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Eine Stimme für die Tränen

Heather Nova singt im Haus Auensee

Ihre Stimme ist ganz klar und rein. Sie singt, als wäre sie die Unschuld in Person. Tatsächlich hat sich die Klatschpresse nie für sie interessiert. Warum auch: Heather Nova ist keine, die großes Aufsehen um ihr Talent macht.

Ich musste weinen, als ich Heather Nova live sah. Nicht, weil sie so hübsch ist, mit ihrem kantigen Gesicht und den vollen Lippen. Nicht, weil sie so verloren dort oben aussah, wie ein Kind, das seine Mama sucht. Und auch nicht, weil ich an diesem Tag todtraurig war. Ich musste weinen, weil ihre Stimme mich so sehr gerührt hat. Heather Nova ist tatsächlich die einzige Sängerin, die das je schaffte. Ihre Stimme ist ganz klar und rein. Sie singt, als wäre sie die Unschuld in Person.
Tatsächlich hat sich die Klatschpresse nie für sie interessiert. Warum auch: Heather Nova ist keine, die großes Aufsehen um ihr Talent macht. Ihre Konzerte sind keine Shows: Sie schwingt keine Reden über ihre Coolheit, fragt nicht nach jedem Song „How are you?“, macht keine verkrampften Witze. Sie macht nur Musik und wirkt dabei weltentrückt und verträumt.

Ich stelle mir vor, dass sie an die Zeit zurückdenkt, als sie noch klein war. Vor 42 Jahren wurde sie als Heather Frith in Bermuda geboren und verbrachte ihre Kindheit auf einem Segelboot. Erst 1993 erschien das erste Studioalbum „Glowstars“, ein Jahr später gelang ihr mit dem Lied „Walk this world“ der Durchbruch. Damals waren es Gitarre und Cello, die ihre Stimme begleiteten. Es folgten Phasen, in denen sie versuchte rockiger, zu werden, doch mit ihrem letzten Album „The Jasmine Flower“, das vergangenes Jahr rauskam, ist sie zu ihren akustischen Anfängen zurückgekehrt.
Deshalb wird sie bei ihrem Konzert im Haus Auensee vermutlich wieder so verloren auf der Bühne stehen, mit einer Gitarre, die fast größer ist als sie selbst, und diesmal werden wahrscheinlich die ersten Falten um ihre Augen tänzeln. Und vielleicht wird sie wieder sagen: „Viele Menschen glauben nicht, dass das meine wirkliche Stimme ist. Viele Menschen glauben, ich singe Playback.“ Und vielleicht wird sie dann wieder ein Lied singen, ganz alleine, ohne Begleitung. Dann werde ich eine Gänsehaut bekommen, die Tränen werden mir über die Wangen kullern und ich werde mitsingen: „ I’m pretty happy living in my own sweet time, I’m pretty happy – And I don’t need your virus of the mind.”

Heather Nova live: 25.10., Haus Auensee
Musik

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