Startseite / Kultur / Miss Leipzig auf der Berlinale

Miss Leipzig auf der Berlinale

Premiere bei den Filmfestspielen: Der Dokumentarfilm »Sag mir, wo die Schönen sind« porträtiert neun Frauen einer 1989er Schönheitskonkurrenz

Starke Frauen – so könnte das Motto dieser Berlinale lauten. Von »Elegy« über »Julia« bis Doris Dörries »Kirschblüten – Hanami« sind sie es, die in diesem 58. Festivaljahrgang die Hauptrollen spielen. Der Leipziger Dokumentarfilm »Sag mir, wo die Schönen sind« passt da ins Bild – auch wenn seine Protagonistinnen nicht Penelope oder Scarlett heißen, sondern Simone, Ramona und Grit.

Starke Frauen – so könnte das Motto dieser Berlinale lauten. Von »Elegy« über »Julia« bis Doris Dörries »Kirschblüten – Hanami“ sind sie es, die in diesem 58. Festivaljahrgang die Hauptrollen spielen. Der Leipziger Dokumentarfilm »Sag mir, wo die Schönen sind« passt da ins Bild – auch wenn seine Protagonistinnen nicht Penelope oder Scarlett heißen, sondern Simone, Ramona und Grit.

Der Fotograf Gerhard Gäbler, geboren 1952 in Leipzig und Mitbegründer der Fotoagentur Punctum, war ihnen schon einmal im Frühling 1989 begegnet, als die jungen Frauen, damals alle um die 20, einem LVZ-Aufruf zur Wahl der Miss Leipzig folgten, der unter dem bei Maxi Wander geborgten Titel »Guten Morgen, du Schöne« stand. Für eine Serie von Doppelporträts fotografierte der damalige HGB-Student die Misswahl-Kandidatinnen am Arbeitsplatz und im Privaten. Behutsame, ganz unaufgeregte Fotografien in Schwarzweiß entstanden, die aus dem Kontrast zwischen Fremdeln und Vertrautheit ihren Reiz beziehen und die ergänzt um Tonband-Interviews, die der Fotograf damals führte, bis heute von der Enge im Land erzählen und von dem Versuch, ihr kurz vor dem Mauerfall zu entkommen.

Viola Meining - © Gerhard Gäbler

Beim Wiedersehen knapp zwanzig Jahre später hat nun die Kamera die Rolle des Tonbands übernommen. In miteinander verschränkten Einzelporträts werden die Lebenswege neun ganz unterschiedlicher Frauen aufgefächert, denen die Umwälzung von 1989 und ihr selbstbewusster Umgang damit gemeinsam ist. Aus der Pionierleiterin, die damals nicht immer »so DDR-mäßig« aussehen wollte und noch im Sommer ihren Job aufkündigte, ist eine »Teamleiterin« geworden. Eine Kandidatin, die die DDR seit der Flucht über Ungarn ein „abgeschlossenes Kapitel« nennt, pendelt als PR-Beraterin zwischen Dubai und Berlin. Und die Arbeiterin, die die Maloche in der Braunkohle gegen eine Modell-Karriere tauschen wollte, hat das Abitur nachgeholt und tritt als Coversängerin auf Stadtteilfesten auf.

Diana Kaube - © Gerhard Gäbler

Leider verlässt sich der Film nicht immer auf die Stärke seiner Protagonistinnen. Anders als Gäblers Fotografien, die ihre Wirkung gerade in ihrer Unaufdringlichkeit entfalten, spielt er manchmal sich selbst in den Vordergrund. Zwar wird auf eine Kommentarstimme verzichtet. Im Wechsel aus gesetzten Interviews, Alltags- und gestellten Szenen aber verlässt die Macher zu oft der Mut, sich aufzuhalten, auch Ruhe zuzulassen. Wenn Regisseur Gunther Scholz und sein WDR-Redakteur beim Publikumsgespräch nach der bejubelten Premiere berichten, es habe lange gedauert, den MDR als Koproduzent zu gewinnen, ahnt man, dass Zugeständnisse an Story-Telling und Programm-Einbettung zu machen waren. Besonders der permanente Klezmer-Soundtrack erweckt den Eindruck fernsehgerechter Konfektionierung.

In Leipzig wird der Film »Sag mir, wo die Schönen sind«, der deshalb nur mit Abstrichen überzeugt, aber durchaus Erwartungen an Gerhard Gäblers nun gewachsene Fotoserie weckt, nun am 5. März in den Passage Kinos präsentiert. In Berlin, wo er bis Samstag noch drei Aufführungstermine hat, stehen in der zweiten Berlinale-Halbzeit Madonna, Scarlett Johansson und nicht zuletzt die Kindersoldaten-Biografie »Feuerherz« auf dem Programm, mit dessen gleichnamiger Vorlage Senait G. Mehari für Debatten sorgte.

»Sag mir, wo die Schönen sind«: 5. März, 20 Uhr, Passage Kinos
Film

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Kommentare sind deaktiviert.