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Knallverrückt und herrlich suizidal

Ein Roman wie ein Fraktal: Clemens J. Setz’ »Die Frequenzen«

An dieser Stelle präsentieren wir ab sofort jeden Monat das Buch des Monats. Zu finden ist dieses dann bei Lehmanns in der Grimmaischen Straße 10, in einem exklusiven und eigens für den kreuzer eingerichteten Regal im Eingangsbereich.

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Fragt man Clemens J. Setz nach seinem neuen Roman, zückt er sein iPhone und lässt darauf alle möglichen bunten Bilder aufflimmern. Es sind »Apfelmännchen«, wie im profanen Sprachgebrauch die Mandelbrotmenge genannt wird, die in der Chaostheorie eine wichtige Rolle spielt.

Wie das Apfelmännchen, erklärt Setz, sei auch sein Roman ein Fraktal. So nennt man künstliche Gebilde, die aus mehreren verkleinerten Kopien ihrer selbst bestehen … Halt! – Ich trete wohl niemandem zu nahe, wenn ich unterstelle, dass die meisten Liebhaber dicker Romane in Mathe früher Nieten waren (wie ich). Zugleich schwöre ich, dass keinerlei chaostheoretische Vorkenntnisse nötig sind, um die 700 Seiten von »Die Frequenzen« mit Genuss und Gewinn zu lesen.

Clemens J. Setz: Die Frequenzen (Buchcover)

Die Helden hierin heißen Alexander und Walter. Dieser ist ein Altenpfleger, der sich in eine Therapeutin verliebt, jener ein halbschwuler Schauspieler mit Vaterkomplex. Hinzu kommt ein ganzer Haufen Nebenfiguren, deren Lebenswege sich auf die eine oder andere Weise kreuzen. Das geht erstaunlich rasant und liest sich, als hätte Heimito von Doderer das Drehbuch von »Lola rennt« in die Finger bekommen. Natürlich sind sämtliche Figuren, wie es sich für einen großen österreichischen Roman gehört, knallverrückt und herrlich suizidal. Thomas Bernhard hätte seinen Spaß gehabt. Und das will etwas heißen.

Clemens J. Setz: Die Frequenzen. St. Pölten – Salzburg: Residenz Verlag 2009. 714 S., 24,90 €
Das kreuzer-Buch des Monats

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