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Gut aufgelegt!

Die Musik-Rubrik

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit GusGus, Editors und Windmill.

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit GusGus, Editors und Windmill.


GusGus »24/7« (Kompakt)

GusGus »24/7«

Irgendwie waren GusGus immer unberechenbar. Zugleich sind sie aber immer eine Konstante in der Clubszene gewesen, gerade auch weil sie mit ihrem opulenten Sound immer einen Tick neben den Minimal-, Electro-Clash- und House-Hypes standen. Ihr neues Album »24/7« erschien nun überraschend auf dem Kölner Label Kompakt, wobei es eigentlich auch schlüssig ist. Denn auch Kompakt steht seit Jahren für Clubmusik mit verschiedenen Querverweisen in Richtung Pop. Und mit Pop waren GusGus in jeder Phase vertraut. Selbst auf dem neuen Album mit nur fünf Stücken, die zumeist um die zehn Minuten lang sind und allerlei Experimentierfreude offenbaren, bleibt der Pop-Appeal erhalten. Natürlich liegt es am Gesang von Daniel Agust, dem exzentrischen Sänger, der schon auf den ersten beiden GusGus-Alben ziemlich prägnante Spuren hinterlassen hat. Und doch ist »24/7« ganz anders als die letzten beiden Alben. Bis auf ein Remake von Jimi Tenors Hit »Take Me Baby« mäandern alle Tracks in skurrilen Synthesizer Schleifen umher. Es gibt keinen richtigen Start, kein Ziel. Ab und an gibt es Pop-Strukturen. Doch auch die werden irgendwann wieder aufgebrochen. Kein leichtes Album, das zielstrebig nach vorn möchte. In den aufgeblasenen Synthesizer-Sounds ist es aber durch und durch GusGus. Jens Wollweber

GusGus live: 8.10., Distillery


Editors – »In this light and on this evening« (pias/rough trade)

Editors – »In this light and on this evening«

Es gibt Synthies! Die Editors hauen kräftig in die Tasten und kreieren gleich im Eröffnungsstück gewaltige Sounds, die ein wenig an die bedrohliche Titelmusik des Terminators erinnern. Es flirrt und fiept nervös, bis endlich die erlösenden Gitarren und Drums einsetzen. Ein Gewitter bricht los. Musikalisch heben die Editors in der ersten Albumhälfte angetrieben von Keyboard und Synthie in untypische Sphären ab. Tom Smith singt gewohnt theatralisch, manchmal aber ungewohnt hoch über dreckige Straßen, zerbrochene Liebe oder die Abwesenheit von Gott. Inhaltlich gibt’s also wenig Neues. Mit »The Big Exit«, einer astreinen Joy-Division-Hommage, kehrt ein wenig Ruhe ein. Von den Höhenflügen am Anfang erholt sich das Album dann nicht mehr: zu perfekt sind die ersten Stücke, als dass der Rest da mithalten könnte, sieht man mal von »Raw Meat = Blood Droll« ab, das wie aus der Feder von Kasabian klingt. Doch immerhin: vier der neun Songs sind mehr als ein fettes Ausrufezeichen. In den besten Momenten weht ein Hauch Joy Division durch die Kopfhörer und schon stehen die Armhaare aufrecht. Holger Günther


Windmill – »Epcot Starfield« (Grönland)

Windmill – »Epcot Starfield«

Diese Stimme. Sobald Thomas Dillon anfängt zu singen, wundert man sich nicht, dass er sagt, er habe das neue Werk »am Rande des Wahnsinns« aufgenommen. Denn genau so klingt es. Nach Wahn und Sinn, nach am Rand von irgendwas sein. Ein Nerd mitten im Disneyland. Die dort als Kind gemachten Erfahrungen in dem Disneyworldstadtteil Epcot waren die Ideengeber für »Epcot Starfields«. Weil damals die Erwachsenen noch jemand anders waren, weil es dort bunt war und komisch roch. Und alles so grenzenlos schien, so unendlich wie im Weltraum. Auch das Künstlercover erzählt die Geschichte einer Weltraumliebe. Dabei hat Dillon aka Windmill die Songs in seinem Schlafzimmer alleine bei Kerzenlicht aufgenommen und klingt dabei nach Weite und Massen. Singt und sinniert über Sterne, Spaceships und Shuttles. Und darüber, dass keiner ewig lebt. Mit Klavier, Geigen und dieser Stimme. Wahnsinn. Juliane Streich

Windmill live: 2.10., naTo


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