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Wie fremd ist die Welt?

Monika Rincks Poesie der Verwirrungen

An dieser Stelle präsentieren wir ab sofort jeden Monat das Buch des Monats. Zu finden ist dieses dann bei Lehmanns in der Grimmaischen Straße 10, in einem exklusiven und eigens für den kreuzer eingerichteten Regal im Eingangsbereich.

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Lyrik ermöglicht einen besonderen Zugriff auf die Welt: auf die je eigenen Sprach-Bilder und Erinnerungsräume. Mit einer »Grammatik der Schöpfung« begegnet man den alltäglichen Gesten. Letzteres wird nicht selten als das Schwierige, ja Weltfremde ausgegeben. Aber ist das wirklich so? Wird nicht, wie Monika Rinck sagt, über eine Art Fremdheit in der Welt einfach hinweggegangen, das Unverständliche zugleich unter den Teppich gekehrt, um es dann gegen das Gedicht zu wenden?

Es ist dieses Beharren auf dem Sinn des Unerklärbaren, auf den Zumutungen der Weltaneignung, Scheitern inklusive, das sich auch in ihrem neuen Gedichtband findet: In fünf Kapiteln werden Szenarien alltäglicher Konfusion zwischen Geliebt- und Verlassenwerden, Ungewissheit und Euphorie aufgenommen und dem Rinck´schen Begriffshaushalt zugeführt. So, wenn unter dem Titel »Aufruhr und Seele« die Anmaßungen der Liebe in die Mühlen der Flugabfertigung geraten: »…herz erreicht die größe von terminal C, nähert / sich terminal B, überschlägt jetzt, über den schultern verschlungen. / die fluglotsen verwundert, hinaus, wie ist es möglich, es ist / durchsichtig, ich aber sehe es von innen und außen, irre!«

Das häufig anzutreffende Parlando, die Fülle an Assoziationen und das zum Teil schon Slapstickartige des Ausdrucks dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sprache immer auf die bedrohte Innen-Welt zielt: »Das Bewusstsein macht Besorgungen. / Es ist sicher gleich zurück. /… es ist unterwegs, neue Fetische zu erproben, denn die alten / gelten nicht mehr.« Zuweilen führt aber das Faible für Sprach- und Wortspiele an die Grenzen lyrischer Rede, dann wird nicht nur die quitteste Quitte, quittierend, als Komet und Quittengesicht, zum semantischen Alleskönner. Dabei gilt auch hier, dass es ohne Grenzüberschreitungen nicht geht: Nur dann, so dürfen wir diese Poesie verstehen, lässt sich erfahren, wie wir heimisch werden können in dieser Welt und wie fremd sie uns bleiben muss.

Monika Rinck: Helle Verwirrung/Rincks Ding- und Tierleben. Gedichte und Zeichnungen. Illustriert von Andreas Töpfer. Berlin: kookbooks 2009. 200 S., 24,90
Literatur | aus dem kreuzer-Heft 10.09

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