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Gut aufgelegt!

Die Musik-Rubrik

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Noiseshaper, Caspian und Max Herre

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Noiseshaper, Caspian und Max Herre.


Noiseshaper – »Satellite City« (Cat’n Roof Records)

Noiseshaper – »Satellite City«

Bescheidenheit ist nicht gerade ein Merkmal von Infotexten zu Alben. Aber manchmal erstaunt das Selbstvertrauen der Labels schon enorm. So kann das neue Noiseshaper-Album laut Infotext »schon heute getrost als Klassiker bezeichnet werden«. Das »Soundunternehmen Noiseshaper« gibt es seit fast zehn Jahren – zwei Männer: einer aus London, einer aus Berlin. Mit dem »Dancefloorknaller« »The Only Redeemer« sind sie bekannt geworden. Ihr Album »Satellite City« ist einer von nicht wenigen Versuchen, Reggae und Dub in neue Gewänder zu stecken, um sie entweder für den Dancefloor fit zu machen, oder um sie mit Pop zu schminken. Und obwohl
soviel Großspurigkeit in der Ankündigung wenig sympathisch ist, geht die musikalische Idee bei Noiseshaper auf. Um House, Pop, Soul und Rap werden die durchaus authentischen Reggae-Vibes ergänzt. Teilweise etwas glatt und platt und mit komischen »Boomshakalaka«-Refrains, aber musikalisch kompakt, versiert und mit einen feinem Gefühl für die Sounds der verschiedenen Genres. Ob das für die Roots-Verfechter nun Verrat ist, scheint Noiseshaper gleich zu sein. Da hat das Selbstvertrauen ausnahmsweise positive Züge. Jens Wollweber


Caspian – »Tertia« (Make My Day Records)

Caspian – »Tertia«

Das Bostoner Quintett Caspian hat offenkundig einen guten Lauf. Nachdem ihr Debüt »The Four Trees« auf Make My Day Records im letzten Sommer endlich auch außerhalb von Amerika erschien, folgte auch gleich die erste Europatour. Caspian spielen instrumentalen Rock, was allerdings nicht bedeutet, dass hier eine weitere musikalisch zwar äußerst ambitionierte, allerdings schwer zugängliche wie verkopfte Postrock-Band ihr Unheil verbreitet. Jede Menge Leidenschaft und ein überdeutlicher Hang dazu, möglichst laut zu spielen, machen auch das dritte Studioalbum »Tertia« aus. Die Band liebt das Feedback!
Hier liegt ganz sicher keine CD vor, die Musikgeschichte schreiben wird, dafür macht es aber richtig Freude, die zehn Stücke zu hören. Caspian schaffen es lässig – manchmal noch einen Tick zu unbeholfen – die Konzertenergie einzufangen. Man darf also durchaus gespannt sein, wie sich die Amerikaner in den nächsten Jahren entwickeln. Einen Spitzenplatz in der hart umkämpften Mogwai-Liga haben sie heuer auf jeden Fall sicher. Michael Wallies
Caspian live: 3.9. naTo


Max Herre – »Ein geschenkter Tag« (Nesola/FOUR Music)

Max Herre – »Ein geschenkter Tag«

Es ist ein bisschen, als würde ein alter Freund einen Brief schreiben. So einer, den man hatte, als alles ganz furchtbar wichtig und aufregend war. Von hinten wie von vorne. Seine Handschrift und die Wahl seiner Worte verraten, dass viel passiert ist in der Zwischenzeit. Dass er sich verändert hat, so wie man selbst hoffentlich auch. »Alter Weg«, ein Kapitel aus Max Herres letztem Brief, deutete bereits die Richtung an, die er nun (mit dem neuen) konsequent beschritten hat: weg von all dem digitalen Ballast, fort aus der Enge der HipHop-Schublade. In der Zwischenzeit streifte er sein Rap-Korsett vollständig ab und schlüpfte in das luftige Gewand eines Songwriters. Klar, das ist auch ein bisschen Mode, aber es steht ihm ausgesprochen gut. Viel besser als den meisten seiner Artgenossen. Darunter verstecken sich weniger vordergründige Hits als vielmehr angenehm sparsam instrumentierte, überwiegend akustische Stücke – gespielt von versierten Musikern, die es verstehen, ihr Können in den Dienst des jeweiligen Songs zu stellen. Dazu ein schöner, warmer und analog klingender Sound, der ohne Modernismen auskommt. Und zwischen den Zeilen, vor allem im Gesangsgestus, immer wieder Udo, das große Vorbild. All das wirkt jedoch eher entspannt als verkrampft. Herre scheint geerdet und altert angenehm unaufgeregt und würdevoll. Das Fehlen von Raps und Beats mag manch alten Freund von damals verschrecken, aber wer braucht schon solche Freunde? Benjamin Dohmann


Musik

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