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Die Kunst der Fortbewegung

Unterwegs mit den Traceuren Christian Vobis und David Chilcott im Leipziger Palmgarten

Auf den ersten Blick hat die Sportart Parkour nicht viel mit dem Spazierengehen gemeinsam. Schließlich bahnt sich der Spaziergänger stets in verschlungener Manier seinen Weg durch den städtischen Dschungel um hier und dort zu verweilen. Wo hingegen der Traceur, Derjenige der Parkour ausübt, versucht in möglichst effizienter Art und Weise von A nach B zu gelangen.

Auf den ersten Blick hat die Sportart Parkour nicht viel mit dem Spazierengehen gemeinsam. Schließlich bahnt sich der Spaziergänger stets in verschlungener Manier seinen Weg durch den städtischen Dschungel um hier und dort zu verweilen. Wo hingegen der Traceur, Derjenige der Parkour ausübt, versucht in möglichst effizienter Art und Weise von A nach B zu gelangen. Dabei überwindet er alle Hindernisse mit möglichst eleganten, geschmeidigen und flüssigen Bewegungen.

Auf den zweiten Blick ist beiden jedoch gemein, dass sie sich die Stadt neu erschließen. Der Traceur kommt ebenso, wie der Flaneur von den ausgetretenen Pfaden ab, bricht damit Konventionen und ungeschriebene Gesetze.

Zwei Traceure des Leipziger Parkour Teams, Christian Vobis (19) und David Chilcott (18) treffen wir am Straßenbahnhof Angerbrücke, dem Ausgangspunkt ihres wöchentlichen Trainings. Beide sehen aus wie ganz normale Fußgänger, denn um Parkour auszuüben braucht man nur bequeme Schuhe, versichern Christian und David. Es gehe auch nicht darum, sportliche Höchstleistungen zu erbringen. Parkour ist kein Wettbewerbssport. Wie jemand auf kreative Art sein selbst gestecktes Ziel erreicht, ist schließlich nicht messbar. Wo seine Grenzen liegen, entscheidet jeder Traceur für sich selbst.

Bei Christian und David sind diese für den Betrachter teilweise nicht mehr erkennbar. Christian war früher im Handball aktiv und David unter anderem im Geräteturnen. Beide trainieren Parkour täglich. Beste Voraussetzungen um die meisten Hindernisse zu überwinden und die Grenzen des urbanen Raums allmählich abzuschaffen.
Wir gehen gemeinsam hinüber zum ersten Spot ihrer wöchentlichen Trainingseinheiten, dem Palmgarten. Hier trainieren sie mit den Anfängern Grundtechniken des Fallens. Auch sie haben einmal mit diesen Basics begonnen, nachdem sie 2006 im Fernsehen einen Beitrag über Parkour sahen und danach mit Hilfe von YouTube-Videos versuchten die Bewegungsabläufe zu imitieren. Dieser bereits in den achtziger Jahren in Paris von David Belle begründete Sport, faszinierte die beiden. Schließlich ist Parkour mehr als nur eine Sportart. Hinter den akrobatisch anmutenden Bewegungen steckt eine Philosophie des Raums. Der Traceur muss die Grenzen seiner Umgebung respektieren lernen, um sie zu überschreiten. Hindernisse wie Mauern, Bauzäune und Blumenbeete dürfen nicht verändert und damit dem Parkour dienlich gemacht, noch zerstört werden. Der Begriff Traceur stammt aus dem Französischen und bedeutet deswegen lediglich so viel wie „der den Weg ebnet“ oder »der eine Spur legt«.

Und so wird der Traceur nicht nur zum Bewegungs- sondern auch zum Lebenskünstler. Indem er die Beschaffenheiten des urbanen (Lebens-)Raums so akzeptiert wie sie sind und versucht sich darin seinen individuellen Weg zu bahnen.

http://www.parkour-leipzig.de
Stadtspaziergang

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