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Saxophon-Koloss

Der Jazz-Saxophonist Johannes Enders ist Professor in Leipzig

Der legendäre Jazz-Saxophonist Sonny Rollins wurde gern als Gigant des Tenors bezeichnet – er selbst nannte sich sogar nicht ganz bescheiden Saxophon-Colossus. Der Grund für diese Beweihräucherung liegt nicht allein in Rollins’ musikalischen Höhenflügen, seine stattliche Körpergröße brachte ihm seinen Namen ein.

Der legendäre Jazz-Saxophonist Sonny Rollins wurde gern als Gigant des Tenors bezeichnet – er selbst nannte sich sogar nicht ganz bescheiden Saxophon-Colossus. Der Grund für diese Beweihräucherung liegt nicht allein in Rollins’ musikalischen Höhenflügen, seine stattliche Körpergröße brachte ihm seinen Namen ein.

Seit letztem Herbst wandelt nun sein Kollege Johannes Enders durch Leipzig, der wegen seiner Länge von zwei Metern und seiner saxophonistischen Brillanz ähnliche Spitznamen mit sich führen könnte. Mit Enders hat die Hochschule für Musik »Mendelssohn Bartholdy« einen zweiten Musiker mit internationalem Ruf als Professor in ihrer Jazzabteilung.

Die Initialzündung für seine Karriere kam Anfang der Neunziger Jahre während seines Studiums in New York. Enders spricht heute von seiner besten Zeit, wenn er an die beiden Jahre in der Welthauptstadt des Jazz zurückdenkt. Und tatsächlich konnte er den Zeitpunkt für seine Landung im Big Apple kaum günstiger wählen. Die Young Lions machten in diesen Tagen die Szene unsicher. Unter ihnen waren heutige Jazz-Stars wie Brad Mehldau und Larry Goldings und beide waren sie mit ihm auf der New School for Jazz and Contemporary Music.

Nicht zuletzt wegen der schwierigen ökonomischen Situation für Jazzmusiker in Amerika kehrt Enders zurück nach Deutschland. Mit viel Mut und technischem Können hat er sich seitdem den Ruf als einer der besten Tenoristen auf europäischem Boden erspielt. Jazz scheint für ihn vor allem ein Freifahrtschein für stilistische Kreuz- und Querfahrten zu sein. Ob Elektro-Dub als ständiger Gast im Tied & Tickled Trio, als Saxophonist für die Indie-Band The Notwist oder im klassischen Trio mit Schlagzeug-Urgestein Billy Hart – Enders lässt sich auf alles ein, was ihm musikalisch spannend erscheint.

Mit seinen langjährigen Elektro-Jazz-Projekten Enders Room und Enders Dome ist er ein wichtiger Impulsgeber für die innovative deutsche Szene geworden. Enders ist ein Netzwerker, der es nicht nur versteht unterschiedlichste Genres unter einen Hut zu bringen, er hat auch nie die Fäden zu den Kollegen in seinen ehemaligen Lebensstationen in Grasz und New York abreißen lassen.

Zurzeit versucht er den Balance-Akt zwischen Musiker- und Hochschulprofessor-Dasein hinzubekommen und dabei weder die eigene Kunst noch seine Schüler zu vernachlässigen. Trotz seines ausgiebigen Tourlebens und seines neuen Jobs in Leipzig ist er deshalb seiner Heimatstadt Weilheim in Oberbayern treu geblieben – sie bietet ihm einen Rückzugsort zum Fokussieren und Kräfte-Sammeln.

Im Duo mit Peter Madsen Enders/Madsen Duo: 10.12., Horns Erben
Im Trio und Septett Obscure Rhythm: 12.12., Telegraph
Im Quintett Enders Dom: 13.12., Michaeliskirche
Mit Big Band Johannes Enders & Spielvereinigung Sued: 17.12., naTo
Musik | aus dem kreuzer-Heft 12.09

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