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Gut aufgelegt!

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Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Dinosaur Jr, Flug 8 und La Roux

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Dinosaur Jr, Flug 8 und La Roux.


Dinosaur Jr. – »Farm« (Rough Trade)

Dinosaur Jr. – »Farm«

Dass Gitarrenmusik tot ist, ist natürlich nur ein Gerücht. Allerdings ist sie zumindest in ihrer reinsten Form nur noch selten zu entdecken. Stattdessen verliert sie sich in zahllosen Genrekreuzungen, Mainstream-Ödnissen oder harmlosen Indie-Nettigkeiten. Was ein paar Akkorde und ein aufgedrehter Verstärker in ihrer puristischsten Version auslösen können, scheint die jüngere Musikwelt ein wenig vergessen zu haben. So überrascht es auch kaum, dass die frischeste, weil direkteste Gitarrenplatte des Jahres von ein paar Herren kommt, die das Ganze schon weit über 20 Jahre betreiben. Sehr überraschend hingegen ist, mit welcher Energie hier nahezu 50-jährige die Gitarrenjugend an die Wand spielen. Die Drums scheppern hinten umher, während einem vorn sechs Saiten lautstark die Welt erklären und die Rockmusik der letzten zwei Dekaden ad absurdum zu führen scheinen. Dazu wieder Unmengen dieser Melodien, die man schon ewig zu kennen glaubt, einfach weil man nicht fassen kann, dass so etwas naheliegendes und gleichzeitig effektives nicht vorher da gewesen sein soll. »¬¬Farm« schafft es, gleichzeitig leidenschaftlich und cool, dringlich und entspannt zu sein, ohne jemals den roten Faden zu verlieren. Somit legen Dinosaur Jr. ein beeindruckendes Zeugnis davon ab, wie mit einfachsten Mitteln Packendes geschaffen werden kann. Und wie lebendig Gitarrenmusik noch immer sein kann. Eine Ode an ein Instrument. Mario Helbig


Flug8 – »Lösch dein Profil« (Smaul Recordings)

Flug 8 – »Lösch dein Profil«

»Lösch dein Profil« ist ein untergegangenes Album. Vielleicht war der Titel der Myspace-Generation zu fatalistisch, vielleicht kommt die Musik zu wenig auf den Punkt. Daniel Herrmann ist eigentlich Fotograf, das Cover ist ein Selbstporträt. Im Winter 2008 erschien eine erste Vinyl-EP mit dem Track »Ein bisschen Rock’n’Roll«. Schwelgerisch und still ging es darauf zu. Auf der B-Seite versteckte sich ein wunderbarer Martin »Console« Gretschmann-Remix des Stückes. Daniel Herrmann ist nicht unbedingt auf den Dancefloor aus. Er ist mehr dem Geist des Kölner House-Dramatikers Superpitcher nahe, mit dem House auf sonderliche Weise zwischen Pathos, Pop und gedrosseltem Tempo neu verortet wird – fernab von funktionalen Rave-Ansprüchen. Und so ist »Lösch dein Profil« eigentlich ein sympathisch eigenwilliges Album, mit langatmigen, schwelgerischen Synthesizer-Melodien, abseitigen Vocal-Loops und Ausflügen in düsteren Electro. Irgendwie sehr eingängig, aber in seinem Pathos teilweise auch etwas überladen und überzogen. Ignoriert werden sollte es trotzdem nicht. Jens Wollweber


La Roux – »La Roux« (Universal)

La Roux – »La Roux«

La Roux sind ein Synthiepop-Duo aus England, das die 80s zelebriert, als ob sie Gegenwart wären: Leuchtreklamen wie aus »Miami Vice«, Plattencover, die nach Airbrush-Revival aussehen, und Klamotten, die in den Augen wehtun. Sie produzieren knallige Synthierhythmen, die auch aus dem Atari stammen könnten. In der Juli-Ausgabe des NME wurde das Duo, bestehend aus Elly Jackson als Sängerin und Synthesizer-Playerin und Produzent Ben Langmaid, als Newcomer des Jahres vorgestellt. »Die Zeit der austauschbaren The-Gitarren-Indie-Bands neigt sich ihrem Ende zu, es wird Zeit, dass wir wieder tanzen wie Roboter!«, ist man geneigt zu rufen. Sie sind unterkühlt, minimalistisch, technoid – so, wie die ersten Partys in den Kellerlöchern klangen, als es noch einen echten Underground gab, der nicht am nächsten Tag von einer Online-Gemeinde gestürmt wurde. Ja, ich will mich diesem anonymen Maschinensound hingeben. Aber mein Gott, die 1980er und Romantik – Panflöten-Klänge aus dem Synthie! Liebesgesäusel in der Tonlage eines Eunuchen mit Musik unterlegt, die an die ersten Handyklingelmelodien erinnern. Das ist dann doch tatsächlich was, wo die Indieband einen aus Empathie zum Heulen bringt, nicht wie La Roux vor Fremdscham. Pia Volk


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