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Helsinki, London, Miami, Leipzig ohne Zwischenstopp

Top Billin führen das derzeit angesagte Genre New Rave aus dem Hype in die Clubs

Seit etwas mehr als einem Jahr geistert ein knalliges Schlagwort durch die Musikwelt: New Rave. Das britische Musikmagazin NME hatte den Begriff 2006 erfunden und mit Verweis auf die Indie-Band Klaxons zum nächsten großen Ding ausgerufen. Markenzeichen des neuen Trends: schrille Klamotten, ein krachender musikalischer Genre-Mix und unbedingte Party-Laune.

Seit etwas mehr als einem Jahr geistert ein knalliges Schlagwort durch die Musikwelt: New Rave. Das britische Musikmagazin NME hatte den Begriff 2006 erfunden und mit Verweis auf die Indie-Band Klaxons zum nächsten großen Ding ausgerufen. Markenzeichen des neuen Trends: schrille Klamotten, ein krachender musikalischer Genre-Mix und unbedingte Party-Laune. Der Begriff selbst zieht eine Parallele zum britischen »Rave«-Sound der frühen Neunziger, mit dem die Verschmelzung von Indie-Gitarren und Clubbeats einen heißen, aber kurzen ersten Höhepunkt feierte. Doch der Hype um New Rave erinnert auch an andere medial aufgebauschte Entdeckungen der letzten Jahre. Electroclash, Bastard Pop oder Dance-Punk – sie alle boten eine grelle Vermischung verschiedener Stile. Ist New Rave also nur eine weitere Luftblase der Marketingabteilungen und Musikmedien?

Nicht ganz, zumindest ist das schwer zu glauben, wenn die Musik mit solch großem Herzblut gelebt wird wie von dem finnischen DJ-Trio Top Billin. Ihr Credo lautet: Echter Spaß an guter Musik. In Helsinki veranstalten Top Billin wilde Partys, und ihre Online-Mixetapes begeistern inzwischen weltweit. Was darauf zu hören ist, gleicht einem Wirbelsturm: treibend und mitreißend, laut und krachend. Dabei betonen Fiskars, Sir Nenis und Flippery, dass ihr atemberaubendes Mixing noch reine Handarbeit sei – nicht nur mit Plattenspielern, auch Sampler, Effektgeräte und ein Mikrofon kommen zum Einsatz. Doch wo Top Billin einerseits auf ehrlicher Bodenständigkeit beharren, ist es gerade ihr angenehm unauthentischer Umgang mit verschiedenen Stilen, der ihren Sound so spannend macht. Ob Techno, HipHop-Einflüsse oder Soft Rock – Top Billin kennen keine Scheuklappen, solange der Club bebt. Nicht zuletzt verbinden sie die New Rave-Ästhetik so mit Phänomenen wie Baile Funk, Miami Bass oder Baltimore Funk. Diese basslastigen Abkömmlinge des Elektrofunks à la »Planet Rock« brodeln schon seit einiger Zeit fast unbemerkt von der Öffentlichkeit unter den dreckigsten Tanzflächen der Welt. Top Billin mischen dies alles zu einem enthusiastischen Gebräu zusammen, inzwischen auch auf ihren selbst produzierten Tracks und Remixen. Wenn sie live in der Distillery spielen werden, könnten sie also den Beweis antreten, dass New Rave tatsächlich mehr ist als ein kurzlebiger Hype. Hoffen wir es, denn Tanzen hat schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht.

15.1., Distillery
http://www.myspace.com/topbillinmusic
Clubbing

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