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Liebestrank und dunkler Zauber

Heute kommt der neue Harry Potter-Film in die Kinos

Endlich Witz, endlich Charme, endlich wieder überzeugende Darsteller – aber keine Handlung. »Harry Potter und der Halbblutprinz«, der heute in den Kinos startet, ist der seit Langem beste Film der Reihe. Er ist allerdings wieder ein Film, der nur für Fans gemacht scheint.

Endlich Witz, endlich Charme, endlich wieder überzeugende Darsteller – aber keine Handlung. »Harry Potter und der Halbblutprinz«, der heute in den Kinos startet, ist der seit Langem beste Film der Reihe. Er ist allerdings wieder ein Film, der nur für Fans gemacht scheint.

Kennen Sie den Halbblutprinzen? Nein? Dann sind Sie sicher ein Muggel, ein nichtmagischer Mensch. Severus Snape heißt der Halbblutprinz in Joanne K. Rowlings weltberühmter Zauberreihe. Vater Muggel, Mutter Hexe, ihr Mädchenname Prince. Im letzten Höhepunkt von »Harry Potter und der Halbblutprinz« tötet Snape den Schulleiter der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei, Albus Dumbledore, mit dem unverzeihlichen Fluch Avada Kedavra. Man darf das alles schon verraten, denn die Verfilmung des sechsten Potterbandes ist wieder eine Verfilmung nur für Fans. Es ist beinahe diskriminierend, wie Regisseur David Yates sich dagegen verwehrt, die Protagonisten einzuführen, die magische Welt zu erklären oder die Handlung der vorangehenden fünf Teile zu umreißen. Was schade für all jene ist, die die Bücher nicht kennen.

Großartiger Lehrer für Zaubertränke: Jim Broadbent als Horace Slughorn (© 2009 Warner Bros. Ent.)

Der »Halbblutprinz« ist dennoch die beste Verfilmung aus der Reihe seit dem zweiten Teil »Die Kammer des Schreckens« von 2002. Es gibt Gänsehautmomente, komische Momente, es gibt sogar so etwas wie Charme, und – das wichtigste überhaupt – es gibt endlich wieder überzeugende Darsteller. Gleich zu Beginn wird Horace Slughorn vorgestellt. Der pensionierte Lehrer für Zaubertränke kehrt nach Hogwarts zurück. Dort will man ihm ein dunkles Geheimnis entlocken. Der britische Schauspieler Jim Broadbent hat den jovialen Slughorn als etwas tapsigen, immer leicht beschwipsten Bonvivant angelegt, der im Inneren schwer an einer Schuld aus der Vergangenheit trägt. Es ist die beste schauspielerische Leistung in einem Potterfilm, seit der großartige Kenneth Branagh im zweiten Teil den eitlen Pfau Gilderoy Lockhart gegeben hat.

Nicht mehr altkluge Streberin, sondern unglücklich Verliebte: Emma Watson als Hermine Granger (© 2009 Warner Bros. Ent.)

Die Darsteller von Harry, Ron und Hermine zeigen diesmal endlich wieder mehr Licht als Schatten. Daniel Radcliffe gibt den Titelhelden Potter, einen Jungen ohne Eigenschaften, stellenweise sehr überzeugend. Es ist verblüffend, mitanzusehen, wie Radcliffe – etwa wenn Harry unter dem Einfluss des Glückstranks Felix Felicis wie auf Drogen agiert – seit dem letzten Film an Klasse gewonnen hat. Rupert Grint spielt wie immer Harrys Kumpel Ron Weasley, die treue und dumme Haut, die sich diesmal als Quidditch-Torhüter versuchen darf und dabei mit mehr Glück als Verstand eine wirklich komische Figur abgibt. Emma Watson ist Hermine Granger, die mal nicht als altkluge Streberin nervt, sondern als unglücklich Verliebte wirklich bezaubernd ist. Eine krasse Fehlbesetzung bleibt Michael Gambon als Dumbledore, der nichts von der Weisheit, Erhabenheit und Gelassenheit der Romanfigur auf die Leinwand bringt.

Wie immer treu, etwas dümmlich und komisch: Rupert Grint als Harrys Kumpel Ron Weasley (© 2009 Warner Bros. Ent.)

Was dem Film leider völlig abgeht, ist so etwas wie eine Handlung – was aber durchaus auch der literarischen Vorlage geschuldet ist. Für die Autorin Rowling war der Halbblutprinz lediglich das Bindeglied zwischen Voldemorts Rückkehr an die Macht im fünften und seiner Vernichtung im siebten und letzten Teil der Reihe. Das spürt man noch deutlicher im Film, der einfach keinen Plot entwickeln mag. Es ist ein konstantes Hin und Her zwischen fröhlichen und düsteren Szenen, zwischen Romanze und Gewalt, Kitsch und schwarzer Magie. Harry wird warm von den Weasleys empfangen. Schnitt. Die Todesser verschwören sich gegen Dumbledore. Ein Mädchen wird von einem Halsband verflucht. Schnitt. Alle amüsieren sich auf Slughorns Party. Dumbledore fällt tot vom Astronomieturm. Schnitt. Harry freut sich, dass Ron seine Liebe zu dessen Schwester akzeptiert.

Dennoch: Zwei Jahre nach »Harry Potter und der Orden des Phönix« ist der »Halbblutprinz« eine unerwartete Rückkehr zu Form. Knapp zweieinhalb Stunden, die wie im Fluge vergehen. Knapp eineinhalb Jahre werden vergehen, bevor der nächste Film in die Kinos kommt. Zeit genug, die Bücher zu lesen.Thomas Reinhold

Harry Potter und der Halbblutprinz – Kinostart am 16.7.2009

Alle Anfangszeiten unter http://www.kreuzer-leipzig.de/film
Film

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