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Gut aufgelegt

Die Musik-Rubrik

Jeden Donnerstag stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit:

Jeden Donnerstag stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit:

Paul Weller – »Live at the BBC«

Paul Weller – »Live at the BBC«

Modfathers-Box. Seit September stehen Lebkuchen in den Supermärkten und jetzt geht er auch im Musiksektor los, der Weihnachtswahnsinn. Special Editions erscheinen auf CDs oder Vinyl. Why Not? Wenn alle so sind wie »Weller live at the BBC«, kann ruhig noch mehr kommen: Umfangreich kommen die Aufnahmen daher. Vier CDs, ein Cover im Buchformat mit – wie könnte es anders sein – äußerst stylishen Fotos von Weller im Studio, dazu eine umfangreicher Text über die verschiedene BBC-Sessions des Modfahters.
Die Aufnahmen sind erstklassig abgemischt, hier klingt jedes Gitarrenzupfen äußerst klar. Zwischen den einzelnen Songs hört man Paul ab und zu ein paar Worte über das folgende Lied murmeln. Dann macht er wieder das, was er seit den späten Siebzigern am liebsten macht: erstklassige Musik. Auf 74 Titeln setzt Weller zum Flug durch seine Diskographie an. Die auf CD oder Vinyl gebannten Radiosessions stammen aus dem Zeitraum von 1992 bis 2008 und umfassen sowohl The-Jam- als auch Style-Council-Songs. Unnötig zu sagen, dass der Schwerpunkt aber auf Wellers mittlerweile 9 Soloalben liegt, deren Songs der Modfahter hier in immer wieder neuen Variationen präsentiert: mal in akustisch gestrippten Versionen aus Radiosendungen, dann wieder in kraftvoll gespielten Versionen wie »Stanley Road« auf dem Phoenix Festival mit Wellers Helden Ian McLagan von den Small Faces als Unterstützung an der der Gitarre. Wer wenig Style-Council-Stücken anfangen kann, wird die lockerer, weniger hoch gesungenen Versionen mögen. Das Highlight der Box ist ohne Frage sowieso das experimentellen Element: all die Coverversionen, die Pauls Inspirationsquellen offen legen. Die kommen, völlig klar, aus den 60s und 70s, wie Rose Royce’s »Wishing on a star«, um nur den bekanntesten Song zu nennen.
So, jetzt gibt’s erst mal nen Kaffee, darin wird ein Lebkuchen getunkt, während soundgewaltig »My ever changing mood« von CD3 mit einem Live-Konzerte von 1991 läuft. Holger Günther

Glitterbug – »Supershelter«

Glitterbug – »Supershelter« (c.sides)

House. Nicht nur Lawrence und das dazugehörige Hamburger Label Dial Records sind Experten für entzückend harmonische House-Tracks. Aus Köln rückt sich nun ein Tausendsassa erstmals deutlicher hervor. Denn bisher war Till Rohmann alias Glitterbug eher hinter den Kulissen zugange: als DJ, Filmmusiker, Sound-Künstler und als Kurator des israelischen Musik-Kunst-Festivals c.sides, das der Trance-Dominanz in Israel erfolgreich etwas entgegensetzt. Sein Debüt-Album »Supershelter« knüpft mal zurückhaltend, mal sehr episch und auch plakativ sowohl Rave- als auch orchestrale Momente zu einem Strang. Sehr glatt, sehr ambitioniert ist das alles. Und teilweise haarscharf überladen. Meist kriegt Glitterbug aber die Kurve und überrascht mit Perfektion, Dichte und einer hohen Musikalität. Und das immerhin über zwölf Tracks und weit über eine Stunde hinweg. Lawrence ist übrigens im Bilde und hat einen der Tracks für die parallel erscheinenden zwei Remix-Platten produziert. Jens Wollweber

Miwon – »A to B«

Miwon – »A to B« (City Centre Offices)

Electronica-Pop. Melancholie muss nichts Schlechtes sein. Im richtigen Moment und mit der richtigen Musik lässt sie sich sogar genießen. Hendrik Kröz kommt dieser süßen Melancholie mit seinem Projekt Miwon schon sehr nahe. Nicht zum ersten Mal: »A to B« ist bereits das zweite Album des Berliners, das mit warmen Bassflächen, unterschiedlichen Rhythmen zwischen Electronica und House sowie mit großen Harmoniebögen und auch Pop-Appeal punkten kann. Die neuen Stücke sind noch eingängiger und luftiger geworden. An einigen Stellen brechen Vocals die Track-Strukturen auf und lassen Pop-Songs aufschimmern, an anderen sind auch mal akustische Instrumente herauszuhören. »A to B« entfaltet durch seine Verwobenheit und seine klangliche Weite etwas angenehm Rastloses und Ausgeglichenes. Man möchte sofort losziehen, neue Eindrücke sammeln und sich ganz den eigenen Gedanken hingeben. Miwon lässt sich auf kein Genre reduzieren, es darf zu den zehn neuen Stücken geschwelgt und getanzt werden. Der Winter kann kommen. Jens Wollweber


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