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Vulkanisiertes Kollektiv

Die isländische Band GusGus stellt ihr neues Album live in der Distillery vor

Es gibt wohl kaum ein anderes Pop-Land, bei dem die Entstehung der Musik derart oft an sozio-geografischen Aspekten festgemacht wird wie Island. Geysire, Vulkane, Feen und lange Winter – all dies sind angeblich Einflüsse auf das Elegische von Sigur Rós oder das etwas Weltentrückte und Verspielte von Mùm.

Es gibt wohl kaum ein anderes Pop-Land, bei dem die Entstehung der Musik derart oft an sozio-geografischen Aspekten festgemacht wird wie Island. Geysire, Vulkane, Feen und lange Winter – all dies sind angeblich Einflüsse auf das Elegische von Sigur Rós oder das etwas Weltentrückte und Verspielte von Mùm.

GusGus sind zwar auch durch und durch isländisch, aber ihr Sound ließ sich nie mit diesen Stereotypen decken. Und das, obwohl die Band innerhalb ihres fast 15-jährigen Bestehens einige musikalische Wendungen hinter sich hat. Waren GusGus in den späten Neunzigern ein bis zu 9-köpfiges Kollektiv aus Producern, Künstlern und Filmemachern, das mit einer überaus poppigen Mischung aus TripHop und House in die Zeit passte, so sind sie spätestens seit dem Album »Attention« von 2002 ausschließlich im Club mit geradlinigen Rhythmen zu Hause.

Allerdings blieben GusGus mit ihren Tracks weiterhin immer eine Spur neben dem Club-Establishment – zu poppig, zu dreckig und alles andere als minimalistisch. Aber ihr Sound blieb charakteristisch: aufgepeitscht durch schroffe und gleichermaßen eingängige Synthesizer-Sounds, in ihrem Rhythmus und Tempo oft unberechenbar und in der Attitüde irgendwo zwischen Stadion-Rock- und Rave-Sau.

Obwohl sich mit Stephan Stephensen und Birgir Pórarinsson doch mittlerweile eine Art Kern in der GusGus-Besetzung herauskristallisiert hat, so bleibt am Mikrofon der Kollektivgedanke erhalten. Für das neue Album »24/7« entschied sich Daníel Ágúst, zu GusGus zurückzukehren, nachdem er die Band vor ihrer Zäsur vor sechs Jahren verlassen hatte. Dadurch gelingt dem heutigen Trio quasi ein Spagat zwischen dem Jetzt und ihrer Vergangenheit.

Trotzdem überrascht das Album in seiner Nonkonformität. Lediglich fünf Stücke sind darauf enthalten, und ein Großteil mäandert in langen Ausflügen scheinbar ziellos nach vorn – ähnlich einer Jam-Session. Derweil kokettiert die Single-Auskopplung »Add This Song« mit dem typischen frühen GusGus-Pop-Appeal. Passt diese Unberechenbarkeit also doch zum isländischen Vulkanreichtum?

8.10., Distillery
http://www.gusgus.com
Musik | aus dem kreuzer-Heft 10.09

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