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Die Kinderbuch-Ecke

Jeden Monat stellt die kreuzer-Kinderredaktion neue oder neu aufgelegte Bücher für große und kleine Leser vor. In diesem Monat mit »Pu der Bär. Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald«, »Gregs Tagebuch 3 – Jetzt reicht‘ s« und »Die Sache mit dem Gruselwusel«

Jeden Monat stellt die kreuzer-Kinderredaktion neue oder neu aufgelegte Bücher für große und kleine Leser vor. In diesem Monat mit »Pu der Bär. Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald«, »Gregs Tagebuch 3 – Jetzt reicht‘ s« und »Die Sache mit dem Gruselwusel«


David Benedictus: Pu der Bär. Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald

David Benedictus erweckt Pu den Bären zu neuem Leben

Es klingt nach einem Unterfangen, das zum Scheitern verurteilt ist: Der britische Autor David Benedictus schreibt eine Fortsetzung des Kinderbuchklassikers »Pu der Bär«. Dass er sich damit auf dünnes Eis begibt, ist Benedictus selbst klar. Schon in der Vorrede legt er einem seiner neuen alten Protagonisten in den Mund: »Er wird alles falsch machen, jede Wette. Was versteht er denn schon von Eseln?«

Doch Benedictus versteht eine Menge von Eseln, und bis auf ein paar allzu pädagogische Seitenhiebe macht er eigentlich gar nichts falsch. Er lässt Christopher Robin in den Hundertsechzig-Morgen-Wald zurückkehren, als wäre er selbst der Erfinder der dort hausenden Tierbande. I-Ah ist gewohnt depressiv, Ferkel ist ängstlich wie immer, Kaninchen ist das altkluge Tier geblieben, und auch Känga hat ihre mütterliche Ader nicht verloren. Gemeinsam mit Christopher Robin erleben die Tiere neue Abenteuer: Sie veranstalten eine Kricketpartie, bei der die Vierbeiner gegen die Zweibeiner gewinnen – natürlich dank Ferkels heldenhaftem Einsatz –, und als der Fluss eintrocknet, machen sie einen Brunnen ausfindig – natürlich ebenfalls dank Ferkels heldenhaftem Einsatz. Harry Rowohlt hat die neuen Abenteuer gewohnt souverän ins Deutsche gebracht, der Illustrator Mark Burgess imitiert den Stil von E.H. Shepard wie ein Chamäleon.

Auch Pu der Bär hat seine naiv-philosophische Art nicht verloren: Als Christopher Robin am Ende des Sommers den Wald verlässt, sagt Ferkel: »Ich frage mich, warum die Sachen sich ändern müssen.« Pu denkt nach und erwidert: »Dadurch kriegen sie die Chance, sich zu bessern.« Besser als das Original ist Benedictus’ Fortsetzung vielleicht nicht. Aber beinahe ebenso gut. Und das ist schon das größte Lob, das zu vergeben ist. Katharina Bendixen

→ David Benedictus: Pu der Bär. Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald. Aus dem Englischen von Harry Rowohlt. Illustrationen von Mark Burgess. Hamburg: Dressler 2009. 208 S., 14,90 Euro


Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 3 – Jetzt reichts!

Jungs haben es schwer!

Greg bewegt sich in einem filmreifen Kosmos: Ein fieser großer Bruder, der ihn nur auflaufen lässt, ein fieser kleiner Bruder, von dem er Pupi genannt wird, eine Mutter, die nicht aufgibt, ihn erziehen zu wollen, ein Dad, der lieber einen Sportskanonen-Sohn wie den der Nachbarn hätte, sein Freund Rupert, der irgendwie anders ist und das schier unerreichbare Mädchen Holly. Aber am schlimmsten ist Greg selbst. Er beherrscht das Talent, sich in absurde Situationen zu katapultieren. Völlig klar, dass der väterliche Plan, Greg in einem Feriencamp zu einem Mann zu machen, in die Hose gehen muss.

Die schlauen Leser werden sicher schnell bemerken, dass alle Looser sind, irgendwie… Gregs Dad, süchtig nach Schokolade, klaut heimlich die Süßigkeiten im häuslichen Vorratslager. Seine Mutter bricht bereits nach einem Mal den neuen Kurs im Fitnesscenter ab. Und die Nachbarsfamilie Snella schafft es niemals, den 10.000-Dollar-Hauptpreis bei »Urks – Die Pannenshow« zu gewinnen. All das ist wirklich witzig in Wort und Bild dargestellt und dabei absolut amerikanisch. Greg selbst hält sich übrigens für wunderbar und genau das ist ja die richtige Einstellung, um durchs Leben zu kommen.

Fazit: »Gregs Tagebuch 3 – Jetzt reicht‘ s« ist voll auf Jungs zugeschnitten. Autor Jeff Kinney begibt sich mit Gregs Tagebuchstil ganz auf die einfache Jungs-Ebene. Für die Sprache bedeutet das Gnadenlosigkeit im Ausdruck: kurze Sätze, viele Hilfsverben und auch mal ein Ausdrucks-Fauxpas‘ wie »wegen DEM«. Aber an so was stören sich ja bekanntlich nur Eltern! Judith Burger

→ Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 3 – Jetzt reicht‘ s! von Jeff Kinney. Baumhaus Verlag, 2009, 217 S., 12,90 Euro, ab 10 J.


Christine Noestlinger: Die Sache mit dem Gruselwusel

Die Geister, die Joschi rief

»Nein, du darfst nicht aufhören zu lesen«, sagt mein Sohn zu mir. Ich hatte begonnen ihm »Die Sache mit dem Gruselwusel« vorzulesen. Die Geschichte von Christine Nöstlinger handelt von Joschi, der gerne so mutig wäre wie seine Schwester Mizzi. Weil er es eben aber nicht ist, will er sie erschrecken, damit sie zumindest einmal so ängstlich ist, wie er selbst es immer ist. Dabei erweckt er aus Versehen durch sein eigens erfundenes Schimpfwort »Gruselfurzwuselpups« ein Baby-Gruselwusel zum Leben. Mein Sohn ist neidisch auf Joschi. »Gruselfurzwuselpups« sei viel besser als jedes Schimpfwort, das er je erfunden hat und seine selbst gebastelten Gestalten hat mein Sohn durch Fluchen auch noch nie lebendig machen können.

Indes ist Joschi sehr schnell sehr überfordert mit Babysitten. Der kleine Gruselwusel will nur Spinnweben mampfen und auf der Suche nach diesen hinterlässt er Chaos in Joschis Zuhause. Seine Schwester Mizzi merkt schnell, dass Joschi ein Geheimnis hat, und während sie ihm am Ende hilft, die Sache mit dem Gruselwusel zu lösen, schlottern auch ihr die Knie. Franziska Biermann hat die Geschichte wunderschön illustriert, mit Bildern, auf denen es so viele Details zu entdecken gibt, dass mein Sohn nach einer Seite Text noch immer nicht fertig mit dem Schauen ist. Auf der ersten und letzten Seite ist eine Anleitung zum Selberbasteln für ein Gruselwusel und während ich diese Zeilen schreibe, sitzt mein Sohn im Chaos zwischen Schere, Kleber und Papier und ruft laut »Gruselfurzwuselpups«, ich hoffe jedoch, dass mich morgen kein kleiner Gruselwusel wecken wird. Pia Volk

→ Christine Nöstlinger: Die Sache mit dem Gruselwusel. Mit Illustrationen von Franziska Biermann. Verlag: Nilpferd in Residenz, 64 S., 14,90 Euro


Literatur

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