

Seit Februar wird auf dem Augustusplatz gebaggert, und zwar auf historisch
bedeutsamem Terrain. An dieser Stelle standen seit dem 13. Jahrhundert ein Dominikanerkloster und die spätere Universitätskirche St. Pauli. Tatsächlich haben die Archäologen Mauerreste gefunden, die sie dem Kloster oder den Grabkapellen der Kirche zuordnen.

Der Leipziger Paulinerverein, schärfster Verfechter eines Wiederaufbaus der Paulinerkirche, vermutet jedoch, dass es sich bei diesen Funden um die Nordwestecke der Kirche handelt, die 1968 auf Anweisung der SED gesprengt wurde. Nun herrscht ein heftiger Streit darüber, was gefunden wurde und wie damit am besten umzugehen sei.
„Die Zeit für eine ordentliche Erkundung wurde offenbar nicht eingeplant“, beklagt sich Vereinsvorstand Ulrich Stötzner. Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie bestreitet das: „Auch wenn es manchmal etwas hektisch wirken sollte, handelt es sich nicht um eine Notgrabung.“

Das sächsische Finanzministerium als Campus-Bauherr verneint die Zugehörigkeit der Mauerreste zur Paulinerkirche. Nun richten überregionale Medien ihre Aufmerksamkeit auf den Zwist: Die Welt spricht von „einer der heikelsten Baustellen Deutschlands“. Das ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“ sieht „Archäologenschmu“ in einer Stadt in der „gewissenloses Handeln Tradition zu haben scheint“.

Diese Darstellung hat ihren Ursprung nicht zuletzt in den heftigen und teilweise abstrusen Vorwürfen des Paulinerverein-Mitglieds Wieland Zumpe. Auf der Internetseite www.paulinerkirche.de spinnt Zumpe eine große Verschwörungstheorie. Da geht es um „erpressbare“ Landespolitiker, welche mit „vorsätzlich kriminellen Methoden“ Bodendenkmale zerstören würden. Die Praxis der Ausgrabungen vergleicht Zumpe mit dem Gewaltexzess von Mügeln. Ulrich Stötzner distanziert sich inzwischen von den Äußerungen seines Vereinskollegen: „Ich kann einem Mitglied aber nicht den Mund verbieten.“ Zumpe fordert unterdessen vehement einen Baustopp am Augustusplatz.
Was bedeutet das Hickhack für die vom Interim geplagten Studenten? Campus-Bauleiter Volker Kylau vom Sächsischen Immobilien- und Baumanagement gibt sich gelassen: „Die Bauarbeiten sind durch die Ausgrabungen nur um zwei Wochen verzögert worden“, sagt er. Der Termin der Fertigstellung im Oktober 2009 sei davon nicht bedroht.


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