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Gut aufgelegt

Die Musik-Rubrik

Jeden Donnerstag stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Honig, The Sonic Boom Foundation, Miss Kenichi

Jeden Donnerstag stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Honig, The Sonic Boom Foundation, Miss Kenichi

Honig – Treehouse

Honig – »Treehouse«

Silence-Pop. Honig ist ja nun mal wieder ein selten bekloppter Name für eine Band. Muss man doch gleich an heiße Milch und klebrige Teelöffel denken. Aber okay, der Sänger von Honig heißt tatsächlich so mit Nachnamen, und dafür kann man ja bekanntlich nichts. Und wenn man ganz ehrlich ist, sind die Assoziationen mit Herbsttagen voller heißer Zitronen und süßen Brotaufstrich nicht gerade entfernt von der Musik namens Baumhaus. Genau dort möchte man nämlich gerne sitzen, während man den heiter-traurigen Klängen von Stefan Honig lauscht und um einen rum die Blätter fallen. Und dann mit seinem brandneuen Fahrrad ans Meer von Portugal fahren. Honig packt man einfach samt seiner Akustikgitarre und den auch ab und zu mal erklingenden Flügelhorn und Bratsche auf den Gepäckträger, um ihm vielleicht mal zu erklären, warum die Leute so ein Leben führen, oder woran man erkennt, ob jemand geweint hat.
Wer weder Baumhaus noch Gepäckträger hat, kann den Rheinländer mit seiner Band am 6.11. im Café mule erleben und bis dahin einfach die Debut-CD »Treehouse« zum Nachmittagstee auflegen. Juliane Streich

The Sonic Boom Foundation – The Sonic Boom Foundation

The Sonic Boom Foundation – »The Sonic Boom Foundation«

Rock’n’Roll Rave. Das Wortmonster von Bandnamen passt ideal zum Sound der Rock’n’Roll-Raver: bedrohlich, rumpelig und nicht genau einzuordnen. Motörhead-Basslinien treffen auf Vocals wie von The Streets oder Shaun Ryder. Keyboards runden den »Urban Ravesound« ab. Rave und Rock’n’Roll harmonieren hier so, als gehörten sie seit jeher zusammen. Auf Gitarren wird verzichtet. Stattdessen brummt der Bass und wird, mal mehr, dann wieder weniger, von Elektroschnipseln ergänzt. »Sound of the City« oder »Create yourself« sind Hymnen, die an Zeiten erinnern, als Rave noch aus England kam und nicht mit H.P. Baxxter assoziiert wurde. Klar, dass Reverenzen an Stone Roses, Happy Mondays oder 808 State den Weg in die Songs finden. Die neueren Stücke gehen ganz deutlich mehr in Richtung Elektro, aber nie ohne den nötigen Druck dahinter und den Groove, der in die Beine geht, und obendrauf: FMLYNs Cockney-English, das vergessen lässt, dass hier eine deutsche Band läuft. Nach gefeierten Festivalgigs und drei selbst vertriebenen Alben sind SBF jetzt auch bei amazon und Co. zu haben. Die »radical dance fraction«, die jedes Konzert begleitet, hat sowieso schon alle Songs zu Hause. Was bringt der Kauf dieses Quasi-Best-ofs für sie? Es gibt zum einen eine merklich fettere Produktion und zum anderen leichte Variationen der Hits, zu denen Leipzig nicht nur einmal wie im Wahn tanzte. Wird Zeit, dass die Masse entdeckt, wo Deutschlands Madchester liegt: in Leipzig. Holger Günther

Miss Kenichi – Fox

Miss Kenichi – »Fox«

Graue Tage-Pop. Miss Kenichi erzählt Geschichten. Geschichten von Füchsen, Gänsen, von der Liebe oder dem Weglaufen. Die Suche nach Wurzeln ist aber längst nicht mehr so präsent wie auf ihrem Debut Collision Times. »Ich muss nicht mehr ständig davonlaufen und suchen«, sagt Katrin Hahner alias Miss Kenichi. »Ich war lange Zeit völlig heimatlos und hatte das Gefühl, im freien Raum zu schweben. Die einzige Möglichkeit, nicht durchzudrehen, war die totale Reduktion: kein Vibrato, kein Fake, kein Zusatz.« Und so ist es ein recht ruhiges und doch bewegtes Album geworden. Die Berliner Künstlerin, die auch malt (das CD-Cover schmückende Wesen alias Fuchs ist dafür ein schönes Beispiel), schafft es, ohne den ganzen Instrumentenschnickschnack das perfekte Album für die Tage zu schaffen, an denen man das Haus nicht verlassen will. Und die stehen derzeit ja desöfteren an. Mit »Fox« macht das aber gar nichts. Heimatlos war einmal. Juliane Streich


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