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Wann kracht es endlich?

Nr. 6 vom 16.01.08

Die letzten Wochen und Monate stagnierte die Börse so vor sich hin. Die Zeichen der Krise mehren sich weltweit, vor allem in den USA und Japan. Insofern ist es erstaunlich, dass die Börsenindizes nicht schon tiefer gefallen sind. Denn die zuletzt hier schon beschriebenen Szenarien der sogenannten US-Immobilienkrise und der daraus resultierenden Kreditkrise bilden eine explosive Mischung, die erhebliche Gefahren für die Weltkonjunktur bergen.

Die letzten Wochen und Monate stagnierte die Börse so vor sich hin. Die Zeichen der Krise mehren sich weltweit, vor allem in den USA und Japan. Insofern ist es erstaunlich, dass die Börsenindizes nicht schon tiefer gefallen sind. Denn die zuletzt hier schon beschriebenen Szenarien der sogenannten US-Immobilienkrise und der daraus resultierenden Kreditkrise bilden eine explosive Mischung, die erhebliche Gefahren für die Weltkonjunktur bergen. Wirklich die Weltkonjunktur? Alles guckt nach China und Indien, kräftiges Wachstum dort unten, feine Sache für eine Wirtschaft wie die deutsche, die in erster Linie vom Export lebt. Tatsächlich ist dies ein Grund, warum die deutschen Standardwerte bislang wenig in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sie sind längst nicht mehr so abhängig von der amerikanischen Konjunktur, wie noch vor 10, 20 Jahren. Der deutsche Exportanteil nach Asien hat sich in den letzten Jahren immer weiter vergrößert, nach Amerika dagegen vermindert.
Umso beeindruckender fallen die Kursstürze der amerikanischen Großbanken ins Auge. Hier kann man unterdessen von veritablen Katastrophen sprechen. Und niemand weiß, ob es das nun schon gewesen ist. Ich glaube es nicht. Diese Krise ist noch längst nicht ausgestanden. Die Citigroup z.B., die nach Börsenbewertung teuerste Bank der Welt, hat ihren Kurs unterdessen halbiert, d.h. ihr Wert sank von 55,55 $ Höchststand der letzten 52 Wochen auf heute 26,24 $. Erst durch Kapitalspritzen von saudischen Prinzen und chinesischen Staatsfonds konnte die Existenz leidlich gesichert werden. Chinesische Staatsfonds! Das ist das amerikanische Großkapital am Herzen getroffen! So ähnlich hätten sie sich noch vor kurzem den Teufel vorgestellt. Aber derlei Verflechtungen sind letztlich gut für den Weltfrieden, denn wenn sich die USA mit China verflechten wächst zusammen, was nicht unbedingt zusammen gehört. Und das muss ja nicht schlecht sein. Austausch ist immer gut.
Was heißt dies für uns hier vor Ort? Eher verkaufen, Kasse füllen, abwarten. Man hat auch in Deutschland in den ersten Wochen des Jahres einige heftige Stürze gesehen, insbesondere zuletzt gut gelaufene Werte wie die Solaraktien, aber auch Werte wie VW oder Salzgitter haben heftige Einbuße erlitten. Der Schocker war aber die Aktie der Hypo Real Estate, die am Dienstag, dem 15. Januar innerhalb von 30 Minuten um 35% stürzte. So etwas hatte der DAX noch nie gesehen. Der Grund für die rasante Talfahrt war, dass die Chefs entgegen früherer Erklärungen nun doch 390 Millionen € Verluste auf amerikanische Wertpapiere abschreiben müssen. Bei diesem Preis von knapp über 20 lohnt fast schon wieder der Einstieg. Aber insgesamt stehen in den nächsten Wochen und Monaten noch einige schlechte Überraschungen ins Haus, erst Mitte des Jahres werden alle Bilanzen auf dem Tisch liegen. Derzeit hoffen noch viele Großbanken, dass sich die Lage vielleicht doch noch bessert und geben nicht alle faulen Werte preis. Erst nachdem dies passiert sein wird, kann man wirklich alles überblicken.


Die Börsenkolumne

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