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Deine Mutter wirft mit Fleisch

K.I.Z. rappen böse im Conne Island – vor allem aber nehmen sie sich selbst nicht so ernst

Hast du nen großen Schwanz? Fickst du deine Mutter? Hasst du schwule Hurensöhne? Packst du die Sachen weg, wenn die Kanaken kommen? Findest du diese Sprache widerlich und liest jetzt nicht mehr weiter? Dann vergiss K.I.Z. Die vier Berliner würden dich fertigmachen, mit all ihren gestörten Freunden, die deine Party stürmen.

Hast du nen großen Schwanz? Fickst du deine Mutter? Hasst du schwule Hurensöhne? Packst du die Sachen weg, wenn die Kanaken kommen? Findest du diese Sprache widerlich und liest jetzt nicht mehr weiter? Dann vergiss K.I.Z. Die vier Berliner würden dich fertigmachen, mit all ihren gestörten Freunden, die deine Party stürmen.

Die sind nämlich total kaputt. Ja, so richtig anstrengender Gangstarap mit allen Fäkal- und anderen Ausdrücken. Nicht umsonst nennen sich ihr Album und ihre Tour »Sexismus gegen Rechts«, sich selbst wahlweise »Kannibalen/Kriegsverbrecher/Künstler/Klosterschüler in Zivil/Zuchthaus/Zölibat oder – wenn wirklich keiner mehr aufhört, nach ihrem Namen zu fragen – auch mal »Karotten, Ingwer, Zwiebel«. Denn nein, K.I.Z. nehmen sich selbst nicht ernst. Genauso wenig wie ihre Texte, die so gerne provozieren.

Da wird Jörg Haider mit Hitler und Möllemann in eine Reihe gestellt, Josef Ackermann angezeigt (aber unter 110 geht keiner ran) und der arme Banker kann nur noch über Mario Barth lachen. Die Zeiten sind hart, K.I.Z. auch. Oder sind sie nur witzig? Rappen können sie auf jeden Fall, wie schon lange keiner mehr im deutschsprachigen Raum. Tanzbar, beatvoll und verstörend.

Bekannt wurden sie als RapDeutschlandKettensägenMassaker, das sich nach einem Konzert mit kiloweise Fleisch bewarf. Später wollten sie in Kreuzberg ein geheimes Konzert in einer U-Bahn geben, was dazu führte, dass die halbe Strecke der U1 gesperrt und das Schlesische Tor von der Polizei geräumt wurde. Überhaupt erinnert einiges an die Zeiten von Punk, den es schon lange nicht mehr gibt. Vielleicht ist Bela B., der mit seiner neuen Lieblingsband den Song »Hölle« sang, deswegen ein großer Fan. Andere Gastmusiker sind Peter Fox oder Sido. Eine Einordnung schlägt also wieder fehl.

Inzwischen sind Tarek, Maxim, Nico und DJ Craft beim Majorlabel Universal, irgendwie haben sie mit ihrem Wahnsinn den Geschmack der Massen getroffen- worüber man besorgt sein kann oder auch nicht. Die pubertierende Jugend liegt ihnen zu Füßen oder springt vielmehr mit Kapuze auf dem Kopf und Spraydose im Rucksack vor ihren Bühnen auf und ab. Aber auch Punks, Technotänzer und Indiefreunde verirren sich auf die Konzerte. Von Rock am Ring wurden K.I.Z. wieder ausgeladen, weil die Texte Sponsor Suzuki zu hart waren. Es gibt also einiges zu erwarten von ihrem Auftritt in Leipzig, allerdings weit mehr als nur verbales Arschficken.

K.I.Z. live: 7.11., Conne Island
http://www.k-i-z.com
Musik | aus dem kreuzer-Heft 11.09

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