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Gut aufgelegt!

Die Musik-Rubrik

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: DJ Koze, Ritornell und einem Pro & Contra zu The View

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: DJ Koze, Ritornell und einem Pro & Contra zu The View


DJ Koze – »Reincarnations – The Remix Chapter<br /> 2001 – 2009« (Get Physical)“ class=“attachment-medium wp-post-image“ title=“DJ Koze – »Reincarnations – The Remix Chapter<br /> 2001 – 2009« (Get Physical)“ /></figure>
                  <p> <strong>DJ Koze – »Reincarnations – The Remix Chapter 2001 – 2009«</strong></p>
                  <p>Bedenkt man, wie bescheiden und spleenig Stefan Kozalla alias DJ Koze nach außen hin wirkt, hat sein internationaler Ruhm beinahe etwas Gespenstiges. Bester DJ, bester Producer und bester Remixer, geliebt von Techno-Bouncern und gut frisierten Indie-Kids. Klar, Kozes Wandel vom HipHop mit Fischmob über Super-Pop mit International Pony und seinen eigenen eher House-orientierten Stücken ist beeindruckend – nicht zu vergessen sein avantgardistisches Alter Ego Adolf Noise und auch die stilistische Offenherzigkeit, mit der er als DJ und Producer immer wieder ausschert und sich dabei sicher nicht immer nur Freunde macht. »Reincarnations« ist auf den ersten Blick eine schnöde Remix-Werkschau, etwas für das Weihnachtsgeschäft. Etwas Gutes kann man dieser Compilation aber doch abgewinnen: Sie bündelt die Breite und Vielzahl an Remixen aus acht Jahren sehr treffend. Irgendwie schafft es Koze tatsächlich, konträre Genres mit einem eigenen Filter aus Funk-Leichtigkeit, verspielter Naivität und einem feinen Gefühl für Clubmusik auf eine klangliche Stufe zu bringen. Für diejenigen, die nicht jede 12“ mit Koze-Remixen gesammelt haben, ist »Reincarnations« also durchaus lohnenswert.<br />
                    <em>Jens Wollweber</em></p>
                  <hr />
                  <figure class=Ritornell – »Golden Solitude« (Karaoke Kalk)

Ritornell – »Golden Solitude«

Electronica und akustische Instrumente – diese Annäherung ist nicht neu, aber irgendwie hat solche Musik meist etwas sehr Zeitloses, zumindest was die Arrangements betrifft. Und so fasziniert sie auch immer wieder aufs Neue. Bei den Österreichern Ritornell kommt hinzu, dass der Electronica-Part des Duos, Richard Eigner, gerade mal Mitte Zwanzig ist. Angesichts der Reife und Versiertheit der Stücke auf »Golden Solitude« erstaunt diese Tatsache schon ein wenig. Mit Roman Gerold steht ihm ein bekannter Pianist zur Seite, der Organisches in den Gesamtklang einbringt. Einzig das bisweilen eingestreute Saxophon macht manche Momente etwas zu gefällig. Angenehm ist aber die Eingängigkeit der instrumentalen Stücke, ihr Hang zum Wohlklang. Wobei Richard Eigner dem ultimativen Kitsch sehr dezent elektronisch entgegen wirkt. Immer dann, wenn dazu noch ein organisch klingendes Schlagzeug zu hören ist, lassen sich auch Jazz- und Postrockeinflüsse aus den Stücken herauslesen.
Jens Wollweber


The View – »Which Bitch?« (1965 Records)

The View – »Which Bitch?«

Pro:
Indie-Punk-Pop. Plötzlich waren da vier junge Schotten, die mit knapp 20 Jahren schon von trendy Heroin sangen und sich die Seele aus dem Leib spielten wie vorher nur The Libertines. Der ruppige Indie-Rock von The View machte großen Spaß. Schnell kommt nun der Gedanke auf, das zweite Album »Which Bitch?« könnte ein typisches, uninspiriert herunter gespieltes Folgealbum sein. Das Quartett macht hierauf jedoch eher den Eindruck einer Jungsbande, die nicht genug vom Spielen kriegt und ständig von einem Stil zum nächsten springt: Von Blues zu Sprechgesang ist es ein ähnlich kurzer Satz wie von Streicherarrangements zu Trompeten, die die melodiösen Popsongs gelegentlich begleiten. Die Basis von Allem bleiben jedoch Gitarren: mal schrammelig und elektrisch, dann wieder akustisch mit kratzigem Über-die-Saiten-Gestreife. Dazu singen die Bandmitglieder abwechselnd und in schottischem Akzent. Auch nach dem grandiosen Debüt »Hats off to the Buskers« geht den Jungs nicht die Puste aus, denn die einst so widerborstigen Rocker haben ihren Sound geglättet und abwechslungsreicher gestaltet, ohne dabei belanglos zu werden. Ihr Gespür für Popmelodien ist ausgezeichnet. Und auch den rumpeligen Griff in die Saiten haben sie noch drauf, wenn sie wollen.
Holger Günther

Contra:
Mittelstufenrock. Im Indierock-Jahrbuch der Klasse von 2007 gibt es neben dem Foto von The View bestimmt einen Eintrag darüber, wie bemüht die Band war, die Songs der Kooks in schottischem Akzent nachzusingen und dass Sänger Kyle Falconer etwas daneben lag mit seiner Behauptung, in vier Tage alten Jeans »downdressed« zu wirken – was ja auch überhaupt nicht zusammenging mit dem Image des »Wasted Little DJ«. Zwei Jahre später beginnt »Which Bitch?«, das zweite Album des Vierers aus Dundee, wieder verwirrend. Zu Mundharmonika und Westernpiano überbringt Falconer eine Nachricht von der Straße an die Freundin daheim, um die er sich nach drei Wochen Funkstille nun doch langsam Sorgen macht (»I hope there’s no one gelling my bird«) – und lacht sich dann selbst scheckig darüber. Es bleibt der einzige echte Rückzug auf dem gesamten Album, ansonsten peitschen wieder allenthalben die Stromgitarren. Die Songs klinger insgesamt geschmeidiger und weniger hölzern als es noch auf dem Debüt der Fall war. Am besten sind The View hier in »One Off Pretender«, wenn Falconer den Gesang zurückschraubt und in feinstem Scots die Geschichte eines Versagers aus dem Pub nacherzählt. Trotzdem eine Kinderband.
Thomas Reinhold


Musik

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