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Die Musik-Rubrik

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: klez.e, The Rifles und Beirut.

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: klez.e, The Rifles und Beirut.


Klez.e – »Vom Feuer der Gaben«

Klez.e – »Vom Feuer der Gaben« (Loobmusik)

Ein Album voller Fragmente. Voller Erkenntnisse, Hilfen, Fragen, Sorgen, Überforderung und Kraft. Ich weiß nicht, was Klez.e sagen wollen. Aber es ist auch gar nicht wichtig. Man muss sich nicht mal selbst verstehen. Da ist doch mehr als du und ich und Gott. »Vom Feuer der Gaben« ist Musik für Menschen, die nicht mehr schlafen wollen. Oder nur noch. Weil im Schlaf alles besser aussieht. Träume voller Gitarrenklänge, die an alle geliebten Gitarrenbands erinnern, ohne dass man auch nur einen Vergleich ziehen möchte. Ich wäre gerne süchtig. Diese Musik ist so wunderbar. Voller Lügen, Liebe und kein Leid. Ein Geheule von Sänger Tobias Siebert, das mich weinen macht. Übertrieben irgendwie. Aber ist nicht jeder gute Song, jedes echte Gefühl eine Übertreibung? Hier auf jeden Fall. Der schönste Moment beginnt und trennt. Vielleicht ist es sogar egal, wenn wir alle sterben. Hauptsache es wird getrommelt, und ein Chor fängt an zu singen. Auf dem dritten Album der Berliner fliegen Engel, eine Orgel spielt, Klassik wird zu Indie. Das Spiel endet, wenn man es ablehnt, sich zu wehren. Also los. Gegen den Tag. Zelebrieren wir die öffentliche Einsamkeit. Und nehmen diese Musik mit an neue Orte oder in deinen Garten. Wenn der Himmel fällt, wird sie uns ratlos zurücklassen. Aber begeistert. Mit einem Gebet für mehr auf den Lippen.
Juliane Streich

The Rifles – »The Great Escape«

The Rifles – »The Great Escape« (679/ Universal Publishing)

The Rifles waren die Stecknadel im Heuhaufen etlicher Retrorockbands 2007. Sie vereinten kraftvolle Melodien wie The Jam, spielten mit Energie wie The Clash und hatten ein Gefühl für Refrains wie die Britpopbands der 90er Jahre. Dazu erzählten sie witzige Geschichten, zum Beispiel über kauzige Typen des Londoner Nachtlebens. Jetzt laden The Rifles nach und stecken die Hörer zu Beginn von „The Great Escape“ mit einer Breitseite, bestehend aus Gitarrenwänden, nieder. Noch etwas benommen, fällt einem auf, dass die Mod-Punks breiter und auffallend langsamer klingen. Bevor sich dieser Verdacht jedoch festigt, legt die Band nach: die einprägsamen Riffs und das tickende Schlagzeug. »Sometimes« hat wieder einen der typisch hymnischen Rifles-Refrains. Man möchte ihn nur noch laut in die Nacht schreien. Doch immer wieder unterbrechen langsamere Stücke den Fluss des Albums. Insgesamt fehlt also die durchgängige, knackige Dynamik des Debüts »No Love Lost«. Was es nach wie vor gibt, sind lustige Beobachtungen über das Leben in der Stadt und Liebesgeschichten. Viel Spaß macht auch das Musikzitate-Suchen. Dennoch muss für Ende 2009 längeres Suchen im Heuhaufen nach The Rifles eingeplant werden.
Holger Günther

Beirut »March of the Zapotec / Realpeople Holland«

Beirut »March of the Zapotec / Realpeople Holland« (Pompeji Records / Indigo)

Es scheppert, die Kapelle ist in der Stadt unterwegs. Mit Pauken und Trompeten bahnt sie sich ihren Weg. Angeführt wird sie vom 23 jährigen Amerikaner Zach Condon alias »Beirut«. Der löste 2006 schon Faszination für Balkan-Pop aus, widmete sich dann französischem Liedgut und ist nun mit »March of the Zapotec« in Mexiko angekommen. Sieben schwermütige Songs, eingespielt von einer 19-köpfigen Beerdigungskapelle werden von Condoms leierndem Gesang getragen. So entfaltet sich eine Klangwelt, die nach Ferne, Wüstenstaub und einem Hauch von Calexico klingt. Erinnerungen an Zachs Debüt »Gulag Orkestar« und dessen versierte Harmonien kommen auf. Schluss mit »Humpa, Humpa«! Nach 7 Liedern ändert sich der Klang fast von Grund auf. Als »Realpeople« machte Condon vor seinem Durchbruch mit Beirut Musik. Die zweite Hälfte der CD widmet sich also Realpeople’s Elektroexperimenten, die leider recht beliebig ausfallen. Viele Indie-Singer/Songwriter machen ähnliche verträumte Spielereien am Laptop. Die meisten haben dabei nicht so eine nervige Stimme wie Condon. Auf fluffigen Elektrobeats ist diese nicht so gut aufgehoben wie im schwermütigen Folk-Klangkosmos. Nach vier Songs vermischen sich jedoch die Soundwelten: Akkordeons werden gesampelt und verdeutlichen, wie Condon besser klingt.
Holger Günther


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