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Auf Leben und Tod

Freude am Abgelegten: Hartmann hat Bonbons im Gepäck – drei Wiederaufnahmen

Wer einmal versucht hat, ein Zehn-Gänge-Menü zu kochen, das möglichst vielen Leuten schmeckt und gleichzeitig von den Michelin-Kritikern als besonders innovativ ausgezeichnet wird, bekommt vermutlich eine Ahnung davon, was es heißt, den ersten Spielplan als Intendant zu entwickeln.

Wer einmal versucht hat, ein Zehn-Gänge-Menü zu kochen, das möglichst vielen Leuten schmeckt und gleichzeitig von den Michelin-Kritikern als besonders innovativ ausgezeichnet wird, bekommt vermutlich eine Ahnung davon, was es heißt, den ersten Spielplan als Intendant zu entwickeln. Sebastian Hartmann kredenzt dem Leipziger Publikum neben Uraufführungen, Open-stage-Experimenten und einer Konzertreihe auch drei Wiederaufnahmen, die sich auf anderen Bühnen bewährt haben.

Peter Handkes »Publikumsbeschimpfung«, mit der sich Hartmann 2004 vom Hamburger Schauspielhaus verabschiedete, bildet am 2. Oktober den Auftakt der Wiederaufnahme-Trilogie. Die Uraufführung vor gut 40 Jahren stellte schon allein durch den Titel einen Tabubruch dar; heute, nachdem selbst die Ära des Blut-und-Sperma-Theaters als überwunden gilt, verspricht Dramaturg Michael Billenkamp eine »Improvisationsschleuder, die permanent mit unser aller Überforderung spielt und die Publikum wie Schauspieler andauernd zu Komplizen macht«. Besetzt ist dabei auch Thomas Lawinky – der mit dem »Spiralblock«. Die Neugierde des Leipziger Publikums wird mit dieser Wiederaufnahme garantiert geweckt.

Am 30. Oktober folgt der zweite Aufnahmestreich. Hartmanns Magdeburger »Macbeth«-Inszenierung hat dann Leipzig-Premiere, und der Intendant soll beweisen, dass er auch Shakespeare kann. In Magdeburg hatte die Inszenierung, in der Hartmann wie so oft mit starken Bildern und Metaphern arbeitet, für ein ausverkauftes Haus gesorgt. Das lag auch am überregionalen Interesse, das Hartmann in dem ansonsten nicht von den Medien verwöhnten Magdeburg zuteil wurde. So schrieb etwa Ulrich Seidler von der Berliner Zeitung: »Das Unheil lächerlich zu machen, ohne ihm den Schrecken zu nehmen. Das Erhabene in den Dreck zu stoßen, ohne es zu erniedrigen. Überhaupt den Massenmörder und Lebensverächter zu einer Identifikationsfigur für den Zuschauer zu machen. Dies alles sind inszenatorische Ideen mit schwer auszuhaltender Spannung. Shakespeare hat sie angelegt, und Hartmann setzt seine Schauspieler dieser Spannung aus – auf Gedeih und Verderb, was nichts anderes heißt als auf Leben und Tod.«

Und dann kommt noch René Pollesch. Im Gepäck eine Inszenierung des von ihm geschriebenen »Der Kandidat. Sie leben!«, bei dem Pollesch 2002 im Hamburger Schauspielhaus ein bisschen Schröder, ein bisschen Stoiber und viel Lokalpolitik auf die Bühne brachte. Was davon in Leipzig noch übrig sein wird, erfährt das Publikum bei der Premiere im März 2009. Aber eins steht bei Pollesch jetzt schon fest: Es wird laut.


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