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Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Lena Malmborg, Tim Exile und Disrupt

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Lena Malmborg, Tim Exile und Disrupt


Lena Malmborg – »Real Love« (Crying Bob Records/<br /> Broken Silence)“ class=“attachment-medium wp-post-image“ title=“Lena Malmborg – »Real Love« (Crying Bob Records/<br /> Broken Silence)“ /></figure>
                  <p> <strong>Lena Malmborg – »Real Love«</strong></p>
                  <p>Man könnte Lena Malmborg als Rock’n’Rollerin bezeichnen, als eine der ganz alten Sorte. Eine, die klingt, als stamme sie aus der Zeit, als Elvis Prestley noch der größte Rock’n’Roller der Welt war. Lena Malmborg ist ein weiteres Sternchen aus Südschweden, »Real Love« ist bereits ihr zweites Album, produziert wurde es von Daniel Johansson, Gründungsmitglied von Friska Viljor. Malmborg macht Popabilly, für Rockabilly fehlt es noch etwas an Rock und Drive. Ihre Musik fasziniert, weil sie falsch klingt. Nicht in der Intonation, sondern in der Zeit verirrt. Sie passt nicht in unser Jahrtausend, passt aber auf verwirrende Weise dann eben doch. Lena Malmborg swingt mit Motown-Groove, einige Songs später flitzen die Hände übers Piano wie damals bei Jerry Lee Lewis, oder sie bekommt einen Blues à la Muddy Waters. Zwischendrin singt sie peinlich berührende Schnulzen, die zu Weihnachten in jedem Hitradio laufen könnten. Aber das macht gar nichts. Malmborgs Sound ist zwar altbekannt, aber die Mischung ist schön erfrischend und leicht wie der feine Nieselregen von einer Sprinkleranlage. Ein Werbespot für den Sommer. <em>Pia Volk</em></p>
                  <hr />
                  <figure class=Tim Exile – »Listening Tree« (Warp/Planet Mu)

Tim Exile – »Listening Tree«

Das dritte Album von Tim Shaw alias Tim Exile erscheint auf Warp und Planet Mu: Zwei der wichtigsten britischen Elektronik-Labels kooperieren also für ein Album. Da muss ja was dran sein. Warp bildet definitiv den Link zum Pop, Planet Mu steht hingegen für die ungebrochene Szeneverbundenheit des Briten – noch immer ist Exile als solch begnadeter Live-Act und Improvisator bekannt, dass seine Fans auch gerne mal vor der Bühne niederknien. Nachdem sich der Wahlberliner auf seinen Vorgängeralben an den Stilrichtungen Drum & Bass – sein »postakademischer Orgasmus«, wie er selbst sagt – und Breakcore abgearbeitet hat, öffnet er nun das Tor ganz weit zum Pop und nimmt sich des Popsongs an. Dennoch bestätigt er weiterhin seinen Ruf als einer der coolsten Spinner und Köpfe der Elektronikszene. Mit zuckersüßen Melodien lullt er uns anfangs ordentlich ein, bevor er die Tracks immer wieder dekonstruiert und so virtuos zerschreddert, dass es noch immer barbarisch und zugleich pointiert scheppert. Ein ganz normaler Pop-Hit ist dem Briten dann aber doch einen Tick zu langweilig. Shaws drittes Werk ist Popalbum und Electronica-Monster in einem. »Listening Tree« ist trotz aller Kanten und Ecken das zugänglichste Exile-Album, das dafür sorgen dürfte, dass Mr. Exile bald in einem Atemzug mit David Bowie, Cabaret Voltaire und Aphex Twin genannt wird. Großes Kino!
Michael Wallies


Disrupt – »The Bass Has Left The Building« (Jahtari)

Disrupt – »The Bass Has Left The Building«

Jahtari ist gerade nicht zu stoppen. Was bei uns gar nicht so recht auffällt, ist in Großbritannien ein lang erwartetes Album aus Leipzig. »The Bass Has Left The Building« ist das zweite große Werk von Jahtari-Mitbetreiber Jan Gleichmar alias Disrupt. Klar, da ist der Bass. Der drückt tief nach vorn und legt das Dub-Fundament. Viel mehr passiert dann aber darüber. So viel verhalltes Gefiepe und Geblubbere, so leichtfüßige Oldschool-Sounds und 8bit-Harmonien schwirren umher, dass man sich sofort in einem alten Computerspiel oder in einem antiquierten Science-Fiction-Film wähnt. Dabei ist die wilde Spielerei keineswegs albern. Gerade durch die abstraktere Spielart von Reggae und Dub hat Jahtari und insbesondere dieses Album das Potenzial, auch Leute zu begeistern, die sich bisher wenig von solcher Musik begeistern lassen konnten. Es klingt, als wüsste Disrupt ziemlich genau, wo er hinwill – die Experimentierphase ist lange überstanden.
Jens Wollweber


Musik

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