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Mystery-Box Borneo II

Mit dem <em>kreuzer</em> auf die sieben Weltmeere – Der neue Blog auf <em>kreuzer</em> online (Teil 8)

  Mystery-Box Borneo II | Mit dem <em>kreuzer</em> auf die sieben Weltmeere – Der neue Blog auf <em>kreuzer</em> online (Teil 8)

Unsere »kreuzer-Auslandskorrespondentin« Ele Jansen hat sich auf große Fahrt begeben und berichtet in einem exklusiven Reise-Blog über ihre Erlebnisse vor Ort. Die mysteriösen Tiefen Borneos versprechen Urwald, Riesenreptilien und den höchsten Gipfel Südostasiens.

Unsere »kreuzer-Auslandskorrespondentin« Ele Jansen hat sich auf große Fahrt begeben und berichtet in einem exklusiven Reise-Blog über ihre Erlebnisse vor Ort. Die mysteriösen Tiefen Borneos versprechen Urwald, Riesenreptilien und den höchsten Gipfel Südostasiens.

Ich nehme mir vor, die »Borneo-Mystery-Box« zu öffnen, und von Kota Kinabalu aus in die Tiefen des Urwalds zu ziehen. Zunächst will ich den höchsten Berg Südostasiens besteigen, den Mount Kinabalu, und dann weiter ins Landesinnere. Mein Köper macht mir allerdings einen Strich durch die Rechnung. Ich brauche Urlaub vom Reisen und mache nach einem Monat andauernder Ortswechsel endlich schlapp. Anstatt ins Landesinnere zu reisen, nehme ich ein Boot auf die Inseln nahe Kota Kinabalu, um Schnorcheln zu gehen. Begleitet werde ich von einem Schweden (»the lazy Swede«) und einem polnischen Wahl-Schotten. Unsere Blicke wandern jedoch, entgegen unseren Plänen, nicht auf die Fische, sondern zu den weitaus kurioseren Geschöpfen, die an der Wasseroberfläche treiben: Japaner. Wie kann es sein, dass die Mehrheit eines Volkes, das auf einer Insel lebt, nicht schwimmen kann? Und warum gehen sie trotzdem Schnorcheln? ... Wahrscheinlich, weil es Rettungswesten gibt, die man schließlich auch einfach im Wasser tragen kann. Dieser Anblick ist wirklich besser als der bunteste Fisch. Auch an Land ist es nicht minder spannend, die Japaner zu beobachten. Was mich im Moment jedoch viel mehr beschäftigt, ist ein zwei Meter langer Waran (Leguan), der ein paar Meter entfernt von mir, aus dem Urwald kommend, über den Strand spaziert.

Die Japaner und die Warane lenken mich auch deshalb so leicht ab, weil es unter Wasser tatsächlich nicht so irre viel zu sehen gibt. Die Korallenteppiche, die Urwälder des Ozeans, sind vor tausenden von Jahren entstanden. Weltweit wurden binnen der letzten Jahrzehnte 20 Prozent davon zerstört. Experten vermuten, dass bis zum Jahr 2030 60 Prozent der Korallen abgestorben sein werden. Gründe dafür sind natürlich Mensch- und Umweltbelastungen, aber auch die wechselnden Sauerstoffgehalte durch Temperaturschwankungen im Meer, die als »El Nino« bekannt sind. Dieses Wetterphänomen tritt, ausgelöst durch Passatwinde, ein oder zweimal im Jahrzehnt auf. Borneo ist sogar auf dem Land von dessen Auswirkungen betroffen, da ausgedehnte Trockenperioden zu Waldbränden in den übernutzten Wäldern geführt haben. Allein in einem Brand sind in den achtziger Jahren drei Millionen Hektar verbrannt.

Borneo ist allerdings groß und für mich ist noch genügend Wald vorhanden. Nachdem ich genug geruht habe, finde ich, dass es an der Zeit ist, mich zum Mount Kinabalu, und danach in den Dschungel aufzumachen. Es wird empfohlen, den 4079 Meter hohen Berg (der höher ist als der Mont Blanc!) in zwei Tagesetappen zu erklimmen. Auf 3300 Metern wird übernachtet, so dass man den Gipfel bei Sonnenaufgang erreicht. Da es dort oben ordentlich kalt sein soll, habe ich mir Mütze, Handschuhe, Jacke und Fleece von meiner Hostel-Mutter und einigen Mitreisenden geliehen. Zunächst geht es mit dem kriechenden Bus zwei Stunden durch die schönste Berglandschaft bis zum Fuße des Berges auf 1800 Metern. Eine weitere Hürde habe ich noch zu nehmen, bevor ich das Dach Borneos erklimmen kann: Da ich im Berg-Hostel keinen Platz mehr bekommen habe, setze ich darauf, dass doch noch jemand abspringt.

Wie meistens, bin ich davon ausgegangen, dass ich Glück haben werde und es schon einen Weg geben würde. Dieses Mal habe ich allerdings Pech: Alles ist ausgebucht! Statt tapfer den Berg zu besteigen, wandere ich also die schönen, aber vergleichsweise langweiligen Pfade im Nationalpark entlang. Glück im Unglück habe ich dann aber doch: Die konstanten 35 Grad Celsius bei über 80 Prozent Luftfeuchtigkeit durchnässen regelmäßig die Kleidung, was in den klimatisierten Bussen schnell zu einer Unterkühlung führt. Darauf passe ich meistens auf und nehme ein Fleece mit an Bord, aber hier habe ich mir nun doch eine Erkältung eingefangen, die am Abend der geplanten Bergbesteigung ausbricht und mir alle Energie raubt. Leider fällt der Erkältung nicht nur die Bergbesteigung, sondern auch die Dschungeltour zum Opfer, so dass die Mystery-Box weiterhin verschlossen bleibt.

Bei feuchten 35 Grad fiebrig im Bett zu liegen, während andere das Land erkunden, ist kein Spaß. Mein Blut kocht und der einzige blässlich-positive Gedanke in dieser Situation ist, dass ich dadurch gute Gründe habe, noch einmal herzukommen. Zunächst freue ich mich jedoch auf meinen Weiterflug nach Bali.


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