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Katie mit Knutschfleck?

Katie Melua am 6. August in der Arena Leipzig – »Pictures Tour 2008«

Die Frage nach einem Knutschfleck an Katies Hals stellten sich gestern Abend sicherlich viele in der Arena. Anlass dieser Spekulationen war ein kleines rotes, apart um den Hals geknotetes Tüchlein, das so gar nicht zum Rest ihres Outfits, Cowboystiefel und blaubraunes Flatterkleid mit Spitzenbesatz, passen wollte.

Die Frage nach einem Knutschfleck an Katies Hals stellten sich am Mittwoch Abend sicherlich viele in der Arena. Anlass dieser Spekulationen war ein kleines rotes, apart um den Hals geknotetes Tüchlein, das so gar nicht zum Rest ihres Outfits, Cowboystiefel und blaubraunes Flatterkleid mit Spitzenbesatz, passen wollte.

Knutschfleck, Blues und Jazz. Das Publikum klebte an den Stühlen. Im doppelten Sinne. Denn der Funke zwischen Katie und ihren Fans sprang zunächst trotz schwelender Gluthitze nicht über. Nun ist Katie Meluas Musik sicherlich nicht die tanzbarste, ein bisschen Bewegung jedoch hätte nicht geschadet. Zumal so die Gefahr geringer gewesen wäre, ob des gravierenden Sauerstoffmangels in tiefen Schlaf zu verfallen. Erst zur Zugabe erhob sich das Publikum und wippte bewegungswillig mit den Zehenspitzen. Was Katie aber nicht dazu veranlasste, einige lebhaftere Songs zu spielen. Stattdessen besorgte sie sich einen Hocker, nahm eine ihrer vielfach gewechselten Gitarren zur Hand und setzte sich hin. Verteilte Rollen also beim letzten Lied: Während Katie im Laufe des Konzerts zwischen Piano- und Gitarrenspiel ungelenk allein über die Bühne hüpfte, bemühte sich nun das Publikum um ein bisschen Bewegung. Ein Versuch, der mangels Animation leider ins Leere lief. Zumindest ein beharrlich rhythmisch falsches Klatschen war bei einigen Liedern von den seitlichen Rängen zu hören, und ab und zu tönte auch eine zarte Mädchenstimme aus den hinteren Reihen, die selbstvergessen ihre Lieblingslieder mitsang. Und Lieblingslieder hatten wohl viele gestern Abend. Kaum ein Liedauftakt wurde nicht von einem »Oh, das ist soooo ein schönes Lied«-Flüstern aus der Menge begleitet. Spätestens hier erkennt man die eingefleischten Katie Melua-Fans, klingen doch für die eher unbedarfte Zuhörerin alle Songs zunächst mal gleich.

Katies Fans, so hatte es den Anschein, setzen sich hauptsächlich aus drei Gruppen zusammen: Zunächst die besonders stark vertretenen Mutter-Tochter-Beste-Freundin-Klubs, die sich abwechselten mit der Kuschelfraktion (schon vor Beginn des Konzerts sehr mit sich selbst beschäftigt und bei der Zugabe nicht mehr anwesend …) und die Ehemänner-Partner-Väter, die vor dem Konzert genauso verkniffen aus der Wäsche guckten wie danach.

Stimmlich überzeugte Katie. Allerdings vermuteten kritische Stimmen, das wohl nicht alles so live erschien, wie es sein sollte. Ihre sechsköpfige Band, die meisten gestandene Musiker und mindestens doppelt so alt wie die Sängerin, schien auf der Bühne ihr eigenes Konzert zu geben, von Interaktion zwischen Sängerin und Musikern konnte jedenfalls gestern kaum die Rede sein. Sie konzentrierte sich in der Arena aufs Singen und richtete ans Publikum nur die üblichen kurzen Worte und verlor sich später in einer recht abgedroschen Erzählung darüber, wie sie einmal in Melbourne am Strand den Sonnenaufgang genoss, sich dann aber leider nicht mehr an den Namen ihres Hotels erinnerte. Was für eine schöne, tragische Geschichte, und wenn ihr Tourmanager nicht nachgeholfen hätte, säße Katie vielleicht noch immer in Australien am Strand und genösse unzählige Sonnenauf- und -untergänge.


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