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Wider den Zynismus?

Uwe Bautz ist neuer Chefdramaturg in Leipzig

»Wir finden unser Publikum, wenn wir die Leute nicht belügen und uns nicht zynisch herablassend geben.« Mit diesen Worten verabschiedete sich Uwe Bautz in der Neuen Westfälischen Zeitung aus Bielefeld. Dort war er seit 2003 als stellvertretender Schauspieldirektor und geschäftsführender Dramaturg tätig. Mit der Intendanz von Sebastian Hartmann wird Bautz in Leipzig die Chefdramaturgie übernehmen.

»Wir finden unser Publikum, wenn wir die Leute nicht belügen und uns nicht zynisch herablassend geben.« Mit diesen Worten verabschiedete sich Uwe Bautz in der Neuen Westfälischen Zeitung aus Bielefeld. Dort war er seit 2003 als stellvertretender Schauspieldirektor und geschäftsführender Dramaturg tätig. Mit der Intendanz von Sebastian Hartmann wird Bautz in Leipzig die Chefdramaturgie übernehmen.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Leipzig vermittelte Bautz indes nicht gerade den Eindruck, dass er sich mit seinem Publikum auf eine Ebene begeben wolle. Auf der ersten Pressekonferenz des Centraltheaters vermittelte er gerade den offenbar so verabscheuten Zynismus und eine gewisse Arroganz – sei’s drum.
1960 in Frankfurt/Main geboren, zog es Uwe Bautz zum Studium der Philosophie, Theater- und Literaturwissenschaft nach Berlin. Sechs Jahre wirkte er danach am Düsseldorfer Schauspielhaus, bevor es ihn als Dramaturg an mehrere Bühnen im Osten – Jena, Stendal, Magdeburg – verschlug. Als Autor hat er zahlreiche Stücke geschrieben und Bühnenfassungen erarbeitet, darunter eine Version von Christa Wolfs Roman »Der geteilte Himmel«, die Sebastian Hartmann an der Berliner Volksbühne inszenierte.

Gesellschaftspolitische Fragestellungen und ein kritischer Blick sind erkennbare Grundkoordinaten seiner Arbeiten. So nahm Bautz mit Virginie Despentes Roman »Baise-moi (Fick mich)« eine sexuell aggressive Männerwelt in den Blick, deren Gewalttätigkeit in Form zweier rachedurstiger Frauen gegen sich selbst zurückschlägt. Über die Dramaturgiearbeit hinaus beteiligte er sich an öffentlichen Diskussionen und gab einen Band heraus, der die Frage verfolgt, ob und welche Werte die gegenwärtige Gesellschaft braucht.
Arbeitslosigkeit und sozialer Ausschluss waren mit den Aufführungen von Hauptmanns »Weber« und Dostojewkis »Spieler« in Bielefeld sein Thema. So viel Engagement möchte man sich auch für Leipzig wünschen. Die Bielefelder Lokalpresse jedenfalls vermisst Bautz schon jetzt – trotz allen Zynismus’.


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