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Was lange währt, wird doch nicht gut

Der neue Kulturbürgermeister Michael Faber ist bereits beschädigt, bevor er sein Amt antritt

Über ein Jahr lang hat Leipzig nach einem neuen Kulturbeigeordneten gesucht. Da möchte man doch meinen, nach so langer Zeit würde man wenigstens zu einer optimalen Lösung kommen und einen erstklassigen Bürgermeister finden. Doch dies ist leider nicht der Fall.

Über ein Jahr lang hat Leipzig nach einem neuen Kulturbeigeordneten gesucht. Da möchte man doch meinen, nach so langer Zeit würde man wenigstens zu einer optimalen Lösung kommen und einen erstklassigen Bürgermeister finden. Doch dies ist leider nicht der Fall.

Am Ende eines Verfahrens, das man nur mit »Pleiten, Pech und Pannen« beschreiben kann, wurde heute mit knapper Mehrheit ein Kulturbürgermeister gewählt, der von der überwiegenden Mehrheit der Kulturschaffenden für unfähig gehalten wird, dieses Amt zu führen. Da ist das Prädikat »suboptimal« noch ein Kompliment. Immerhin: Leipzig hat jetzt endlich einen neuen Kulturbürgermeister und der heißt Michael Faber.

Im ersten Wahlgang setzte sich der Kandidat der Linken gegen seinen grünen Herausforderer Michael Koelsch mit 37 zu 32 Stimmen durch, ein Stadtrat enthielt sich. Die Fraktionen von SPD und LINKEN, die Faber zu ihrem Kandidaten gemacht hatten, verfügen jedoch gemeinsam über 38 Stimmen, dazu kommt die Stimme des Oberbürgermeisters. Schon dieses Ergebnis zeigt, dass die Wahl heute alles andere als ein glatter Durchmarsch war.

Denn lange Zeit galt Faber als einziger aussichtsreicher Kandidat für den Posten. Nachdem das erste Verfahren daran gescheitert war, dass OBM Jung (SPD) sowohl den LINKEN als auch den Grünen das Vorschlagsrecht für den Posten versprochen hatte, sicherte er in der zweiten Runde den LINKEN zu, dass er ihren Kandidaten unterstützen werde. Diese revanchierten sich hierfür, indem sie für die Wiederwahl von Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD) stimmten. Mit einer rot-roten Mehrheit im Rücken schien Faber also gesetzt.

Erst, nachdem sich Faber den Fraktionen vorgestellt hatte, und CDU und Grüne massive Zweifel an seiner Qualifikation äußerten, warf der Kulturausschussvorsitzende Michael Koelsch doch noch seinen Hut in den Ring. Prompt gelang es ihm, sich neben den Stimmen der eigenen Fraktion auch die Unterstützung von CDU und FDP zu sichern – außerdem hoffte er wohl auch auf ein paar Abweichler aus der SPD.

Doch auch außerhalb des Stadtrates wurden Zweifel laut: Kurz vor der Abstimmung forderte ein breites Bündnis von Kulturschaffenden aus Hochkultur und freier Szene, die Wahl abzusetzen und nach der Kommunalwahl im Juni ein neues – dann das dritte – Bewerbungsverfahren in die Wege zu leiten. Sie kritisierten das vorangegangene Verfahren als undemokratisch und hatten überdies massive Zweifel an der Tauglichkeit beider Kandidaten.

Koelsch reagierte sofort und schlug seinem Kontrahenten vor, die Bewerbungen zurückzuziehen und damit den Weg für eine Neuauschreibung frei zu machen. Der lehnte dies jedoch ab und auch der OBM wollte von den Klagen der Kulturszene nichts hören. So fand die Wahl also statt.

Das Ergebnis kann nun wirklich niemanden glücklich machen: Das Amt des Kulturbürgermeisters ist nach diesem würdelosen Verfahren beschädigt, die Kulturschaffenden sind verärgert und Jung, LINKE und SPD müssen sich vorwerfen lassen, einen ungeeigneten Kandidaten aus schierem Machtkalkül heraus durchgeprügelt zu haben. Und der frisch gebackene Kulturbürgermeister? Der verfügt momentan weder in der Kulturlandschaft noch im Stadtrat über ausreichend Rückhalt, um anständig arbeiten zu können. Einen Sieger hat der heutige Tag trotz allem hervorgebracht: Georg Girardet. Der kann nun endlich in seinen wohlverdienten Ruhestand gehen.


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