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»Bei uns trifft Professionalität auf Kamikaze«

»Junges Kino« am 30. April: Daniel Sager über seine Nachwuchsfilmreihe in der Kinobar Prager Frühling

Sich selbst und anderen einen Traum erfüllen? Manchmal ist das ganz einfach. Daniel Sager macht’s vor. Eigentlich ist er Ethnologiestudent, doch seine große Leidenschaft ist das Filmemachen. Seit Dezember letzten Jahres hat der Blondschopf mit dem verträumten Blick die Kurzfilmabende »Junges Kino« ins Leben gerufen. Vom Amateurfilmer bis zum Halbprofi darf hier jeder seinen Film auf der Kinoleinwand zeigen. Im Interview verrät der Nachwuchsfilmer, wie er sich seinen Traum verwirklicht hat.

Sich selbst und anderen einen Traum erfüllen? Manchmal ist das ganz einfach. Daniel Sager macht’s vor. Eigentlich ist er Ethnologiestudent, doch seine große Leidenschaft ist das Filmemachen. Seit Dezember letzten Jahres hat der Blondschopf mit dem verträumten Blick die Kurzfilmabende »Junges Kino« ins Leben gerufen. Vom Amateurfilmer bis zum Halbprofi darf hier jeder seinen Film auf der Kinoleinwand zeigen. Im Interview verrät der Nachwuchsfilmer, wie er sich seinen Traum verwirklicht hat.

kreuzer: Eine regelmäßige Kurzfilmveranstaltung für Leipzig – war das ein lang gehegter Wunsch von dir oder ein spontaner Einfall?

DANIEL SAGER: Eigentlich war das völlig spontan. Ich war im »Prager Frühling« und fand das Kino total gemütlich. Irgendwie hat es mir zugesagt und dann kam mir einfach der Gedanke: Warum nicht hier etwas Besonderes aufziehen? Eine Plattform für alle, die sonst nicht die Möglichkeit bekommen, ihre Filme zu zeigen! Es war auf einmal in meinem Kopf und so habe ich der Betreiberin einfach eine Email mit meiner Idee geschrieben. Kurze Zeit später sagte sie zu und los ging es mit der Planung für den ersten Kurzfilmabend von »Junges Kino«.

kreuzer: Seit Du 15 bist machst Du selber Filme. Dein letzter Film, »Change of Direction«, ist ein Dokumentarfilm über Gangkids im Berliner Problembezirk Wedding. War es nicht auch ein Anreiz für die Gründung von »Junges Kino«, deinen eigenen Film einmal vor Publikum zu zeigen?

SAGER: Das auf alle Fälle! Die Idee ist schon auch im Zusammenhang mit mir selbst entstanden. Natürlich hatte ich Lust, meinen Film zu zeigen. Dafür macht man schließlich Filme. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viele Leute es gibt, die coole Filme machen, die vielleicht niemand jemals sehen wird. Das ist schade. Warum also denen nicht einfach mal eine Plattform geben?

kreuzer: Und wie unterscheidet sich deine Plattform »Junges Kino« von anderen Kurzfilminitiativen?

SAGER: Das Besondere ist, dass bei uns erst einmal alle Filmemacher anklopfen und nachfragen können, ob ihre Filme gespielt werden. Natürlich kommt es schon auf die Qualität des Films an, aber anfragen kann praktisch jeder. Gerade Leute, deren Filme sonst nicht im Kino oder auf Festivals laufen würde.

kreuzer: Heißt das, alle Amateurfilme bekommen eine Chance – egal wie schlecht?

Anne Ratte Polle in »Illusion« von Burhan Quberani

SAGER: Generell bekommen all diejenigen eine Chance, denen anderweitig die Plattform fehlt. Es ist aber wichtig, dass die Mischung stimmt und genügend richtig gute Filme dabei sind. Einige Kurzfilme musste ich aussortieren, weil das Publikum ziemlich kritisch ist. Wenn schlechte Filme laufen, spürt man das sofort im Kino.

kreuzer: Amateure und echte Nachwuchstalente dürfen also gleichermaßen ihr Können bei »Junges Kino« unter Beweis stellen. Ist das das Konzept der Veranstaltung?

SAGER: Teil des Konzepts ist auf alle Fälle, dass eben nicht nur komplette Anfängergeschichten dabei sind. Sonst würden die Leute nicht ins Kino gehen. Wenn, dann schauen sie sich so was auf Youtube an. Aber zwischendurch streuen wir eben auch diese kleinen Amateurfilme ein, dieses Indie-Undergound-Mäßige, was unsere Veranstaltung ausmacht. Professionalität trifft bei uns also auf Kamikaze. Und für Internationalität sorgt jedes Mal ein europäischer Überraschungsfilm.

kreuzer: Wer wird an euren Kurzfilmabenden Spaß haben?

SAGER: Alle, die Lust auf Experimente haben und sich auf etwas Neues einlassen wollen. Im Gegensatz zu den üblichen Hollywood-Schinken weiß man hier nicht schon vorher, was einen erwartet. Es ist jedes Mal eine Überraschung, ein buntes Programm mit Kurzfilmen aus allen Genres.

kreuzer: Die Veranstaltungen von »Junges Kino« finden regelmäßig alle sechs bis acht Wochen statt. Ist das nicht zu oft?

SAGER: Alle zwei Monate ist nicht zu oft. Aber vielleicht sollte es tatsächlich nicht öfter sein, damit die Leute es nicht zu schnell satt haben. Ganz am Anfang dachte ich daran, es monatlich aufzuziehen. Aber monatlich wäre definitiv zu oft gewesen. So ist es perfekt. Es bringt etwas Abwechslung in den normalen Kinoalltag, ist aber auch kein Festival, das nur einmal im Jahr veranstaltet wird.

kreuzer: Alle zwei Monate sieben Kurzfilme für den nächsten Termin zu finden, ist nicht einfach. Woher bekommst du die ganzen Filme?

Szene aus »Dentophobia« von Christoph Heimer

SAGER: Am Anfang bekam ich die Filme hauptsächlich aus meinem Freundeskreis oder über das Internet. Ich habe eine Anzeige auf hackermovies.com geschaltet und stelle nach jeder Veranstaltung eine Review auf die Website. So erfährt jeder, welche Filme liefen und wie die beim Publikum angekommen sind. Mittlerweile schreiben mich da wirklich haufenweise Leute an und senden ihre Filme ein. Weil auch immer richtig gute Filme das Programm füllen sollen, habe ich mir einen langfristigen Plan gemacht, wo ich die herbekommen könnte. Ich schreibe dann erfolgreiche Filmemacher gezielt an, ob ich ihren Film zeigen dürfte Denn die wenden sich natürlich nicht freiwillig an mich. Das haben sie nicht nötig, weil ihre Filme auf allen möglichen Festivals gespielt werden. Immerhin hat es die letzen zwei Male geklappt, Schätze wie »Illusion« und »Dentophobia« an Land zu ziehen.

kreuzer: Wonach wählst du die Filme aus?

SAGER: Ungefähr sechs Wochen vor dem Kurzfilmabend sortiere ich alle Filme. Ich überlege, wie ich einem Film, der vielleicht nicht superprofessionell gemacht ist, trotzdem die Chance geben könnte, vorgeführt zu werden. Die Frage ist, ob ich das anderweitig durch gute Filme ausgleichen kann. Die Reihenfolge, nach der die Filme angeordnet sind, ist auch sehr wichtig. Das habe ich bei der zweiten Kurzfilmnacht gemerkt. Da hatte ich nach diesem albernen Film »King Fu« einen Thriller platziert. Das war etwas unglücklich, denn danach waren alle Zuschauer in einer tierisch albernen Stimmung und haben das ernste Thema falsch aufgefasst. Entscheidend ist auch die Schauspielerei. Filmemacher können sich eher Fehler leisten. Das wird vom Publikum akzeptiert, aber nicht wenn schlecht geschauspielert wird.

kreuzer: Was haben die Nachwuchsregisseure denn davon, ihren Film einzusenden?

SAGER: Erst einmal wird der eigene Film auf der Kinoleinwand vor Publikum gezeigt. Das ist eine sehr intensive Erfahrung. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen, denn mein Film »Change of Direction« lief bei der ersten Kurzfilmnacht. Plötzlich entdeckt man ein ganz anderes Potential in seinem Film. Man merkt, wie etwas beim Publikum ankommt und lernt daraus für den nächsten Dreh. Deswegen sollen auch immer ein paar Regisseure bei der Veranstaltung anwesend sein, um die Fragen des Publikums zu beantworten. Geld für die Vorführung bekommen sie nicht. Das Ganze soll auf einer ideellen Ebene bleiben. Aber natürlich kommen sie umsonst rein und können noch eine Person mitbringen.

kreuzer: Die erste Filmnacht im Dezember war nahezu ausverkauft und die zweite immer noch gut besucht, trotz der anstehenden Prüfungszeit für die Studenten …

SAGER: … was mich stark gewundert hat.

kreuzer: Warst du positiv überrascht?

SAGER: Ja, total. Ich habe gedacht, wir werden da zu zehnt sitzen. Aber es waren auch erstaunlich viele neue Gesichter dabei, die beim ersten Mal noch nicht da waren.

kreuzer: Man hat schon gemerkt, dass die Mischung und die Qualität der Filme sich von der ersten zur zweiten Filmnacht enorm gesteigert haben. Empfindest du das auch so?

Szene aus »Krym« von Christoph Heimer

SAGER: Ja, das finde ich auch. Die Qualität hat sich gesteigert, weil ich mehr Filme und auch mehr Zeit für die Vorauswahl und Vorbereitung hatte. Bei der ersten Veranstaltung hatte ich drei Tage Zeit. Ich bin nach Hause gerannt und habe Leute angeschrieben, um Filme zu kriegen. Jetzt kann ich wirklich langfristig vorher alles sortieren und zusammenstellen. Und das merkt man. Beim zweiten Kurzfilmabend zum Beispiel war nicht ein schlechter Film dabei.

kreuzer: Was wären denn Verbesserungspunkte, um den Langzeiterfolg von »Junges Kino« zu sichern?

SAGER: Ich habe große Pläne. Ich habe vorhin jemanden getroffen, der Kontakte zum Deutschen Filmförderfonds hat. Darüber würde ich gerne Fördergeld beantragen, um die Veranstaltung etwas weiterzuentwickeln. Außerdem kam mir die Idee, dass es nicht immer nur die Regisseure sein müssen, die den Zuschauern etwas über den Dreh des Films erzählen. Deswegen wird bei der kommenden Veranstaltung zur Abwechslung auch einmal ein Schauspieler da sein und Rede und Antwort stehen.

kreuzer: Gib uns doch noch einen kleinen Vorgeschmack auf die kommende Kurzfilmnacht. Womit können wir rechnen?

SAGER: Diesmal wird es mehr Lokales geben – zum Beispiel einen Film über das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Vom Regisseur von »Dentophobia«, der schon das letzte Mal dabei war, wird ein zweiter Film gezeigt werden. Der wurde mit extrem großem Aufwand erstellt. Und vielleicht wird auch wieder ein Film von mir laufen – mein erster: »Cirque du Soleil«. Der handelt von jungen Zirkusartisten in Berlin.

kreuzer: Wie soll es bei dir in Sachen Film weitergehen?

SAGER: Ich habe mich gerade für einige Filmhochschulen beworben. Nächste Woche ist die Zusage für die erste Runde im Briefkasten – hoffentlich! Der Plan ist, zuerst auf die Filmhochschule zu kommen und dann endlich in das Filmgeschehen einzutauchen und Filme zu machen, so dass ich dieses kreative Wirrwarr, das in meinem Kopf herumschwebt, endlich auf Zelluloid banne.

3. Kurzfilmabend »Junges Kino«: 30.4., 21.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling, Eintritt: 4 EUR
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