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Die Kinderbuch-Ecke

Jeden Monat stellt die kreuzer-Kinderredaktion neue oder neu aufgelegte Bücher für große und kleine Leser vor. In diesem Monat mit: »Bobo Siebenschläfer wird nicht müde«, »Paradies und Löwengrube« und »Rede des Bären«

Jeden Monat stellt die kreuzer-Kinderredaktion neue oder neu aufgelegte Bücher für große und kleine Leser vor. In diesem Monat mit: »Bobo Siebenschläfer wird nicht müde«, »Paradies und Löwengrube« und »Rede des Bären«.


Markus Osterwalder: Bobo Siebenschläfer wird nicht müde«

Hörspaß für die Allerjüngsten

Und wieder ist ein Buchklassiker als Hörbuch auf Compact-Disc erschienen! Entsprechend seinem Titel startet »Bobo Siebenschläfer wird nicht müde« schwungvoll mit fröhlich kindlichem Gesang, und stimmt so seine kleinen Zuhörer auf das ein, was folgt – auf Bobo, den Siebenschläfer und seine sieben Geschichten um das Nicht-Müde-Sein. Das Hörbuch berichtet von kleinen Alltagsabenteuern, an deren Ende Bobo immer wieder ganz zufrieden einschläft. In einfacher, klarer Sprache und kurzen Sätzen, sparsam unterlegt mit leicht zu verstehenden Hintergrundgeräuschen, vermitteln die Geschichten die Leichtigkeit des Lebens – aus der Kinder-Perspektive selbstverständlich. Eine verschlossene Flurtür sorgt für Aufregung, Bobo erlebt einen Nachmittag mit Opa, und er muss sich beim Röntgenarzt untersuchen lassen. Der kleine Siebenschläfer spielt mit großen Kartons im Garten, kuschelt und tobt mit seinen Eltern durch den Morgen – alles Erlebnisse, in denen sich die Zuhörer wiederfinden können. Sprecherin Katrin Gerken erzählt klar und mitfühlend. Markus Osterwalder, der Erfinder von »Bobo Siebenschläfer« schrieb das Bilderbuch vor 20 Jahren in enger Zusammenarbeit mit seiner damals zweieinhalb Jahre alten Tochter. Die Geschichten richten sich dabei an die allerjüngste Zielgruppe der Medienkonsumenten, an Kinder ab zwei Jahre. In der Hörbuchvariante gewagt, wie ich finde, denn das vorausgesetzte Wort-Verständnis fehlt bei vielen Kindern dieses Alters noch. Yvonne Strankmüller

→ »Bobo Siebenschläfer wird nicht müde«, Geschichten für ganz Kleine mit Klang-Erlebnissen und Musik, Markus Osterwalder, Gesamtspielzeit 41:46 min, 10.95 €, ab 2 J.


Monika Osberghaus: »Paradies und Löwengrube – Geschichten von Gott und der Welt«

Packend wie ein Krimi

»Bitte nicht schon wieder ein neues Kinderbibelbuch«, denkt man zunächst. Doch beim Lesen der ersten Seiten wird schnell klar, dass sich »Paradies und Löwengrube – Geschichten von Gott und der Welt« von Monika Osberghaus eben nicht einreiht in die Masse jener Bibelbücher, die derzeit im Überfluss auf dem Kinderbuchmarkt vertreten sind. In lebendiger, mitreißender Sprache erzählt die offensichtlich bibelfeste Autorin die packendsten und spannendensten Geschichten aus dem alten Testament. Sie verfällt auch bei den schlimmsten und blutrünstigsten Dramen nicht in Sprachlosigkeit: Rache, Brudermord, Verteibung und Sintflut – nichts wird ausgeklammert oder schön geschrieben. Wie ein Krimi liest es sich, wenn Gott den Ägyptern zehn furchtbare Plagen schickt, bevor der Pharao die Israeliter in ihre Heimat ziehen lässt. Wasser wird da zu Blut, aus den Sümpfen kommen tausende von Fröschen gekrochen, Sandkörner verwandeln sich in Stechfliegen, Tiere sterben qualvoll und die Menschen bekommen einen ekligen Hautausschlag. Es ist tagelang stockfinster, die Felder werden von einer riesigen Heuschreckenplage befallen, und riesige Hagelkörner krachen aufs Land, bis der Pharao endlich in die Knie geht und Moses und seinem Volk die Ausreise erlaubt. Manchmal wirkt Osbergshaus Stil in der Bemühung um Alltagssprache ein wenig zu salopp, etwa wenn Kain denkt: »Typisch Gott, auf mir hackt er jetzt wieder rum!« und die Schlange zu Eva sagt: »Das ist doch Quatsch!« oder Josef mal »richtig Ärger kriegt«. Das Buch wäre auch ohne diese kleinen Schnoddrigkeiten ein lesenswertes und aktuelles Buch geworden, das nicht nur Bibelfreunde anspricht. Miriam Schultze

→ »Paradies und Löwengrube – Geschichten von Gott und der Welt«, Monika Osberghaus, mit Illustrationen von Katja Zwirnmann, Klett Kinderbuch, ab 7 J. und zum Vorlesen, 12,90 €


Julio Cortázar und Emilio Urberuaga: »Rede des Bären«

Poesie zum Anschauen

Jeder kennt diese Geräusche im Haus: ein Knacken im Fußboden, ein Geraschel in der Wand, ein Blubbern, das aus dem Bad kommt, obwohl niemand darin ist. Für Kinder sind dafür meist Monster, Kobolde oder Vampire verantwortlich. Julio Cortázar hat eine kleine Geschichte über jene unerklärliche Geräusche geschrieben. Der argentinische Schriftsteller, der 1984 verstarb, hat die »Rede des Bären« bereits 1962 veröffentlicht, doch nun hat sie Emilio Urberuaga neu bebildert. Das Buch erzählt die Geschichte von einem Bären, der in den Rohren eines Hauses wohnt. Er putzt sie mit seinem Fell, er brummt und tapst und prustet. Es ist eine surreale Geschichte über Dinge, für die man ohnehin keine Erklärung hat. Cortázar benutzt dabei eine so poetische Sprache, dass man selbst darüber nur Seufzen kann: »Am Morgen, wenn sie (die Bewohner) sich das Gesicht waschen, liebkose ich ihre Wangen, lecke ihnen die Nase und gehe in der leisen Gewissheit fort, etwas Gutes getan zu haben.« Urberuaga illustriert diese Poesie, wo mehr zwischen als in den Zeilen steht, mit Bildern die genug Raum für das Fantastische lassen. Es sind einfache Zeichnungen, bunt, aber nicht grell, auf denen man nur das Wesentliche erkennt, während man den Hintergrund mit seinen eigenen Vorstellungen erweitern kann. Pia Volk

→ »Rede des Bären«, Julio Cortázar und Emilio Urberuaga, übersetzt von Wolfgang Promies, Bajazzo Verlag, 32 S., ab 5 J., 14,90 €


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