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Drei Jahrzehnte reduziert

Der japanische Musiker Ryuichi Sakamoto gastiert solo am Piano im Centraltheater

Japan ist ein Land der Gegensätze – technologische Moderne und tief verwurzelte Traditionen prallen aufeinander. Insofern repräsentiert Ryuichi Sakamoto seine Heimat wie kaum ein anderer nach außen. Der Komponist, Schauspieler und Pianist zählt zu den wichtigsten Vertretern japanischer Musik.

Japan ist ein Land der Gegensätze – technologische Moderne und tief verwurzelte Traditionen prallen aufeinander. Insofern repräsentiert Ryuichi Sakamoto seine Heimat wie kaum ein anderer nach außen. Der Komponist, Schauspieler und Pianist zählt zu den wichtigsten Vertretern japanischer Musik – aus ganz verschiedenen Perspektiven. Schnittmengen von scheinbar unüberwindbaren Gegensätzen aufzuspüren und auszuformulieren, das kann als wesentlicher Antrieb im Schaffen des heute 57-Jährigen verstanden werden. Ein Grenzgänger, der sich weder davor scheut, emotional aufgeladene Filmmusik noch exklusive Klingeltöne für ein Nokia-Telefon zu komponieren. Eine internationale Größe, die mit dem Yellow Magic Orchestra Ende der Siebziger ebenso avantgardistisch-eingängig war wie Kraftwerk in Europa und die später hinter den Kulissen die Einweihungsfeier der olympischen Spiele von 1992 in Barcelona kuratierte. Seit Ende der Siebziger wächst sein Backkatalog, heute ist er kaum mehr zu überschauen. Neben zahlreichen Solo-Veröffentlichungen hat es Sakamoto besonders die Filmmusik angetan. Sowohl Klassiker wie »Der letzte Kaiser« und »Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence« als auch jüngere Produktionen wie »Silk« und »Babel« untermalte er musikalisch.

Doch Sakamoto sucht ebenso den Austausch. Insbesondere mit Carsten Nicolai alias Alva Noto entstanden einige herausragende Alben, die klassische und elektronische Avantgarde vereinen konnten. Und so bewegt sich der Japaner nicht zuletzt nach der jüngsten Kollaboration mit dem österreichischen Electronica-Shoegaze-Producer Christian Fennesz heute zwischen elektronischen Experimenten, Ambient und Neuer Musik. Nichtsdestotrotz stand dabei das Piano immer im Zentrum seines musikalischen Ausdrucks. Sein neues Album »Playing The Piano« sowie die Herbst-Tour durch Europa – mit Halt in Leipzig – konzentriert sich daher nicht von ungefähr auf jenes Instrument. Seine erfolgreichsten Solo-Stücke und Filmmusiken hat Ryuichi Sakamoto herausgesucht und neu eingespielt – ausschließlich mit dem Piano. Mit einer derartigen musikalischen Geschichte im Rücken ist dies eine durchaus spannende Reduktion auf das Wesentliche.

11.10., Centraltheater
http://www.sitesakamoto.com
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