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Was kommt nach der Lohnarbeit?

Kurzfilme im Schleußiger WestEnd: Die Filmreihe zum Thema Arbeit geht in die dritte Runde

Wenn Lohnarbeit die Abwesenheit von sinnvoll verbrachter Freizeit ist, dann ist knappe Arbeit eigentlich keine Bedrohung. Dennoch ist Tätigsein immens wichtig, nicht nur für den Lebensunterhalt. Die Tätigkeit ist Identifikationsmittel und der Arbeitsplatz ein Feld sozialer Möglichkeiten bis nach Feierabend.

Wenn Lohnarbeit die Abwesenheit von sinnvoll verbrachter Freizeit ist, dann ist knappe Arbeit eigentlich keine Bedrohung. Dennoch ist Tätigsein immens wichtig, nicht nur für den Lebensunterhalt. Die Tätigkeit ist Identifikationsmittel und der Arbeitsplatz ein Feld sozialer Möglichkeiten bis nach Feierabend.

Wer die Arbeit verliert, verliert also viel. Und gemäß dem Motto, dass auch nicht essen soll, wer nicht arbeitet, verwirkt der Arbeitslose sein Recht auf das Existenzminimum, wenn er sich nicht erkennbar bemüht, sich den Ersten Arbeitsmarkt zurückzuerobern.

Dieser ist das Fernziel zweier Langzeitarbeitsloser im Kurzfilm »Waldmeister«. Ihr Weg dorthin führt jedoch erst mal über eine vom Arbeitsamt auferlegte »Maßnahme« im Wald. Der Film ist einer von elf Beiträgen, die 2007 bei einem Kurzfilmwettbewerb der Bundeskulturstiftung zum Thema Arbeit prämiert wurden und nun den dritten Teil einer Filmreihe in der Schleußiger Videothek WestEnd bilden. Ihr Titel: »Endlich wird die Arbeit knapp – oder: Die Krise der Arbeitsgesellschaft«. Initiator sind Lars Meyer und sein neu gegründeter Verein WestEndFilm.

Dass die Arbeitsgesellschaft sich wandelt, ist nichts Neues. Neben der klassischen Erwerbsarbeit gibt es Patchworkexistenzen aus mehreren Jobs, Lebensläufe ohne roten Faden und junge Kreative mit Laptops und Projekten. Firmenzugehörigkeiten von der Lehre bis zur Rente sind die Ausnahme. Dass diese Zeit vorbei ist, dokumentiert »Die Neue Zeit«, indem er mittels Szenen alter Unterrichtsfilme der Staatsbürgerkunde von einer Welt erzählt, in der noch jeder Erwachsene zur Arbeit ging und sich in den Dienst der Gesellschaft stellte. Dagegen berichten die Schüler von heute in »Mit Pferden kann man nicht ins Kino gehen« von den Vorstellungen, die sie von ihrem Leben und ihrer beruflichen Zukunft haben.

Auch utopisch kann das Thema betrachtet werden: »Recycled Planets« regt an, dass, wer auf Erden keinen Job findet, extraterrestrisch sein Glück versuchen kann. Und »Wirtschaftswunder« stellt noch einmal die Frage nach den Bedürfnissen, die man sich nach Einsatz seiner Fähigkeiten erfüllt. Hier wird eine Kommune bei ihrem Versuch dokumentiert, das Verhältnis von Fähigkeiten und Bedürfnissen zu regeln.

In »Outsourcing« wird das ganz einfach gelöst. Denn betrachtet man die Kleinfamilie unter rein wirtschaftlichen Erwägungen, wird deutlich, dass man sich von lieb gewordenen, doch ineffektiven Mitgliedern trennen muss. Derart rationalisierte Geschäftsprozesse setzen Kapazitäten frei, auch im wahren Leben. Das Unternehmen freut sich über eingespartes Kapital und der zu teure Angestellte hat endlich Freizeit. Franziska Reif

15.11., 20 Uhr, WestEnd, Industriestr. 18., Eintritt frei
Film | aus dem kreuzer-Heft 11.09

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