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Musik wie eine warme Decke

William Fitzsimmons spielt in der MB Musik, unter der man sich verkriechen möchte

Oft hoffen die Eltern von Musikern, dass ihr Kind mal etwas Vernünftiges, Beständiges lernt. Ganz anders verläuft es bei William Fitzsimmons. Er wächst in einem mehr als musikalischen Haushalt in Pittsburgh auf und entwickelt bereits früh ein Gespür für Piano, Banjo oder Gitarre. Seine Eltern sind blind, akustische Reize prägen den Hobbymusiker besonders.

Oft hoffen die Eltern von Musikern, dass ihr Kind mal etwas Vernünftiges, Beständiges lernt. Ganz anders verläuft es bei William Fitzsimmons. Er wächst in einem mehr als musikalischen Haushalt in Pittsburgh auf und entwickelt bereits früh ein Gespür für Piano, Banjo oder Gitarre. Seine Eltern sind blind, akustische Reize prägen den Hobbymusiker besonders.

Trotzdem wird Fitzsimmons nur über einen Umweg Musiker: Während seiner Ausbildung zum Therapeuten hat er jahrelang keine Zeit für Musik, bis es den bärtigen Songwriter wieder packt. Im letzten Semester kratzt er Geld zusammen, kauft sich billiges Aufnahmeequipment und widmet sich neuen Songs. Die Ausbildung beendet er trotzdem und arbeitet eine Weile als Psychotherapeut, bis er merkt, dass seine wahre Leidenschaft das Songschreiben ist. Da Musik für ihn durchaus auch heilende Wirkung hat, ist seine Entscheidung, Vollzeitmusiker zu werden, gefasst.

Nach zwei selbst produzierten Alben ist »The sparrow and the crow«, das Fitzsimmons in der Moritzbastei vorstellt, sein erstes offizielles Studioalbum. Darauf verarbeitet der Amerikaner bedacht und in feinster Folkmanier ein Ereignis, das ihn in tiefe Trauer versetzte: Nach neun Jahren zerbrach die Ehe mit seiner Jugendliebe. Fitzsimmons singt von Fehlern, die er machte, bittet um Vergebung und erzählt vom großen Loch, das die Trennung in seinem Leben hinterließ.

Sanfte Arrangements mit spärlich eingesetzten Drums, viel Akustikgitarre, Pianoparts und gelegentliche Backgroundvocals bestimmen die Musik des Amerikaners. Mit einer warmen, leicht kratzigen Stimme erzählt er seine Geschichte, ohne dabei allzu weinerlich zu klingen. Vielmehr klingt Fitzsimmons Musik wie eine warme Decke, unter der man sich verkriechen möchte. Wem bei »Goodmorning«, einer hoffnungsvollen Gitarrenballade, die dem Glauben ans Finden der Liebe treu bleibt, nicht wenigstens ein kleiner Schauer über den Rücken läuft, der muss aus Stein sein. Holger Günther

William Fitzsimmons live: 10.11., Moritzbastei
http://www.williamfitzsimmons.com
Musik | aus dem kreuzer-Heft 11.09

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