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Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Horse Meat Disco, den Arctic Monkeys und Múm

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Horse Meat Disco, den Arctic Monkeys und Múm.


Horse Meat Disco – »s/t« (Strut Records)

Horse Meat Disco – »s/t«

Ja, Disco ist nicht tot zu kriegen. Das läuft immer, seit ein paar Jahren jedoch wieder mit mehr Euphorie. Gerade die Italo-Disco ist lauter denn je. Horse Meat Disco, das DJ-Team um James Hillard und Jam Stanton ist breiter aufgestellt. Funk, afrikanische und elektronische Einflüsse, New Yorker Club-Schweiß, alles kommt in ihrem 70-Minuten-Mix zusammen. Wer Fan ist, wird seine Freude haben. Für die nächste WG-Party wird es sicherlich auch passen, auch wenn hier keinerlei Disco-Mainstream bedient wird. Aber genau das macht den Mix und die Compilation auf der zweiten CD spannend für Neueinsteiger. Boney M. & Co kennt jeder, aber wie ist es mit Karen Young, Empire Projecting Penny oder The Richard Hewson Orchestra? Wer den Disco-DJ beim nächsten Mal verblüffen möchte, findet hier eine gute Vorlage. Jens Wollweber


Arctic Monkeys – »Humbug« (Domino)

Arctic Monkeys – »Humbug«

Dass ausgerechnet die arktischen Baumbewohner mal in der kalifornischen Wüste landen würden, hätte man ja nicht unbedingt gedacht. Oberwüstenfuchs Josh Homme machte dies möglich, indem er die britischen Musiker einfach zu sich einlud und ihnen gleich noch eine Albumproduktion mit auf den Weg gab. Das Ergebnis ist dann doch überraschend. Weniger aufgrund der typisch staubtrockenen Homme-Produktion, bei der an allen Ecken und Soundwänden ein großes Queens of the Stone Age-Poster prangt, sondern eher wegen des deutlich geringeren Ungestümtheitsanteils. Während der Vorgänger »Favourite worst nightmare« das Debüt in Sachen Hibbeligkeit sogar noch übertraf, hantiert »Humbug« nahezu durchweg mit angezogener Handbremse. Weniger zappelige Indie-Hits, stattdessen kraftvolle, vielschichtigere Songs. Und obwohl man sich vor Hören der Platte noch wünscht, dass doch jetzt endlich ihr Speed-Indie mit dem Stoner-Vorschlaghammer bearbeitet wird, tut sich die Band vielleicht den größten Gefallen damit, genau dies nicht zu tun. So klingen die Arctic Monkeys das erste Mal nicht nach Instant-Hit und One-Night-Sing, sondern vermitteln das Gefühl, dass dieses Mal mehr dahinter steht. Dieses Potenzial, garniert mit der wuchtigen Produktion, könnte ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere sei. Denn vielleicht mag die Tanzflächenbevölkerung dieser Welt an diesem Album etwas verhungern, den künstlerischen Nährwert der Band dagegen steigert es auf jeden Fall. Mario Helbig


Múm – »Sing Along To Songs You Don’t Know« (Morr Music/Indigo)

Múm – »Sing Along To Songs You Don’t Know«

Das isländische Kollektiv Múm meldet sich mit der fünften Veröffentlichung in mittlerweile zwölf Jahren zurück. Dabei bleibt sich die offene Künstlergruppe um die zwei Gründungsmitglieder Gunnar Örn Tynes und Örvar Þóreyjarson Smárason selbst treu, denn der Sound ist gewohnt verspielt und ungewöhnlich. Die politische wie ökonomische Krise in ihrer Heimat Island führte bei Múm zum Glück zu keiner künstlerischen. Vielmehr belegt »Sing Along To Songs You Don’t Know« eine konsequente Weiterentwicklung ihres Schaffens. Múm zeigen sich 2009 vielseitig, gereift und trotzdem eigensinnig, gewohnt melancholisch wie hoffnungsvoll. So ist diesmal unter anderem der estnische Chor Suisapäisa zu hören, der das eigenwillige Klangsystem stimmgewaltig bereichert. Zu diesem gehört aber genauso der Wellensittich aus dem Hause der Eltern von Örvar. Dieser kommentiert im Hintergrund auf seine eigene Art das Pianospiel. Viele andere Künstler hätten die Aufnahmen sicher nochmals neu – und um den Vogelgesang bereinigt – eingespielt, die Isländer natürlich nicht. Auch wenn die Musik oft zuckersüß rüberkommt, bewahren sie sich gekonnt ihre Kanten. Michael Wallies
Múm live: 28.8., Beatpol, Dresden


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