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Vom Leben und Lieben

Zum Auftakt der 8. Filmkunstmesse Leipzig

Seit nunmehr acht Jahren wird Leipzig im erwachenden Herbst zum Mittelpunkt der deutschen Filmwirtschaft. Und auch heuer fanden mehr als 1.000 Fachbesucher, unter ihnen vor allem Kinobetreiber, Filmverleiher, Marketingspezialisten, Regisseure, Schauspieler und Produzenten, den Weg in die Messestadt, um seit diesem Montag eine Woche lang neue Filme zu sichten und die Zukunft der deutschen Filmlandschaft zu diskutieren.

Seit nunmehr acht Jahren wird Leipzig im erwachenden Herbst zum Mittelpunkt der deutschen Filmwirtschaft. Und auch heuer fanden mehr als 1.000 Fachbesucher, unter ihnen vor allem Kinobetreiber, Filmverleiher, Marketingspezialisten, Regisseure, Schauspieler und Produzenten, den Weg in die Messestadt, um seit diesem Montag eine Woche lang neue Filme zu sichten und die Zukunft der deutschen Filmlandschaft zu diskutieren.

Von Montag bis Freitag hat auch das Leipziger Publikum die einzigartige Gelegenheit, eine Auswahl aus dem Messeprogramm, das insgesamt 41 Filme umfasst, die tagsüber in brancheninternen Vorführungen gezeigt werden, zu erleben. In den Spielstätten Passage Kinos, Schaubühne Lindenfels und Kinobar Prager Frühling stellen zudem in einigen Fällen Regisseure, Schauspieler und Verleiher ihre Filme persönlich vor.

Der gestrige Eröffnungsabend zeigte dann schon gleich zu Beginn, welch große Vielfalt im deutschen Kinoprogramm in den nächste Monaten zu erwarten ist. Die animierte Dokumentation »Waltz with Bashir« setzt sich in filmisch-experimenteller Weise mit schmerzvollen Erinnerungen und seelischen Folgen des ersten Libanon-Krieges im Leben des israelischen Protagonisten auseinander. Diese Vergangenheitssuche in einem surrealen, mitreißenden Bilderrausch zählt nicht nur visuell zu den Highlights des diesjährigen öffentlichen Programms und wird deshalb auch am Freitag im »Best-of-Programm« wiederholt.

Vom schwierigen Umgang mit dem Leben, das fast nur noch vom vergangenen Glück gehalten wird, erzählt das historische Musikdrama »Geliebte Clara« um die Pianistin Clara Schumann, die im emotional aufreibenden Spagat zwischen der gewachsenen Liebe zu ihrem zusehends geistig verelenden Ehemann Robert Schumann und der innigen Faszination zum sehr viel jüngeren, aufstrebenden Johannes Brahms ihr Seelenheil behaupten muss. Martina Gedeck stellt in der Titelrolle das restliche Schauspielensemble in den Schatten, was allerdings leider nicht über die teilweise sehr überzeichnete Inszenierung des Films sowie die gekünstelten – und dadurch zum Teil unfreiwillig witzigen – Szenenarrangements hinwegtäuscht. Dennoch kann man sich über einige großartige Situationen freuen, in denen es die Regisseurin Helma Sanders-Brahms sehr eindrücklich schafft, die ausgiebig gespielte Musik mit den Bedeutungen der Bilder, der Blicke und Gesten der Protagonisten korrespondieren zu lassen, um sie zum perfekten Soundtrack des Lebens und Liebens einer beeindruckenden Frau zu machen.

Szene aus »So finster die Nacht«

Im Anschluss zu späterer Stunde verwandelte »So finster die Nacht« eine melancholische Coming-of-Age-Story in ein kühl-glänzendes Wintermärchen in einer schwedischen Kleinstadt. Zärtlich wie Schnee, der durch die dunkle Nacht fällt, senkt sich die Liebe in ein junges Herz, doch zu einem Wesen, das todbringender nicht sein könnte. Diese Begegnung ändert das Außenseiterleben des von seinen Mitschülern unterdrückten, 12-jährigen Oskar und der von Blutdurst getriebenen Eli. In eisklaren, fesselnden Bildern wabern Traum und Melancholie, Hass und blutige Brutalität durch diesen faszinierenden, romantischen Vampirfilm.

Um das Erwachsenwerden und das Heraustreten aus den Schatten der eigenen Angst und des erlittenen Schmerzes geht es auch in Jobst Christian Oetzmanns »Zweier ohne«. Ludwig und Johann sind unzertrennliche Freunde und inszenieren sich als Zwillinge, um ihre Verbundenheit zu intensivieren. Ihrem Erfolg als Sportruderer im Zweier ohne Steuermann ist das sehr zuträglich, und auch ihren beiden Leben scheint die gegenseitige Unterstützung Halt zu geben. Doch Ludwigs zerstörerischer Drang zur Symbiose und Gleichmacherei stürzt Johann in Identitätskonflikte. Der Regisseur richtet in fantastischen, tiefen und wunderbar komponierten Bildern einen hochemotionalen und doch sehr konzentrierten Blick auf den zum Scheitern verurteilten Versuch, durch die Verdopplung des Ichs gegen die inneren Dämonen anzukommen. Gelungen ist hier ein gefühlsintensives und spannendes Coming-of-Age-Drama mit großartigen jungen Schauspielern und beeindruckender visueller Kraft.

http://www.filmkunstmesse.de
Film

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