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Gut aufgelegt!

Die Musik-Rubrik

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Porn Sword Tobacco, El nuevo grupo de Omar Rodriguez-Lopez und Billy Talent

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Porn Sword Tobacco, El nuevo grupo de Omar Rodriguez-Lopez und Billy Talent.


Porn Sword Tobacco »Everything Is Music To The Ear« (City Centre Offices)

Porn Sword Tobacco »Everything Is Music To The Ear«

Das Berliner Label ist ein Garant für friedliche, glückliche Musik. Und der Schwede Henrik Jonsson alias Porn Sword Tobacco passt perfekt da rein. Sein mittlerweile viertes Album trägt einen Titel, der den Field Recordings-Ansatz in sich trägt: Geräusche aus der Umwelt können ebenso atmosphärische oder rhythmische Momente erzeugen, wie Instrumente oder Drumcomputer. Die Feldaufnahmen kommen bei Porn Sword Tobacco jedoch nur sehr verhalten vor, eingebettet in traumwandlerische, ja teilweise naive Piano- und Streicher-Melodien. Ein Album ohne Action und Dissonanz. An vielen Stellen reicht es sogar ins Meditative. Bis auf einige futuristische Synthesizerklänge dominiert der sanftmütige Wohlklang. Toll wird es dann, wenn man das Rauschen der alten Instrumente hören kann oder wenn die Feldaufnahmen mit dem Klang der Instrumente verschmelzen. Für Jonsson selbst soll mit dieser Musik etwas Nostalgisches entstehen. Eigentlich perfekt für die Vertonung von Super-8-Filmen. Jens Wollweber


El nuevo grupo de Omar Rodriguez-Lopez – »Cryptomnesia« (Rodriguez-Lopez Productions Europe / Cargo)

El nuevo grupo de Omar Rodriguez-Lopez – »Cryptomnesia«

Fünf »Mars Volta«- und weitere zehn (!) Soloalben: Was bei anderen die gesamte Diskographie sprengen würde, ist bei Omar Rodriguez-Lopez gerade mal die Ausbeute der letzten sechs Jahre. Und trotz dieser Hochfrequenz an Veröffentlichungen nun ein weiteres Projekt. Zusammen mit der Rhythmusfraktion der Math-Noise-Psychiatrie »Hella« und zwei »Mars Volta«-Mitstreitern jetzt also »El nuevo grupo de Omar Rodriguez-Lopez«. Jene Formation präsentiert sich zwar deutlich kompakter (ein einziger Song über fünf Minuten) als die meisten anderen Projekte, keinesfalls aber unkomplizierter. So wird es für den ungeübten Hörer wohl klingen, als vollführten hier fünf Leute komplexeste Instrumentenanstrengungen, ohne ansatzweise das Kollektiv zu beachten. Der Schlagzeuger, mehr Mathematiker als Musiker, fiel schon bei seinem Hauptprojekt als unzurechnungsfähig auf, die Gitarren wüsten schizophren durchs Klangfegefeuer und immer wieder komplettieren/zerstören elektronische Spielereien und Sprachsamples die Songs. Wenn man diese hektischen Koffeinpartituren so nennen kann. Besonders ab dem Mittelteil wird es immer wahnwitziger: Free-Jazz wird von Drum’n’Bass verprügelt, Melodienandeutungen vom Chaos einfach mitgenommen. Das alles ohne Punkt, Komma oder gar Leerzeichen. Ein vertonter Speed-Trip. »Crystal math« sozusagen. Nach der begeisterten Überforderung zu Anfang erschließt sich mit jedem Hören aber dann doch irgendwann das große Ganze. Man erkennt so etwas wie Strukturen, die den Wahnsinn zusammenhalten. Und erkennt, dass dieses Album nicht nur durch seine Unfassbarkeit, sondern auch durch seine kompositorischen Qualitäten zu begeistern weiß. Man darf sich vorher nur nicht verrückt machen lassen. »I won’t get tourette’s if you don’t get tourette’s« Mario Helbig


Billy Talent – »Billy Talent III« (Wmi / Warner)

Billy Talent – »Billy Talent III«

Wer auf der neuen Billy Talent-Platte den brachial-aggressiven Sound sucht mit Refrains, die man gerne mal den Idioten dieser Welt ins Gesicht schreien würde, der wird enttäuscht sein. Auf ihrem dritten Album präsentieren sich die vier Jungs aus Toronto rockiger als auf den Vorgängeralben, und erinnern ein wenig an die Grunge-Bewegung der 1990er. Vielleicht liegt das an ihrem neuen Produzenten Brian O’Brien, der auch an einigen Alben von Pearl Jam, Rage Against the Machine und der Stone Temple Pilots mitgearbeitet hat. Billy Talent lassen Punk und Wut vermissen. An Kraft hingegen haben sie nicht verloren, aber alles ist etwas emotionaler geworden. Sänger Ben Kowalewicz schafft es gar, einige Zeilen zu singen, anstatt den Schreihals zu mimen. Deshalb ist das neue Album – wie die Vorgänger ganz simpel als Billy Talent III betitelt – etwas gewöhnungsbedürftig. Dort, wo man wilde Brüllerei erwartet, wo auf der Bühne auch immer ein bisschen Spucke mitgeflogen ist, nimmt sich die Band nun zurück, lässt die Melodien den Lead übernehmen. Die sind aber wunderschön wie eh und je. Pia Volk


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