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Besser keine Literatur

Jacques Palminger, drittes Mitglied von Studio Braun, macht weiterhin nur Musik

Das Trio Studio Braun ist hinreichend bekannt. Deren Mitglieder Heinz Strunk und Rocko Schamoni sind es mittlerweile auch. Einzig Jaques Palminger, der dritte Mann im Bunde Braun, fristete bis dato ein vergleichsweise unprominentes künstlerisches Dasein. Wie genau das aussieht und klingt, lässt sich in Bälde am eigenen Leibe erfahren.

Das Trio Studio Braun ist hinreichend bekannt. Drei Wahlhamburger, die Musik machen und Hörspiele produzieren, aber vor allem bekannt wurden durch ihre »Telefongags«, wie sie diese selbst bezeichnen. Nun ist das Konzept, wahllos fremde Menschen anzurufen, diese am Telefon zu verarschen und das Ganze anschließend zu veröffentlichen, inzwischen ziemlich ausgelutscht.

Denn nachdem sich die Studio Braun-CDs – wohl eher über das Internet als durch Verkäufe – rasend schnell vervielfachten, begann eine ganze Flut von Privatradios, das Konzept zu imitieren. Dass in Sachen Schlagfertigkeit, Spielwitz und Albernheit selbst der schlechteste Privatradiomoderator dem Original nicht das Wasser reichen konnte, hinderte leider niemanden daran, es weiter zu versuchen. Woraufhin die Herren von Studio Braun das einzig Richtige taten: sie suchten sich eine andere Beschäftigung.

Rocko Schamoni schrieb »Dorfpunks«, ein unterhaltsames aber nicht besonders tiefgründiges Buch über seine eigene Jugend im dörflichen Schleswig-Holstein, das sich allerdings besser verkaufte als alles, was Studio Braun bisher veröffentlichten. Heinz Strunk tat daraufhin Ähnliches, er schrieb über seine Jugend als Teil der Musikkapelle »Tiffanys«. »Fleisch ist mein Gemüse« ist allerdings nicht nur lustig – und das ist es durchaus – sondern vor allem auch tragisch. Strunks Semiautobiographie ist große Literatur, der kommerzielle Erfolg blieb nicht aus. Sogar eine Filmversion kam dieses Frühjahr in die Kinos. Und was machte Jacques Palminger, der Dritte im Bunde Braun?

Der Mann mit dem französisch klingenden Künstlernamen schrieb kein Buch. Er machte trotzdem viel, blieb aber eher im Hintergrund. Zum Einen gab es diverse Engagements an Hamburger Theatern, als Schauspieler, als Regisseur, als Autor. Zum Anderen machte Palminger Musik und veröffentlichte diese von Zeit zu Zeit, allerdings nie ein komplettes Album. Nach Jahren erst kam dann in diesem Herbst sein Debut »Mondo Cherry«. Dazu schnappte sich Palminger Viktor Marek – bei Musikjournalisten als »Beatkünstler« verschrien und Mitglied bei den fast legendären „The Boygroup“ – und Sängerin Rica Blunck. Mit ihnen gründete er die Band »Kings Of Dub Rock« und veröffentlichte sein erstes komplettes Musikalbum.

»Mondo Cherry« ist wirklich gut produziert, was überraschend ist, vergleicht man Palmingers Platte mit den Liedern auf Studio Braun-Alben. Aber Viktor Marek ist ein hervorragender Produzent, die Lieder pendeln irgendwo zwischen Chanson und Reggae, zwischen Pop und Latino. Natürlich ist auf »Mondo Cherry« kein großer Diskohit, das war zu erwarten, aber die Platte ist viel mehr als nur lustig: Sie ist musikalisch absolut hörbar. Erst wenn man auf die Texte achtet, kommt Palmingers einzigartige Albernheit, sein trockener Humor durch. In einem undefinierbaren Gemisch aus Gesang und Sprechen, erzählt er Geschichten aus dem Alltag seines Lebens (oder seiner Träume) und das ist einfach unglaublich witzig.

Nachdem am 29. November Rocko Schamoni im UT Connewitz zu Gast war und an diesem Dienstag Heinz Strunk im Centraltheater liest, lässt sich auch Jacques Plaminger einen Leipzig-Auftritt nicht nehmen. Am Donnerstag spielt er mit den Kings Of Dub Rock Lieder von seinem Album »Mondo Cherry«. Besonders, weil man immer mit Jacques Palmingers Spieltrieb und Spontaneität rechnen muss, sollte man sich diesen Abend als Erlebnis vormerken.

Jacques Palminger and the Kings of Dub Rock, 18.12., 20 Uhr, Conne Island.
Musik

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