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»Buena Vista über Sydneys Bondi Beach«

Mit dem kreuzer auf die sieben Weltmeere – Der neue Blog auf kreuzer online (Teil 13)

Unsere »kreuzer-Auslandskorrespondentin« Ele Jansen hat sich auf große Fahrt begeben und berichtet in einem exklusiven Reise-Blog über ihre Erlebnisse vor Ort. Ihr aktueller Aufenthaltsort ist Sydney, eine der »World’s Most livable Cities«.

Unsere »kreuzer-Auslandskorrespondentin« Ele Jansen hat sich auf große Fahrt begeben und berichtet in einem exklusiven Reise-Blog über ihre Erlebnisse vor Ort. Ihr aktueller Aufenthaltsort ist Sydney, eine der »World’s Most livable Cities«.

Teil 13: »Buena Vista über Sydneys Bondi Beach«

Nach meinem enorm günstigen, aber dafür übernächtigenden Flug komme ich müde in Sydney an. Ich nehme den Zug vom Flughafen in Botany Bay zum Circular Quay, wo ich mich mit meiner langjährigen Freundin Anja verabredet habe. Als ich die Treppen der Bahnstation hinabsteige, begrüßen mich die Wahrzeichen der Stadt: Das Opernhaus und die Harbour Bridge. Am Ausgang entdecke ich Anja, wie sie lachend auf und ab springt. Sie lebt hier für ein knappes Jahr, und ich werde für eine Weile bei ihr einziehen.

Wir nehmen den Bus nach Buena Vista, unserem Haus am Bondi Beach. Es liegt 500 Meter vom Meer entfernt auf einem Hügel. Unser Zimmer hat ein großes Fenster nach Südosten mit Blick auf die Bucht und den weiten Horizont. Das Gebäude ist alt, und in den sechs Apartments wohnen ungefähr 20 Leute. So genau kann man das nie sagen, weil zu jeder Zeit Gäste in allen Wohnzimmern hausen. Zu unserem Apartment im dritten Stock gehört die riesige Dachterrasse, die allerdings fast alle Hausbewohner nutzen. Der Regen hat sich inzwischen verzogen, und die Sonne zeigt sich, als wir uns gegen Abend zum ersten von vielen Gläsern Wein auf dem Dach niederlassen. Schon jetzt wird Sydney seinem Ruf als eine der lebenswertesten Städte der Welt gerecht.

Sydney ist im Grunde wie viele Großstädte, aber gleichzeitig viel entspannter als Metropolen wie New York oder Tokio. Auf einen Quadratkilometer leben 2.200 Menschen – im Vergleich zu 10.500 in New York, und 13.650 in Tokio. Die knapp vier Millionen Einwohner siedeln zwischen der zerklüfteten Küste im Osten und den Blue Mountains im Westen. Das Zentrum mit den Hochhäusern ist im typischen kolonialen Schachbrett aufgebaut. Gläserne Büropaläste thronen über historischen Kolonialgebäuden, und durch die Straßenfluchten kann man immer wieder das Wasser blitzen sehen. Mitten im Zentrum gibt es einen botanischen Garten, in dem tausende riesiger Fledermäuse ihr Refugium haben. Diese Nähe zur Natur finde ich in Sydney fast überall.

Meine ersten Tage verbringe ich fast ausschließlich an der Stadtküste, entweder in Bondi, Tamarama oder Bronté. Abends geht es dann zum Tanzen ins Saniah, wo die lokale Breakdance-Szene zu Funk und Hip-Hop abgeht, oder wir hören Jazzkonzerte in einem halboffiziellen Hinterhof-Club, zu dem jeder seine eigenen Getränke mitbringt. »Bring Your Own« (BYO) ist eine urtypische australische Einrichtung: Die Läden, die keine Lizenz für Alkoholausschank haben, stellen ihren Gästen frei, ihre eigenen Getränke mitzubringen und erheben lediglich eine »Corkage«-Gebühr fürs Öffnen und die Gläser. Der Laden erinnert mich stark an Leipzig, vielleicht an das Horns Erben, nur nicht ganz so retro-stylisch.

Wenn wir im Zentrum ausgehen, nehmen wir meistens den Bus nach Hause und erleben immer wieder, wie entspannt Busfahrer in Sydney sein können. An einem meiner ersten Abende war die Ticketmaschine kaputt, und der Busfahrer begrüßte uns einfach mit: »Ladies, it’s a free ride today!« Das Gleiche bekommt ganz Sydney zu hören, wenn die Busfahrer streiken. Kurioserweise arbeiten die dann nämlich weiter, aber nehmen kein Geld von den Fahrgästen. Man will ja nicht die Kundschaft bestreiken, sondern seinen Arbeitgeber finanziell unter Druck setzen, so die australische Logik.

Da die Nächte hier – trotz des Winters – so lau und unterhaltsam sind, habe ich es bisher noch nicht geschafft, einen Sonnenaufgang zu sehen. Obwohl ich nur aus unserem Panoramafenster blicken müsste. Manchmal schaffe ich es, ein Auge zu öffnen und aus dem Fenster zu spähen. Ich sehe den Strand, die Felsen, das Meer und den Horizont mit ein paar Wolken, hinter denen die Sonne bereits den Himmel einfärbt. Natürlich schlafe ich gleich im nächsten Moment wieder ein und träume den Sonnenaufgang zu Ende. Als ich ein paar Stunden später aufstehe und wieder aus dem Fenster blicke, entschädigen mich dafür ein Delphinschwarm und die Fontäne eines Wals. Bei letzterem bin ich mir allerdings nicht so sicher. Das war vielleicht doch eher Wunschdenken. Die Walwanderung vor der Küste Sydneys beginnt ja gerade erst.

Der typische Morgen in Bondi beginnt mit einem Sprung ins Meer. In der Brandung sitzen Surfer auf ihren Brettern wie Seehunde auf Eisschollen und warten auf ein paar gute Wellen, bevor es zur Arbeit geht. Die Cafés brühen ab 5:30 Uhr die ersten Cappuccinos, um dutzende Jogger, Skater, Hundegassigänger und Bodybuilder zu bedienen. Die Dichte an durchtrainierten Menschen ist hier so enorm hoch, dass ich mich erst in den Abendstunden auf den »Laufsteg« traue. Ich berste fast vor Vergnügen, als sich mein Blick der Weite des Meeres hingibt. Der Mond spiegelt sich darauf, und die Brandung schlägt an die Felsen am Ende der Bucht. Nachdem ich meine zehn Kilometer absolviert habe, springe ich ins Wasser – wieder mal missachtend, dass in der Dämmerung die Haie kommen. Bondi ist – sofern man die Haie nicht scheut – ganzjährig zum Baden geeignet, da die Temperaturen selbst im Winter selten unter 12-15 Grad sinken. Gleichzeitig fällt in den nah gelegenen Bergen so viel Schnee, dass es möglich ist, binnen eines Wochenendes im Meer zu schwimmen und in Jindabyne zu snowboarden. Außerdem sind die Capuccinos hier fast so gut wie in Italien. Warum sollte man jemals woanders leben wollen?

Nun, da ich meine Heimat liebe, suche ich nach Antworten auf diese Frage. Muss aber nach einigen Minuten feststellen, dass alle Argumente hinsichtlich Geschichte, Kultur und Rassismus im Schubladendenken münden, und der einzige Grund, nicht in Bondi leben zu wollen, woanders als in Bondi zu finden ist. Und zwar in einem selbst: In der Einstellung zu seiner eigenen Herkunft, seinem Kreis in der Heimat und dem damit verbundenen Wertesystem. Für Auswanderwillige ist Australien auf jeden Fall eines der favorisierten Länder. Das merkt man auch unschwer an den zahlreichen Deutschen, denen ich in Sydney über den Weg laufe. Diesen Zustrom an Einwanderern hat die australische Regierung jahrelang begrüßt, ihm angesichts der anhaltenden Rezession nun aber einen Riegel vorgeschoben. Dementsprechend wurden viele Visaprogramme und Arbeitsgenehmigungen vorerst auf Eis gelegt. Das hat bei nicht wenigen Expats in Bondi eine leichte Nervosität aufkommen lassen. Viele Australier beweisen bei dem Thema allerdings ihre typische Heiterkeit: Lokale Kneipen, Supermärkte und andere Services erklären ihre Sonderangebote zum »Recession Buster«, um ihre Kundschaft zum Konsum zu motivieren.

In der ersten Woche habe ich also erst einmal Eindrücke der australischen Großstadt gesammelt. Meine Erfahrungen auf Tasmanien für den nächsten Artikel könnten kaum gegensätzlicher dazu sein. Ele Jansen

Bildergalerie zu dieser Folge hier.
Karte mit Routenverlauf und Etappenbeschreibungen hier.

Kommentare, Fragen, Lob oder Kritik an die Autorin Ele Jansen? eja@kreuzer-leipzig.de
In der nächsten Folge: »We shoot 'em and we leave 'em«
Teil 12 »Vulkane und Katzenkackekaffee«
Teil 10 »My Home Is My Temple«
Teil 8 »Mystery-Box Borneo«
Teil 6 »329.758 km² Vielfalt«
Teil 4 »Das Land des Lächelns?«
Teil 2 »Getting there«
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