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Die Kinderbuch-Ecke

Jeden Monat stellt die kreuzer-Kinderredaktion neue oder neu aufgelegte Bücher für große und kleine Leser vor. In diesem Monat mit: »Lienekes Hefte«, »Daisy ist ein Gänseblümchen« und »Nachgefragt: Menschenrechte und Demokratie. Basiswissen zum Mitreden.«

Jeden Monat stellt die kreuzer-Kinderredaktion neue oder neu aufgelegte Bücher für große und kleine Leser vor. In diesem Monat mit: »Lienekes Hefte«, »Daisy ist ein Gänseblümchen« und »Nachgefragt: Menschenrechte und Demokratie. Basiswissen zum Mitreden.«


Jacob van der Hoeden: »Lienekes Hefte«

Gut gegen das Alleinsein

Die Judenverfolgung während des zweiten Weltkriegs wird immer wieder in der Literatur thematisiert, so auch im Kinder- und Jugendbuchbereich. Die Vermittlung der Ereignisse von damals an die jungen Leser steht im Vordergrund und ist gleichzeitig von hoher pädagogischer Relevanz. Mit »Lienekes Heften« von Jaboby & Stuart liegt nun ein etwas anderes Buch vor – anders deshalb, weil es gestalterisch abweicht von der normalen gebundenen Buchform (es sind zehn Hefte in einem kleinen Pappschuber) und, weil es sich mit seiner Ansprache an kleine Kinder wendet. Das jüdische Mädchen Lieneke ist sechs Jahre alt, als die Nazis die Niederlande besetzen. Eine Zeit des Versteckenmüssens beginnt für sie und ihre Familie. Das Mädchen richtet sich immer wieder neu ein – ohne aufzufallen, ohne Gefühle nach außen zu zeigen. Sie lässt die schwerkranke Mutter zurück und spürt ganz deutlich die Veränderungen, die bevor stehen: »…und als ich meine Mutter umarmte, fühlte ich, dass unser Leben auseinanderfiel wie ein Puzzle, das man mit der Hand vom Tische fegte«. Lieneke vermisst die Familie, ist traurig und fühlt sich allein. Doch eines Tages trifft ein Brief ihres Vaters ein, ein Brief in Form eines kleinen Heftchens, liebevoll von ihm illustriert mit einfachen, aufmunternden Alltags-Beschreibungen. Insgesamt neun Briefe gegen das Alleinsein hat der Tierarzt Jacob van der Hoeden seiner Tochter bis zum Ende des Krieges heimlich zukommen lassen. Agnès Desarthe hat die Heftchen im Kindermuseum Yad LaYeled in Israel entdeckt, und erzählt in einem zehnten Heft die Geschichte der kleinen Lieneke – mit einfachen Worten, kurzen verständlichen Sätzen, altersgerecht und berührend. Jacob van der Hoeden und seine Kinder überleben und emigrieren nach Ende des Krieges nach Israel, wo Lieneke noch heute lebt. Yvonne Strankmüller

→ »Lienekes Hefte«, Jacob van der Hoeden, aus dem Niederländischen von Edmund Jacoby, Jacoby & Stuart, 10 Hefte im Schmuckschuber, 19,95 €, ab 7 J.


Linda Wolfsgruber: »Daisy ist ein Gänseblümchen«

Ein Gänseblümchen unter Kinderbüchern

So bescheiden ein Gänseblümchen auf den Wiesen des Erdenrundes anmutet, so sehr verzaubert es die (nur) Wenigen, die über dessen beiläufige Wahrnehmung hinaus des innigen Betrachtens fähig sind. Ähnlich wird es den Kindern mit Linda Wolfsgrubers neu erschienenem Buch »Daisy ist ein Gänseblümchen« gehen. Der vielversprechende Titel kündigt nicht die Geschichte eines Gänseblümchens oder die von Daisy an. Vielmehr liegt der Tenor in der Heranführung an außergewöhnliche, an Blumen angelehnte Namen. So erfahren Lesemäuse nicht nur von Daisy, dem Gänseblümchen, sondern auch von Gül, dem türkischen Mädchennamen, der Rose bedeutet. Mit viel Liebe und einem erstaunlichen Maß an Kreativität setzt die Autorin den minimalistischen Informationen zauberhaft verwirrende Abbildungen hinzu. So ist auf der Seite von Gül, der Rose, keine solche zu erwarten, sondern eine abstrakte Kreation einer (keineswegs von unten wachsenden) Blume, deren geschlossene Blüte ein Mädchen schlafend bettet. Obgleich Linda Wolfsgruber ihrer Illustrationen wegen vor allem in Österreich hoch gehandelt und mit Preisen überhäuft wird, komme ich nicht umhin, an dieser Stelle zu bezweifeln, dass sich Kinder zu Hauf für das neue Werk interessieren werden. Vielmehr greifen die feenhaften, Kinderseelen wohl noch fremd anmutenden Illustrationen die Strategie des Gänseblümchens auf: Kinder, die einen Hang zu Kreativität, freiem Denken, Kunst und Design entdecken lassen, werden dieses Buch zu ihrer stillen Inspiration erklären. Die jedoch, die Greifbares und kindgerechte Zusammenhänge brauchen, stehen am Ende des Buches wohl vor Fragen, bei denen auch die Erwachsenen nur schwer zu greifende Antworten finden dürften. Alexandra Erhardt

→ »Daisy ist ein Gänseblümchen«, Linda Wolfsgruber, Jungbrunnen Verlag, 32 S., 13,90 €, ab 5 J.


Christine Schulz-Reiss: »Nachgefragt: Menschenrechte und Demokratie. Basiswissen zum Mitreden.«

Zum Schmökern, Nachdenken und Mitreden

Jeder Mensch hat ein Recht auf ein freies, sicheres und glückliches Leben – das nennt man Menschenrechte. Aber die Medien zeigen uns oft eine ganz andere Realität: Menschen sind arm und in Not, sind auf der Flucht vor Krieg und Misshandlung, Kinder müssen hungern, leben auf der Straße und bekommen keine Schulbildung. Manche Kinder müssen schon schwerste Arbeiten verrichten oder werden als Soldaten in den Krieg geschickt. Wie verhält es sich also mit den Menschenrechten? Wer sorgt denn eigentlich dafür, dass sie eingehalten werden? Warum werden sie nicht überall auf der Welt geachtet und wieso geht es manchen Menschen schlechter als anderen? Hängen Menschenrechte vielleicht auch mit unserer Staatsform, der Demokratie zusammen? Diesen Fragen geht die Journalistin Christine Schulz-Reiss in ihrem Kinder- und Jugendbuch »Menschenrechte und Demokratie – Basiswissen zum Mitreden« auf den Grund. Dabei erläutert sie anhand einer Fülle von praktischen Beispielen in anschaulicher und kindgerechter Sprache, wie Menschen überhaupt auf die Idee kamen, eine Erklärung zu Menschenrechten zu verfassen, und wie es zur »Entdeckung« der Demokratie kam. Das Thema wird von der Autorin in vielen kleinen Kapiteln rundherum beleuchtet und gewinnt dadurch zunehmend an Spannung, nicht nur für Jugendliche und ältere Kinder: »Was ist Zivilcourage, wie kann man sie üben?« oder »Wo beginnen Fremdenhass und Diskriminierung?«. Auch berühmte Menschenrechtskämpfer und Organisationen, die sich weltweit für die Menschenrechte einsetzen, finden Erwähnung. Und nicht zuletzt verweist Christine Schulz-Reiss darauf, dass wir alle Einfluss auf die Achtung der Menschenrechte nehmen können, und wie wir uns für ein faires und menschenwürdiges Miteinander einsetzen können. Es überrascht daher nicht, dass dieses Buch von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. kürzlich zum Buch des Monats gewählt wurde. Miriam Schultze

→ »Nachgefragt: Menschenrechte und Demokratie. Basiswissen zum Mitreden.«, Christine Schulz-Reiss, Loewe-Verlag, Illustrationen von Verena Ballhaus, 141 S., ab 7 J.


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