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Die Musik-Rezensionen der Woche

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Franz Ferdinand, Razorlight und Dälek

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Franz Ferdinand, Razorlight und Dälek


Franz Ferdinand – »Tonight: Franz Ferdinand«

Franz Ferdinand – »Tonight: Franz Ferdinand« (Domino/ Indigo)

Music boys can dance to: Die beste und stilsicherste britische Band dieser Dekade mit ihrem dritten Album.
Auf dem Cover von »Tonight: Franz Ferdinand« liegt Bassist Bob Hardy, offenbar schwer angeschlagen, auf der Straße. Die Kollegen kümmern sich rührend um ihn. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dem Ärmsten gerade von einem Mädchen das Herz gebrochen wurde. In den Songs von Franz Ferdinand tauchen diese Mädchen immer wieder auf: Jacqueline, Eleanor, Linsey Wells. Es sind Mädchen, die einsam sind, glücklich, sorglos, schutzlos – und ganz bezaubernd. Die Songs handeln von Jungs, die sich verlieben, noch bevor sie das Mädchen überhaupt kennen. Auf dem neuen Album gibt es wieder eine ganze Reihe dieser anrührenden Hals-über-Kopf-Geschichten: Von der Geliebten, der man zwar bis nach Rom folgen würde, die aber selbst nie anruft (»Turn It On«), von dem anderen Typen, dessen Atem jetzt durch ihr Haar weht (»Send Him Away«), von den »girls who never know how you make a boy feel«, und natürlich von »Katherine, Kiss Me«. Alles nichts Neues eigentlich, aber doch sehr tröstlich, dass es den smarten Schotten nicht anders geht als einem selbst.
»Tonight: Franz Ferdinand« ist wahrscheinlich das schwächste Franz Ferdinand-Album – was aber zum Glück nicht viel heißt. Denn es ist immer noch ein Franz Ferdinand-Album und besser als alles, was die Konkurrenz in den letzten fünf Jahren nachgelegt hat. Außerdem konnte es nach »You Could Have It So Much Better« von 2005 eigentlich nicht mehr besser werden. Perfekte Popsongs wie »Walk Away« oder »Eleanor« wird man deshalb auf »Tonight: …« auch vergeblich suchen. Die meisten Stücke hierauf ähneln vielmehr den zickigen Tanzfegern der beiden Vorgängeralben. Ein paar ihrer größten Stärken haben Franz Ferdinand aber doch eingebüßt: Das Talent zum wilden Hakenschlagen beispielsweise. Oder den verzögerten Orgasmus (den Coitus interruptus des New Wave, wenn man so will), der einige ihrer größten Kracher so einzigartig machte. Vielleicht muss man aber angesichts der Texte auch einmal fragen, ob die Jungs einfach nicht mehr so oft zum Schuss kommen. – Fuckin‘ nuts! Es sind immer noch Franz Ferdinand! These boys’re so spectacular!
Thomas Reinhold

Razorlight – »Slipway fires«

Razorlight – »Slipway fires« (Vertigo Records)

Mit dem Debüt gefeiert, mit dem Nachfolger viele Fans verprellt: Haus-Maus-Reime und ein eifriger Griff nach dem großen Publikum zeichneten Razorlight aus. Das wird 2009 nicht besser. England hasst die Band dafür. Das Theatralische passe keinesfalls zur Dummheit des Sängers, schreibt beispielsweise der NME. Auch wenn sich in Johnny Borell nicht der größte Dichter versteckt, hat er die nötigen Frontmannqualitäten: dramatischer Gesang und Selbstdarstellungszwang inklusive. Wer »Somewhere else« mochte, wird dieses Album lieben. Eingängige Melodien, euphorischer und höherer Gesang überall. Powerballaden mit Phrasen wie »You turn your life to a power above / And make yourself a hostage of love« strotzen zwar vor Schmalzigkeit, aber als »Geisel der Liebe« singt man schon mal Kitschiges. Die musikalische Umsetzung macht immer genau dann Spaß, wenn die Frische und der Drive des Debüts irgendwo hervorlugen. Das passiert zum Glück an einigen Stellen. Leider hat Borrel oft recht wenig zu sagen, außer vielleicht, dass er »North London Trash« ist. »Call me so predictable« singt er andernorts. Vorhersehbarkeit ist genau das Problem: Nach dem Reißbrettprinzip finden bewährte Zutaten und Inhalte Einzug in das Album. Der Zwiespalt liegt zwischen abgegriffen wirkenden, dramatischen Popballaden und Songs, die einfach nur in die Beine gehen. Das größere Publikum ist in Reichweite.
Holger Günther

Dälek – »Gutter Tactics«

Dälek – »Gutter Tactics« (Ipecac)

Das amerikanische Hip-Hop Duo um MC Dälek und The Oktopus meldet sich mit seinem mittlerweile fünften Album zurück. An dessen Konzept aus düsteren Sounds und Rhymes hat sich wenig geändert. Wer die Zwei das erste Mal hört, wird ihren Stil entweder total ablehnen oder lieben. Mit ihrem noisigen HipHop für Heavy-Metal-Fans werden sie sicher nie in den Charts oder im Programm der Formatradios landen. Aber darum geht es ihnen wahrscheinlich auch nicht. In ihrer Nische haben sie sich einen mehr als guten Namen gemacht. Dies zeigte auch das gut besuchte Konzert Ende 2008 in der Nato. Nun könnte an dieser Stelle natürlich kritisiert werden, dass sich Dälek mittlerweile ein bisschen im Kreise des eigenen Trademark-Sounds drehen. Auf der anderen Seite liefern sie mit »Gutter Tactics« ein solides Album ab, an dem Dälek-Fans ganz sicher nicht vorbei kommen werden.
Michael Wallies


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