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Zukunft ungewiss

Zusage, Absage, Zusage: Die euro-scene 2008 gastiert nun doch im Centraltheater

Jetzt also doch! Sebastian Hartmann öffnet nach der Absage im März (siehe kreuzer 05/08) sein Centraltheater für die euro-scene und überlässt dem Festival für zwei Tage die Bühne im großen Haus.

Jetzt also doch! Sebastian Hartmann öffnet nach der Absage im März (siehe kreuzer 05/08) sein Centraltheater für die euro-scene und überlässt dem Festival für zwei Tage die Bühne im großen Haus. »Ich nenne das einen pragmatischen Kompromiss für die Übergangszeit«, erklärt Kulturbürgermeister Georg Girardet gegenüber dem kreuzer.

»Taumelnd auf glatter See« lautet das Motto der diesjährigen euro-scene, die sich glatten Oberflächen und darunter verborgenen Katastrophen widmen will. Für das Festival im November sind die Wogen geglättet, doch sieht Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff einer »völlig ungewissen Zukunft« entgegen. Bleiben die Bühnen des Stadttheaters dem Festival verschlossen, so die Sorge der Direktorin, nachdem Hartmann die Zusammenarbeit aufkündigte, muss sie die großen Gastspiele an alternative Spielstätten wie agra-Halle oder Peterskirche verlegen.
Dann fallen erhebliche Zusatzkosten für die technische Ausstattung dieser Räume an. Allein Alain Platels Tanzstück »pitié«, das nun doch im Centraltheater aufgeführt wird, hätte in der agra-Halle gut 52.000 € mehr gekostet. Zu den höheren Ausgaben kommen geringere Einnahmen. Im Theater finden 670 Besucher einen Platz – für eine Vorstellung in der Peterskirche können maximal 350 Karten verkauft werden. Wolff sorgt sich neben dem Verlust an Ansehen bei einem möglichen Umzug der euro-scene aus dem Stadtzentrum an die Peripherie vor allem um die finanzielle Gefährdung ihres Festivals.

Man könnte meinen, dass die Stadt Leipzig in diesem Jahr die Mehrkosten tragen müsse, schließlich hatte Girardet Wolff noch im Dezember 2006 schriftlich bestätigt, die euro-scene könne die städtischen Spielorte Schauspielhaus und Neue Szene auch 2008 während des gesamten Festivalzeitraums nutzen. Allerdings hatte es der Kulturbürgermeister versäumt, auch den neuen Hausherrn über seine Zusicherung zu unterrichten. Nun findet Girardet eine künftige Übernahme der zusätzlichen Kosten durch die Stadt »problematisch«. Er habe »die stille Hoffnung, dass die Zusammenarbeit zwischen euro-scene und Centraltheater erfolgreich sein wird und fortgesetzt werden kann«. Wolff hofft ebenfalls auf Hartmanns Entgegenkommen. Der aber schweigt. Er will sich bis zur Spielzeiteröffnung nicht zum Thema äußern.

Vor der Absage im März hatte sich Hartmann im Januar mit Wolff auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Seine Beweggründe für den Sinneswandel erläuterte er nicht. »Er hatte sehr lobende Worte für Platel, an dem Gastspiel kann die Absage nicht gelegen haben«, meint Wolff. Möglicherweise aber an einem weiteren Gastspiel, das Hartmann ins Gespräch brachte: eine Inszenierung, die er selbst am Osloer Nationaltheater eingerichtet hatte. Wolff reiste nach Norwegen, um diese Produktion zu ihrem Festival einzuladen, doch erwies sich das Vorhaben als zu kostspielig. Nachdem die euro-scene-Direktorin dies dem designierten Intendanten mitgeteilt hatte, erhielt sie die bekannte Kündigung.

Mutmaßungen über mögliche Zusammenhänge mag Wolff nicht anstellen und »eventuelle Empfindlichkeiten Hartmanns« hinsichtlich der Ähnlichkeit beider künstlerischen Konzepte tut sie ab: »Für eine Großstadt wie Leipzig sehe ich da überhaupt kein Problem. Centraltheater und euro scene können sich gegenseitig befruchten.«


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