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Wenn Echtzeit zu echt wird

Donis TV – Die Medienkolumne

Auf seiner MySpace-Seite verkündet Donis, dass sich das Internet niemals durchsetzen werde. Ganz diesem Paradoxon folgend, veröffentlichen wir nun auch online seine kreuzer-Printkolumne, in der sich der bekennende TV-Junkie allmonatlich seiner Lieblingsdroge widmet. In diesem Monat geht es um Serien

Auf seiner MySpace-Seite verkündet Donis, dass sich das Internet niemals durchsetzen werde. Ganz diesem Paradoxon folgend, veröffentlichen wir nun auch online seine kreuzer-Printkolumne, in der sich der bekennende TV-Junkie allmonatlich seiner Lieblingsdroge widmet. In diesem Monat geht es um Serien.


Der bewusste TV-Content-Digger von heute klammert sich nicht etwa ans Handy, um die Geschlechtskrankheit mit »O« zu lösen oder Guido Knopps neuer Aufarbeitung »Hitlers Taschentücher« zu folgen. Nein. Der Bildschirm-Gourmet unserer Latte-Macchiato-Faktor-(laut Prinz die Mischung aus Hipness und Gemütlichkeit)-Tage schaut mit aller Inbrunst Serien.

Wir reden dabei nicht von den Sich-einen-Kaffee-kommen-lassen-und-dann-Spazierengehern aus hiesigen Daily-Soap-Klärbecken, sondern von US-generierten Importen zwischen »Spaß gehabt im Hospital«, »Welchen Anzug trage ich heute beim Ermitteln?« und »Amour fou in der Anwaltskanzlei«. Diese Serials tragen natürlich andere Titel … und sie nehmen zu wie das Nichts in »Die unendliche Geschichte«.

So warte ich schon ungeduldig auf erste Staffeln von bspw. »O.C. Utah«, »CSI: Sacramento« oder »Salt Lake City Legal«. Ganz zu schweigen vom Mystery-Ausbund »Lost«, dessen elementarste Aufgabe zu sein scheint, Politprofi-gleich mit extremem Brimborium am Ende jeder Staffel wieder einmal rein gar keine Information an den Konsumenten weitergereicht zu haben.

Einzig und allein Jack Bauer rettete nun auch in Staffel 7 vom Echtzeit-Folterstuhl-Marathon »24« ohne Federlesen die Welt. Dabei erscheint der Überhang in die Realität frappierend. In Staffel 3 und 4 agierte mit David Palmer ein vernunftbegabter US-Präsident mit afrikanischen Wurzeln, und nun gibt es ihn, mit anderem Namen, wirklich. Aktuell wird in »24« u. a. das Weiße Haus gestürmt und die Präsidentin (!) als Geisel genommen (siehe Honduras) und eine US-Privatarmee plant eine Verschwörung im eigenen Land (siehe Verschwörungstheorien der Familie Jackson zum »Mord« an Jacko).

Wenn das Schule macht, werden wir bald nur noch von liebeskranken, sexy Ärztinnen verkunstfehlert oder schon zu Lebzeiten zu Tode verforensikt. Und wenn Frauen wirklich so werden wie in »Sex And The City« dargestellt, kann man sich als Mann sowieso das Leben nehmen. »Grey’s Anatomy« wartet dann schon auf uns.


Medien| aus dem kreuzer-Heft 08.09

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