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Stecknadelfallenhörsound

Sophie Hunger-Konzert am 4.10. in der Moritzbastei

Lange war Sophie Hunger ein gut gehütetes Geheimnis der Schweizer. Ihr erstes eigenes, im heimischen Wohnzimmer aufgenommenes Album »Sketches on Sea« von 2006 wurde hierzulande kaum wahrgenommen. Umso größer war dann die Sprengkraft, mit der der Nachfolger »Mondays Ghost« international einschlug.

Lange war Sophie Hunger ein gut gehütetes Geheimnis der Schweizer. Ihr erstes eigenes, im heimischen Wohnzimmer aufgenommenes Album »Sketches on Sea« von 2006 wurde hierzulande kaum wahrgenommen. Umso größer war dann die Sprengkraft, mit der der Nachfolger »Mondays Ghost« international einschlug.

Dies war umso erstaunlicher, als die Waffen, mit denen Hunger ihren Kampf kämpft, rein äußerlich betrachtet nicht viel hermachen. Keine dicken Beats, nichts, das krass, übermäßig neu oder wenigstens modern wäre. Im Gegenteil: Geradezu klassisch und sparsam arrangierte Singer/Songwriter-Stücke, ein bisschen Jazz, ein bisschen Blues, ein bisschen Folk im positiven Sinne. Überwiegend akustische Gitarren- und Klavierklänge, Percussions, Chöre, wunderbar weiche Vibraphone und Posaunen, und Flötensounds, die nicht nerven – eingespielt von studierten Musikern ohne Profilneurose.

Auffällig war zunächst allein die sandpapierene Stimme Hungers und das wie selbstverständlich vollzogene Hin- und Herhüpfen zwischen verschiedenen Sprachen: Französisch, Englisch, Deutsch und manchmal auch Schweizerdeutsch. Dieses Selbstverständnis der fließenden Übergänge, das nur wenige so ungekünstelt hinbekommen wie sie, sind keineswegs dem Zufall geschuldet. Die Tatsache, dass sie als Tochter einer Politikerin und eines Diplomaten heranwuchs, bescherte der heute 26-Jährigen eine internationale Jugend zwischen Zürich, Bonn, Teheran und London.

Doch so offen, abgeklärt und international ihre Musik bei allen Widerhaken auch klingt – privat und in Interviews erscheint Hunger eher medienscheu. Sie wählt ihre Worte mit Bedacht, ist uneitel und vorsichtig. Ein Bild, das die talentierte Weltenbummlerin auf der Bühne um etliche andere Facetten ergänzt. So lesen sich Konzertrezensionen nicht selten wie Lippenbekenntnisse von Erleuchteten. Von unglaublicher Intensität und Intimität ist da die Rede, von andächtigem Schweigen, vom Stecknadelfallenhörsound. Der Name Sophie Hungers ist vielleicht kein Geheimnis mehr, ihre Musik schon. Benjamin Dohmann

Sophie Hunger live: 4.10., 20 Uhr, Moritzbastei

Nachfolgend ein 33-minütiges Video mit jeder Menge toller Songs, live performed von Sophie Hunger und Band.


Musik | aus dem kreuzer-Heft 10.09

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